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AVIVA-BERLIN.de im Juni 2018 - Beitrag vom 23.07.2010

Nava Semel - Liebe f├╝r Anf├Ąnger
Claire Horst

Nein, kein kitschiger Liebesroman verbirgt sich hinter dem romantischen Titel. Das Zielpublikum der israelischen Autorin sind Jugendliche, und so n├Ąhert sie sich dem Thema der ersten Liebe sehr ...



... sensibel an.

Ihre sieben Kurzgeschichten sind auch f├╝r erwachsene LeserInnen interessant - denn wer erinnert sich nicht an die eigene erste Liebe? Leise und bedacht l├Ąsst Semel ihre ProtagonistInnen erz├Ąhlen. In diesen Geschichten gibt es keinen gro├čen Knall, wenig Action. Wer auf das gro├če Drama hofft, auf T├╝renknallen, Liebesschw├╝re und Eifersuchtsanf├Ąlle, wird wahrscheinlich entt├Ąuscht sein. Was der Autorin aber wunderbar gelingt, ist das Nachzeichnen der gro├čen Emotionen, die die erste Liebe ausl├Âst.

Unsicherheit und Sch├╝chternheit, Beklemmungen und zugleich nie gekannte Hochgef├╝hle beschreibt sie so einf├╝hlsam, dass auch erwachsene LeserInnen wieder in die Zeit der Pubert├Ąt eintauchen k├Ânnen. Dabei unterscheiden sich die einzelnen Figuren stark: Jungen und M├Ądchen sind vertreten, vom Internetzeitalter bis zur├╝ck in die britische Mandatszeit reichen die Geschichten. In einem gleichen sich jedoch alle Texte, in der gro├čen Bedeutung der ersten Liebe und vor allem von deren Beschwerlichkeiten.

Denn anders als viele JugendbuchautorInnen hat Semel nicht vergessen, welche H├╝rden Jugendliche sich selbst auferlegen k├Ânnen in ihrem Bestreben, der Bezugsgruppe zu gefallen. Besonders eindrucksvoll zeigt das die Geschichte "Das Poster von Elvis", in der ein M├Ądchen aus lauter Coolness und Angst vergisst, ihre Liebe zu zeigen und stattdessen ins Mobbing des geliebten Jungen verf├Ąllt. "Man sollte sich sch├Ąmen, wenn man verliebt ist. Ich wei├č nicht, warum, aber ich dachte, alle Leute w├╝rden das glauben."

Dass ein Sch├╝ler lieber den Esel in Shakespeares Mittsommernachtstraum spielt als eine der glamour├Âseren Figuren, ist schnell erkl├Ąrt: Nur der Esel wird von der verzauberten K├Ânigin Titania gek├╝sst. Und die wird von Lyra gespielt, in die er verliebt ist. Didi wiederum ist in den h├╝bschen Tal verliebt und bittet die Gro├čmutter um Hilfe beim Schreiben eines Liebesbriefes. Dass Didi wie Tal ein Junge ist, stellt sich erst am Ende der Geschichte heraus. Das Sch├Âne an dieser Geschichte ist zugleich der gr├Â├čte Kritikpunkt an Semels Texten. Zwar kennt Didi die Schwierigkeiten, die auf ihn warten: "Die Liebe zwischen Tal und mir ist nicht selbstverst├Ąndlich, auch in unseren aufgekl├Ąrten Zeiten nicht. Im finsteren Mittelalter h├Ątte man wohl mit Steinen nach uns geworfen oder uns aus der Stadt gejagt oder vielleicht sogar hingerichtet." Doch Didi hat mit seiner Gro├čmutter, die zu ihnen h├Ąlt, gro├čes Gl├╝ck. Und damit ist die Geschichte beispielhaft f├╝r die meisten in dieser Sammlung: Irgendwie wird doch alles wieder gut.

AVIVA-Tipp: Die hier beschriebenen Jugendlichen sind wie ihre erwachsenen Bezugspersonen sensibel, emotional und feinf├╝hlig. In ihre Gef├╝hlswelt l├Ąsst Semel ihre LeserInnen schnell eintauchen, ihre Figuren sind durchweg glaubw├╝rdig. Und doch: Zwar stehen sie zum Teil vor gro├čen Schwierigkeiten, doch alles bleibt in einem ertr├Ąglichen Rahmen. An keiner Stelle kommt es zu einem wirklichen Konflikt, dr├╝cken sich gro├če Verzweiflung oder echte Hochgef├╝hle aus. Nava Semels Charaktere sind sympathisch, doch vielleicht ein winziges bisschen zu sympathisch. Als erwachsene LeserIn liest man das gerne, aber ob sich Jugendliche tats├Ąchlich in dieser Bedachtheit wiederfinden?

Zur Autorin: Nava Semel, geboren 1954 in Tel Aviv, studierte Kunstgeschichte. Sie hat als Journalistin, Kunstkritikerin und Fernseh- und Radioproduzentin gearbeitet. F├╝r ihr literarisches Werk wurde sie mehrfach ausgezeichnet. Sie ist Mitglied des Massua Institute of Holocaust Studies und geh├Ârt zum Direktorium des Yad Vashem-Museums.

Zur Illustratorin: Gerda Raidt, geb. 1975 in Berlin, studierte freie Grafik an der Burg Giebichenstein in Halle, sp├Ąter Illustration an der HGB Leipzig bei Volker Pf├╝ller, bei dem sie anschlie├čend auch ein Meistersch├╝lerstudium absolvierte. Seit 2004 arbeitet sie als freie Illustratorin. (Quelle: Verlagsinformationen)
Gerda Raidt im Netz: www.gerda-raidt.de/

Nava Semel
Liebe f├╝r Anf├Ąnger

Sieben Geschichten
Bebildert von Gerda Raidt
Aus dem Hebr├Ąischen von Mirjam Pressler
Jacoby&Stuart, erschienen Februar 2010
128 Seiten, gebunden
ISBN 978-3-941087-82-8
14,95 Euro

Weiterlesen auf AVIVA-Berlin:

Nava Semel, Die Braut meines Bruders

Nava Semel - Und die Ratte lacht


Literatur Beitrag vom 23.07.2010 Claire Horst 





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