Christine Kisorsy - Kino-Magie. ZOO PALAST BERLIN - Aviva - Berlin Online Magazin und Informationsportal für Frauen aviva-berlin.de Literatur
AVIVA-Berlin .
.
P
R
.
.

AVIVA_gegen_AFD
AVIVA-Berlin > Literatur AVIVA-Newsletter bestellen
AVIVA-Berlin auf Facebook AVIVA-Berlin auf twitter
   Aviva - Home
   Veranstaltungen in Berlin
   Women + Work
   Public Affairs
   Kultur
   JĂŒdisches Leben
   Interviews
   Literatur
   Romane + Belletristik
   Biographien
   JĂŒdisches Leben
   Sachbuch
   Graphic Novels
   Art + Design
   Lesungen in Berlin
   Music
   Sport
   E-cards
   Gewinnspiele
   Werben bei uns
   About us
   Frauennetze
 


Happy Birthday AVIVA




AVIVA wishes you a happy and peaceful New Year 2018




Aviva-Berlin.de

Versatel






 



AVIVA-BERLIN.de im Juni 2018 - Beitrag vom 28.01.2010

Christine Kisorsy - Kino-Magie. ZOO PALAST BERLIN
Claudia Amsler

Frau betritt den meist schon verdunkelten Raum, sucht sich einen passenden Platz aus und macht es sich gemĂŒtlich, vielleicht begleiten sie sogar eine Cola und eine TĂŒte Popcorn. Ihr Blick...



... fixiert die weiße Leinwand, denn dort wird sich das Spektakel abspielen. Sie - die Projektionswand - ist die Protagonistin, die RĂ€umlichkeiten sind nicht von großem Belangen. Oder spielt das NebensĂ€chliche doch eine wichtigere Rolle, als wir ihr zuschreiben wĂŒrden?

Vielleicht könnte frau das Kino als die "Wiege des Kindes" betiteln. Das Kind ist der Akteur - ist das Augenmerk. Die Wiege als passives Objekt stellt sich zur VerfĂŒgung ohne "gefragt" zu werden, lĂ€sst das Kind ungestört in sich wiegeln und doch spielt sie eine wichtige Rolle, denn die Bauart - die Ausstattung - kitzelt vielleicht erst der Insassin ein glĂŒckliches und zufriedenes LĂ€cheln heraus.

So verleiht die Kino-Architektur dem Film erst die vollendete "Magie", das gewisse Etwas. Doch im Gegensatz zu einer Kinderwiege, die unter UmstĂ€nden ĂŒber mehrere Generationen weitergegeben wird, sind die wenigsten Kinos langlebig. Beispielsweise sind von den 23 Kinos, die um den "Kudamm" in Berlin lagen, nur noch 8 in Betrieb. Ein einziges Kino scheint jedoch unzerstörbar zu sein: Der "ZOO PALAST" in Berlin. Unzerstörbar ist vielleicht dennoch das falsche Wort, eher ein StehaufmĂ€nnchen, denn wĂ€hrend des Krieges wurde der PALAST total zerstört und 1957 als "Musterbeispiel modernster Kino-Architektur" wieder aufgebaut.

Die Fotografin Christine Kisorsy hat sich dem "ZOO PALAST", dem grĂ¶ĂŸten und bekanntesten Kino Deutschlands und jahrzehntelangem Spielort der Berlinale, mit ihren Fotos angenĂ€hert. Sie hat sich der Aufgabe gestellt, das Kino in seiner ganzen MĂ€chtigkeit und architektonischen Pracht darzustellen. Beinahe dokumentarisch geht die KĂŒnstlerin vor, fotografiert noch so "unscheinbare" Dinge fĂŒr die Besucherin.

UnschÀrfe und SchÀrfe...

Ein Bild, das in warme rotorange Töne getrĂ€nkt ist, welches nur im vorderen Drittel scharf ist und im hinteren Teil in seinen Farbnuancen verschwimmt. Die Fotografie wirkt beinahe durch die UnschĂ€rfe wie ein impressionistisches GemĂ€lde, das langsam die Form und Struktur einer Fotografie erhĂ€lt. Schließlich liest frau unten links die kleine Notiz: "BĂŒhnenbeleuchtung". Die KĂŒnstlerin schenkt dadurch einer unbeachteten "Kleinigkeit" Aufmerksamkeit und lĂ€sst es groß erscheinen.

So wirft Christine Kisorsys Perspektive Licht auf liebevolle Details im Kinosaal: Der giftgrĂŒne Lederklappsitz fĂŒr die oder den PlatzanweiserIn mit dem farblich abgestimmten Telefon, die TĂŒrgriffe, welche abstrakte Plastiken darstellen könnten wie auch der persischrote Vorhang, der einer leckeren SĂŒĂŸspeise Ă€hnelt.

Dem Bildbuchband gelingt es insbesondere, die GrĂ¶ĂŸe des Doppelkinos zu illustrieren - die ĂŒber 1500 freien PlĂ€tze der beiden SĂ€le. Die Fotografien sprechen so auch die AnonymitĂ€t im Kino an. Frau geht nicht ins Kino, um Kontakte zu schließen - sie teilt "nur" mit dem Film intime Momente - dies betrifft jedoch nicht nur sie, sondern auch die restlichen KinobesucherInnen. Die AnonymitĂ€t wird so zu einer universellen IntimitĂ€t.

Auf den Fotografien sind jedoch nie Menschen zu sehen (Ausnahme ist das Kinofoyer) - auch auf der Leinwand tummeln sich keine SchauspielerInnen. Es sind die mit Ahorn- und Nussbaum verkleideten Tresen, die geschwungene Treppe, die kubischen KeramikplÀttchen - die Linien und Striche - welche sprechen und ihre Geschichte, die Historie des ZOO PALASTS BERLIN erzÀhlen.

AVIVA-Tipp: "Kino-Magie. ZOO PALAST BERLIN" liefert keine Àsthetisch stilisierten Fotografien, die Architektur des Kinos kommt zum Vorschein, indem der Bildband "Menschliches" weg lÀsst und Strukturen hervorhebt. Nicht der Film, sondern das Kino selbst wird in diesem Bildband zum ErzÀhler.

Zur Fotografin: Christine Kisorsy ist in New York geboren, lebt in Berlin und arbeitet als Fotografin, Dokumentaristin, Journalistin und Kuratorin. Wie ein roter Faden zieht sich das Thema "Architektur als GedÀchtnis der Stadt" durch ihre Fotodokumentationen, die zu viel beachteten Kunstprojekten wurden und in Museen und Galerien zu sehen waren. (Quelle: Verlagsinformationen)

Weitere Informationen und Kontakt unter: www.kisorsy-photo.de

Christine Kisorsy
Kino-Magie / Cinema Magic. ZOO PALAST Berlin

mit einem Vorwort von Dieter Kosslick
und einem Essay von Michael Althen
Deutsch/Englisch
Bertz + Fischer Verlag, erschienen Januar 2010
Gebunden, 72 Seiten mit 36 Farbfotos
ISBN-13: 978-3-86505-196-7
17,90 Euro

Literatur Beitrag vom 28.01.2010 Claudia Amsler 





  © AVIVA-Berlin 2018 
zum Seitenanfang suche sitemap impressum datenschutz home Seite weiterempfehlenSeite drucken