Necla Kelek - Himmelsreise. Mein Streit mit den W├Ąchtern des Islam - Aviva - Berlin Online Magazin und Informationsportal für Frauen aviva-berlin.de Literatur
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AVIVA-BERLIN.de im Juni 2018 - Beitrag vom 25.05.2010

Necla Kelek - Himmelsreise. Mein Streit mit den W├Ąchtern des Islam
Christina Boge

"Islam-Bitches" und "Hinterhofgesellschaft" ÔÇô einmal mehr provoziert Necla Kelek mit ihren Ansichten ├╝ber die muslimische Gesellschaft in Deutschland. Was deren Glauben ausmacht und warum...



... eine Diskussion ├╝ber den Islam dringend n├Âtig ist, er├Âffnet sie in ihrem neuesten Werk.

Nach "Die fremde Braut" und "Bitters├╝├če Heimat" polarisiert die t├╝rkischst├Ąmmige Autorin mit einem neuen Bestseller. Der Titel "Himmelsreise" bezieht sich auf den Aufstieg des Propheten Mohammed in Himmel und H├Âlle. Gleichzeitig nimmt Kelek die LeserInnen mit ihrem Buch aber auch mit auf eine Reise in die Welt des mohammedanischen Glaubens, indem sie dessen Entwicklung bis zu seiner heutigen Erscheinung nachzeichnet.

Dabei geht es der Autorin vor allem um eines: zu zeigen, dass der Islam nie in der Moderne angekommen ist. Er geht von einer Glaubensgemeinschaft aus, in der das Individuum dem Kollektiv untergeordnet ist. Lebensregeln werden von au├čen, von oben vorgegeben. MuslimInnen, die ihren Glauben leben wollen, k├Ânnen sich einer freien Gesellschaft nicht anpassen, weil diese nicht mit ihrem Gehorsam gegen├╝ber Allahs Gesetzen zu vereinbaren ist, beklagt Kelek. Denn der Islam sei, so Kelek, nicht nur Religion, sondern zugleich auch Ideologie und Weltanschauung, und damit Inspiration f├╝r gesellschaftliches, soziales und politisches Handeln.

Die MuslimInnen ruft Kelek auf, aus diesem verschlossenen System auszubrechen. Aber auch PolitikerInnen ├╝bermittelt sie eine klare Botschaft: Das ewige "Verst├Ąndnis" f├╝r muslimische Familien, deren T├Âchter nicht am Schwimmunterricht teilnehmen d├╝rfen und die Relativierung der Gewaltbereitschaft ihrer S├Âhne muss einer kritischen Analyse islamischer Strukturen weichen. Westliche Demokratien d├╝rfen nicht um der Toleranz willen ein Gesellschaftsmodell akzeptieren, das eine Unterdr├╝ckung von Grund- und Frauenrechten hinnimmt. "Hinterfragen wir den Islam als kulturelle und politische Institution", appelliert die Autorin an ihre LeserInnen. Die Kultur des Wegsehens und Sch├Ânredens werde die Gesellschaft nicht voranbringen.

Immer wieder weist die Autorin darauf hin: Der Islam ist soziale Realit├Ąt. Er kreiert eine Parallelgesellschaft, die an der Mehrheitsgesellschaft vorbei lebt. In dem Kapitel "Islam-Deutsch/Deutsch-Islam" veranschaulicht Kelek, wie unterschiedlich zentrale Begriffe wie Ehre, Respekt und Freiheit aufgefasst werden. Besonders die Thematisierung der Unterdr├╝ckung von Frauen im Islam liegt ihr dabei am Herzen. Ehrenmord und Genitalverst├╝mmelung spielen hier eine ebenso gro├če Rolle wie das Kopftuch f├╝r die Frau, das laut Kelek zur Sexualisierung und sozialen Apartheid beitr├Ągt, im Koran jedoch nicht erw├Ąhnt wird.

