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AVIVA-BERLIN.de im Juni 2018 - Beitrag vom 24.03.2010

Nathalie Abi-Ezzi - Rubas Geheimnis
Adriana Stern

Die achtj√§hrige Ruba w√§chst in einem kleinen Dorf nahe Beirut auf, in ihrer eigenen, beinahe mystischen Welt. Dort ist sie umgeben von Geschichten, Farben, Ger√§uschen und Ger√ľchen inmitten der...



... komplizierten Beziehungen ihrer Eltern und Verwandten und dort erlebt sie auch den Libanonkrieg hautnah mit.

Sie sucht im Laufe des Jahres 1981/1982 in dem Wahnsinn des Krieges nach glaubhaften Erkl√§rungen f√ľr viel zu viele beunruhigende Ereignisse, deren Zeugin sie wird.
Von ihrem Dorf Ein Douwra aus kann Ruba, die aus einer christlichen Familie kommt, an klaren Tagen bis nach Beirut sehen, wo es schon seit einer Weile zu gef√§hrlich geworden ist und wohin sie nicht mehr darf. Ihr geliebter Onkel Wadih lebt dort und er scheint, genau wie ihr Vater, viele Sorgen mit sich herumzuschleppen, die Ruba nur sp√ľren, sich aber nicht erkl√§ren kann.

Wenn sie sich nicht in ihrem geliebten Wald aufh√§lt oder mit ihrem Bruder Naji durch das Dorf streift, beobachtet sie die Erwachsenen, in der Hoffnung, all das Unerkl√§rliche doch noch entschl√ľsseln zu k√∂nnen, auch wenn die Erwachsenen sie f√ľr solche Erkenntnisse f√ľr viel zu jung erachten.
Denn ihre Mutter, ihre Gro√ümutter und der Rosenmann im Nachbarhaus scheinen genau Bescheid zu wissen, was damals mit dem Vater in Beirut geschah, weshalb er sich so sehr ver√§ndert hat, als l√§ge der Fluch einer Hexe auf ihm. Ruba wei√ü genau, wer diese Hexe ist und sie sucht nach M√∂glichkeiten, den Fluch dieser Hexe zu bannen und ihren Vater zu retten. Als sie ein Glasauge im Wald findet, ist sie √ľberzeugt, der L√∂sung nun ganz nahe gekommen zu sein und den Bann √ľber den Vater endlich beenden zu k√∂nnen.

Ruba nimmt ihre Umwelt mit allen Sinnen auf, ist eine sehr gute Beobachterin und h√∂rt ihren Eltern, ihrerGro√ümutter Teta und ihrem Onkel wissbegierig zu. Sie schafft sich ihre eigenen, poetischen Bilder, mit denen sie ihre Umwelt zu begreifen sucht. "Mutter gab Ger√§usche von sich. Ein knappes Einatmen, wenn sie sich geschnitten hatte, ein Ts, wenn sie Fatayir in P√§ckchen rollte und der Teig nicht richtig zusammenhielt, das Rascheln des Unterrocks, der gegen ihre Beine rieb, das Klappern ihrer Holzpantinen, das Klirren ihrer beiden Goldarmreifen, das leise Klick, wenn sie sich die Frisur hochsteckte... Vater war still wie ein Stein." Sie m√∂chte den Vater wiederhaben, den sie schon so lange vermisst und den sie geliebt hat. Es gibt nichts auf der Welt, dass sie sich mehr w√ľnscht.

