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AVIVA-BERLIN.de im Juni 2018 - Beitrag vom 24.11.2010

Gabi Kopp - Das Istanbul-Kochbuch
Lisa Erdmann

Wer bei t├╝rkischer K├╝che zuerst an Kebab, Lahmacun und B├Ârek denkt, f├╝r die ist dieses Kochbuch genau das Richtige. Autorin Gabi Kopp nimmt ihre LeserInnen mit auf eine kulinarische Reise fernab...



...von Klischees und Imbissbuden. Traditionelle Gerichte aus Tausendundeiner Nacht, gew├╝rzt mit den unterhaltsamen Anekdoten ihrer BesitzerInnen erwarten die Leserin - und laden sowohl zum Nachkochen, als auch zum Schm├Âkern ein.


Istanbul ist eine der buntesten St├Ądte unserer Erde. Als Konglomerat aus einer Vielzahl unterschiedlichster Kulturen, V├Âlker und Geschichten pulsiert sie wie keine andere. Etwa 15 Millionen EinwohnerInnen leben in diesem flirrenden Schmelztiegel, der Moderne und Tradition, Hightech und Antike t├Ąglich in Einklang bringt.

Nicht zuletzt ist Istanbul eine Vielv├Âlker-Metropole zwischen zwei Kontinenten, deren kultureller Reichtum sich vor allem in den K├╝chen der Gro├čst├ĄdterInnen wieder findet. Denn genauso vielseitig wie die Stadt, so facettenreich ist auch ihre Speisekarte. Kulinarische Traditionen aus Griechenland, Armenien, Albanien, Bosnien und anderen Regionen treffen in der Millionenstadt aufeinander und verschmelzen zu internationalen Gerichten.

Erstaunlicherweise ist die t├╝rkische K├╝che in Deutschland fernab vom Imbissbereich immer noch wenig etabliert ÔÇô und genau das will Illustratorin und Cartoonistin Gabi Kopp mit ihrer literarischen Rezeptesammlung ├Ąndern. Mit ihrem "Istanbul-Kochbuch" f├╝hrt sie uns weg von europ├Ąisch-gro├čst├Ądtischem Oriental-Fastfood und ran an die Traditionen - mit Rezepten, die in den Familien und Dorfgemeinschaften von Generation zu Generation, von Mutter zu Tochter weitergereicht wurden.

Die K├ÂchInnen, welche die Autorin besuchte, wollen ihre Traditionen bewahren und gaben ihrer Beobachterin bereitwillig Auskunft. In Gabi Kopps Buch findet die Leserin daher nicht nur die Rezepte, sondern auch die Geschichten, die Tr├Ąume und W├╝nsche der GastgeberInnen.

Den Anfang macht die 55-j├Ąhrige Hobbyk├Âchin Ayla. Sie verbringt t├Ąglich mindestens zwei Stunden in ihrer K├╝che und kocht aus Leidenschaft am liebsten f├╝r die ganze Familie. Der Autorin verr├Ąt sie ihr Rezept f├╝r gef├╝llte Auberginen und, dass sie selbst am liebsten Dolma, ein sehr typisch t├╝rkisches Gericht mit gef├╝llten Paprikas, isst. Aylas gr├Â├čter Traum ist es, mit ihrer deutschen Schwiegertochter ein t├╝rkisches Restaurant in Deutschland zu er├Âffnen.

Auch die 38-j├Ąhrige Satu ├ľnder kommt in Kopps Istanbul-Kochbuch zu Wort. Sie berichtet von der Ausbildung ihrer T├Âchter und der Arbeit ihres Mannes, der als Imam und Muezzin in der Moschee zum Gebet ruft. Satu hat das Kochen von ihrer Mutter gelernt. Heute bereitet sie im Manzara Istanbul Gerichte f├╝r ein internationales Publikum zu. Den LeserInnen stellt sie die Gerichte vor, die sie bei ihrer Hochzeit auftischte. Das Feigendessert ist Satus ├Ąltestes und traditionsreichstes Gericht, es wurde von der Gro├čmutter an die Mutter und dann an sie weitergegeben.

Gabi Kopps "Istanbul-Kochbuch" ist nicht in klassische Kategorien unterteilt, vielmehr stehen die zu den Rezepten geh├Ârigen Personen mit im Vordergrund. Ihre Lieblingsgerichte werden wie lang geh├╝tete Sch├Ątze pr├Ąsentiert und bilden meist ein komplettes Men├╝ aus Vorspeise, Hauptgang und Dessert.

Auch der Anhang enth├Ąlt einige Besonderheiten. Die Leserin findet hier ein Register auf deutsch und auf t├╝rkisch, ein Glossar, welches die wichtigsten Zutaten noch einmal n├Ąher erl├Ąutert und einige hilfreiche Ausspracheregeln f├╝r die t├╝rkischen Begriffe. Eine Adressenliste l├Ąsst die Leserin schlie├člich auf den Spuren der im Buch vorgestellten Personen wandeln - und bietet zugleich Ausflugsziele f├╝r die n├Ąchste T├╝rkeireise.

Kopp l├Ąsst ihre LeserInnen nicht nach Kategorien, sondern nach Ortschaften kochen und verleiht den Speisen genau dadurch eine einzigartige Authentizit├Ąt. Die kunstvollen Illustrationen, farbigen Zeichnungen und Skizzen der Autorin sind dabei keineswegs als Serviervorschlag zu verstehen. Sie bleiben unaufdringliches Dekor, welches der Leserin nur eine Ahnung von dem geben soll, was sie nach der Zubereitung des jeweiligen Rezepts erwartet. Schlie├člich ist jedes Gericht, egal wie oft gekocht, immer wieder ein Unikat.

Zur Autorin: Gabi Kopp, geboren 1958 in Luzern, studierte an der Hochschule f├╝r Design und Kunst in Luzern und am Central St. Martins College of Art in London. Sie war Mitbegr├╝nderin und vier Jahre lang K├Âchin des Genossenschaftsrestaurants Widder in Luzern. Seit 20 Jahren ist sie Illustratorin und Cartoonistin z.B. f├╝r Annabelle, NZZ u.v.a. 2009 wurde ihr von Stadt und Kanton Luzern der Werkpreis f├╝r ihr Projekt des Illustrierten Kochbuchs zu Istanbuls Vielv├Âlkerk├╝che verliehen. (Verlagsinformation)

AVIVA-Tipp: Gabi Kopps "Istanbul-Kochbuch" enth├Ąlt Rezepte, die der Leserin schon beim Lesen das Wasser im Munde zusammen laufen lassen. Auch wenn die Zutaten oft wenig spektakul├Ąr erscheinen, so sind es die Gerichte doch allemal. Sie sind nicht nur ein orientalischer Gaumenschmaus, sondern gleichen ferner einer Liebeserkl├Ąrung an die K├╝che des Morgenlandes. Afiyet olsun! (Guten Appetit!)


Gabi Kopp
Das Istanbul-Kochbuch

Verlagshaus Jacoby & Stuart, erschienen 2010
Gebunden, 192 Seiten, Flexcover
ISBN: 978-3-941787-10-0
19,95 Euro
Weitere Infos unter: www.jacobystuart.de


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Literatur Beitrag vom 24.11.2010 Lisa Erdmann 





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