Einen gro├čen Teil des Buches widmet die Autorin auch ihren pers├Ânlichen Erfahrungen mit dem Islam. Sie hat Vorzeige- und Hinterhofmoscheen besucht, Problemviertel erkundet und mit Islampredigern diskutiert. Heraus gekommen sind aufw├╝hlende Streitgespr├Ąche ebenso wie erheiternde Anekdoten, die die Leserin knapp 250 Seiten lang fesseln und zur Diskussion auffordern.

Keleks Mission ist es jedoch nicht, zu zeigen, dass ein friedliches Miteinander nicht m├Âglich ist. Schlie├člich ist es eine laute Minderheit, das betont Kelek immer wieder, die auch nach Jahrzehnten noch nicht in Deutschland angekommen ist und an die sich ihre Anklage richtet. Das Gewicht der schweigenden Mehrheit fehle in der Debatte. Die Zukunft unserer Gesellschaft h├Ąnge jedoch auch davon ab, inwiefern diese Muslime ihre Glaubensbr├╝der und ÔÇôSchwestern von der Idee der aufgekl├Ąrten demokratischen B├╝rgergesellschaft ├╝berzeugen k├Ânnen. Gelingt es ihnen, Freiheit und Verantwortung ├╝ber kollektive Zw├Ąnge einer religi├Âsen Weltanschauung zu stellen und damit Grundrechte ├╝ber Gott? Insbesondere die Frauen fordert Kelek auf, den Islam von Innen heraus zu reformieren und ihr Kopftuch endlich fallen zu lassen. Nur dann k├Ânnen Islam und demokratischer Rechtsstaat sich die Hand reichen.

AVIVA-Tipp: "Himmelsreise" ist ein leidenschaftliches und kontrovers diskutiertes Buch. Mit ihrer Kritik am Islam macht sich Kelek sicher keine FreundInnen in der traditionalistischen muslimischen Gesellschaft. Das will sie aber auch gar nicht. Kelek streitet f├╝r eine offene Diskussion um Integration. Ihr Ziel ist es, die Islamkritik voranzutreiben und damit dem Islam das Ankommen in der Moderne zu erm├Âglichen. Ein lehrreiches Werk mit gro├čer Aktualit├Ąt und Brisanz, welches vom Ursprung des Korans ├╝ber die Rolle der Frau bis zur Stellung der Islamverb├Ąnde verschiedene Facetten beleuchtet und gleichzeitig Ans├Ątze f├╝r einen moderaten Islam aufzeigt.

Zur Autorin: Necla Kelek, geboren 1957 in Istanbul, hat in Greifswald Volkswirtschaft und Soziologie studiert und ├╝ber das Thema "Islam im Alltag" promoviert. Sie forscht zum Thema Parallelgesellschaften und ber├Ąt unter anderem die Hamburger Justizbeh├Ârde zu Fragen der Behandlung t├╝rkisch-muslimischer Gefangener. Unter anderem wurde die in Berlin lebende Autorin im Jahr 2006 mit dem Corine Preis f├╝r Sachb├╝cher und 2008 mit dem Frauenpreis des Netzwerks Europ├Ąische Bewegung Deutschland ausgezeichnet. 2009 erhielt sie den Hildegard-von-Bingen-Preis. Necla Kelek ist Mitglied der Deutschen Islam Konferenz.

Necla Kelek
Himmelsreise ÔÇô Mein Streit mit den W├Ąchtern des Islam

Kiepenheuer und Witsch Verlag, erschienen M├Ąrz 2010
Gebunden, 267 Seiten
ISBN 978-3462041972
18,95 Euro

Weiterlesen auf AVIVA-Berlin:

Verleihung des Preis Frauen Europas - Deutschland 2008 an Necla Kelek

Necla Kelek - Bitters├╝├če Heimat. Bericht aus dem Inneren der T├╝rkei


Literatur Beitrag vom 25.05.2010 AVIVA-Redaktion 





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