Teta hatte einmal gesagt, dass immer dann, wenn die Zikaden mit ihrem pulsierenden Gezirpe innehielten, ein Mensch gestorben sei, aber sie hielten nicht oft inne. erfahren wir von Ruba auf der ersten Seite dieses Romans.
Ruba wächst mitten im Krieg auf, den sie nicht verstehen kann und dem sie sich doch stellen muss, denn ihr bester Freund Karim ist Moslem, genau wie Ali, der Nussladenbesitzer. Ihre Großmutter erklärt ihr: "Vor dem Krieg haben wir alle zusammen in denselben Dörfern gelebt, egal, welche Religion wir hatten. Nun leben wir meistens in getrennten Dörfern und getrennten Gebieten. Es gibt immer noch ein paar Muslime hier, aber nicht mehr viele. Und sie sind immer noch Teil des Dorfes, genau wie wir."
Doch der zehnjährige Naji ist anderer Meinung."Sie haben Beirut aufgeteilt, um die Moslems von uns fernzuhalten. Wir sollten Ein Douwra auch aufteilen, damit sie wegbleiben."

Der Krieg, der f√ľr Ruba zu Beginn des Romans noch weit weg stattfindet, kommt im Laufe des Jahres immer n√§her, wird immer bedrohlicher und nimmt immer mehr Raum in ihrem und dem Leben ihrer Familie ein. Bald d√ľrfen sie und ihr Bruder das Haus nicht mehr verlassen. Von der Terrasse aus sehen sie, wie Flugzeuge vom Himmel fallen und m√ľssen erleben, dass immer mehr Granaten in der N√§he des Hauses einschlagen.

An dem Tag, als Bashir Jumayyil Pr√§sident wird, erreicht der Krieg und seine schrecklichen Folgen endg√ľltig auch die Welt Rubas. Karim flieht mit seiner Familie kurz vorher nach Abu Dhabi, Ruba beobachtet Kinder, die unerbittlich Tiere qu√§len und flieht entsetzt vor dieser Gewalt ins Dorf. Sie hat das Geheimnis um die Herkunft des Glasauges endlich entschl√ľsselt und vergr√§bt es f√ľr immer im Wald. Nichts, dessen ist sie sich sicher, kann ihren Vater jetzt noch retten. Als sie durcheinander, verwirrt und verzweifelt nach Hause zur√ľckkehrt "merkte ich, dass die Zikaden aufgeh√∂rt hatten zu singen."
Wie es Ruba schließlich doch noch gelingt, ihren Vater von dem Bann zu befreien, auch davon erzählt dieser Roman.

AVIVA-Tipp: Ein wunderbar poetisch, eindringlich und liebevoll geschriebenes, wichtiges Buch mit einer hervorragenden √úbersetzung. Unbedingt lesen!

Zur Autorin: Nathalie Abi-Ezzi, 1972 im Libanon geboren, lebt seit 1983 in Gro√übritannien. Sie hat bereits Kurzgeschichten ver√∂ffentlicht. "Rubas Geheimnis", ihr erster Roman, fand ein gro√ües Presseecho und wurde f√ľr den Author¬īs Club Best First Novel Award nominiert. (Quelle Rowohlt Berlin)
Zur √úbersetzerin: Annette Meyer-Prien studierte Literaturwissenschaften und Kunstgeschichte, im Nebenfach Mediaevistik in Paris und Hamburg, nach langen Aufenthalten in Amerika und Gro√übritannien, ist als Quereinsteigerin seit 1992 selbst√§ndige Lektorin und √úbersetzerin von AutorInnen wie Faye Kellermann, Isabelle Duquesnoy, Raj Kamal Jha, Anna Quindlen und vielen anderen. (Quelle Annette Meyer-Prien / AVIVA ‚Äď Berlin)

Nathalie Abi-Ezzi
Rubas Geheimnis

Rowohlt Verlag Berlin, erschienen: 16.01.2010
Originalausgabe: A Girl Made Of Dust 2008 bei Fourth Estate, einem Imprint von Harper Collins
√úbersetzung aus dem Englischen: Annette Meyer-Prien
Hardcover: 288 Seiten
ISBN: 978-3-87134-651-4
19,95 Euro

Weiterlesen auf AVIVA-Berlin:

Ich werde nicht schweigen , May Chidiac mit Amal Moghaizel

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Literatur Beitrag vom 24.03.2010 AVIVA-Redaktion 





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