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AVIVA-BERLIN.de im Juni 2018 - Beitrag vom 17.01.2011

Ruth Landshoff-Yorck - In den Tiefen der H├Âlle
Britta Meyer

Der bereits in den f├╝nfziger Jahren geschriebene Kriminalroman ├╝ber einen geisteskranken Pariser Serienm├Ârder und einen nicht minder gest├Ârten Ermittler ist bis jetzt unver├Âffentlicht ...



...geblieben. Im AvivA Verlag wurde die Erz├Ąhlung der in die USA emigrierten j├╝dischen Autorin nun zum ersten Mal herausgebracht.

Es ist das Paris der f├╝nfziger Jahre, der Krieg und die Besatzung sind zwar vor├╝ber, aber in Atmosph├Ąre und Erinnerung der Stadt immer noch allgegenw├Ąrtig. Als in einem der st├Ądtischen Parks eine junge Frau mit durchschnittener Kehle gefunden wird, ist sie nur eine Randnotiz der ├╝blichen urbanen Gewalttaten, die niemanden mehr schockieren. Als jedoch eine zweite und dann eine dritte Frau Opfer des M├Ârders werden, schreit die Presse nach Aufkl├Ąrung und es muss dann doch gehandelt werden. Dr. Lorme, Leiter der psychiatrischen Abteilung der Pariser Polizei, wird damit beauftragt, ein Profil des T├Ąters zu erstellen.

Der Doktor und seine adelige Gehilfin

Lorme ist ein abgekl├Ąrter, seines Berufes ├╝berdr├╝ssiger Misantroph, dem die Menschen, deren verletzte Psyche er analysieren soll, nicht egaler sein k├Ânnten. Die Psychotherapie als Methode der Heilung und der Hilfe hat er irgendwann w├Ąhrend des Krieges als wirkungslose Flickschusterei an irreparabel gesch├Ądigtem Leben abgetan. Die einzige Person, die er nicht vollkommen zu durchschauen glaubt, ist seine Assistentin Elianne, eine Gr├Ąfin, die zum Spa├č arbeitet. Dass diese ihren Job nicht durch Kompetenz, sondern "durch Charme und Verbindungen" bekommen hat, ist eins von zahllosen beil├Ąufigen Details, bei denen sich einer Leserin unserer Zeit die Haare str├Ąuben. Die junge Assistentin richtet ihrem angehimmelten Chef gerne einen Imbiss an und h├Ąngt scheu gesenkten Blickes bewundernd an seinen Lippen, wenn er sich ├╝ber Gesellschaft, Kriminologie und Psychoanalyse ausl├Ąsst.

Elianne lernt auf einem ihrer Streifz├╝ge durch die zwielichtigeren Gebiete von Paris einen merkw├╝rdigen Clochard kennen. Der hinterl├Ąsst mit seiner sinistren Freundlichkeit und seinen seltsam sauberen H├Ąnden einen so bleibenden Eindruck bei ihr, dass sie Lorme von ihm berichtet. Der Doktor, der bei seinen Nachforschungen mangels echtem Interesse an dem Fall nicht weiterkommt, beschlie├čt einen Schuss ins Blaue. In der Hoffnung auf Informationen hinterl├Ąsst er f├╝r den Landstreicher seinen Namen und Adresse am Quai der Seine. Ein verh├Ąngnisvoller Fehler und der Anfang von Lormes ganz pers├Ânlicher H├Âllenfahrt...

AVIVA-Fazit: Landshoff-Yorcks abgehobener, mitleidloser Schreibstil l├Ąsst den Opfern keine W├╝rde und f├╝r die T├Ąter kein Verst├Ąndnis. Die Figuren handeln ganz innerhalb ihrer von Verachtung, Eigennutz und Nihilismus gepr├Ągten Welt, in der gedankenlose Grausamkeit nur eine logische Konsequenz der herrschenden Fressen-oder-gefressen-werden-Mentalit├Ąt ist. Dies k├Ânnte seinen ganz eigenen k├╝hlen Reiz entfalten, doch leider ist ihre Art des Erz├Ąhlens ebenso erm├╝dend wie uninteressant. So bleiben selbst die Talfahrten in Lormes verdrehte Psyche farblos und eindimensional. Der Effekt ist, dass den Lesenden die Beweggr├╝nde und das Schicksal jeder einzelnen Figur vollkommen gleichg├╝ltig bleiben.

Zur Autorin: Ruth Landshoff-Yorck, 1904 als Ruth Levy geboren, war die Nichte des Verlegers Samuel Fischer. Sie schrieb Feuilletons, ver├Âffentlichte 1930 ihren ersten Roman "Die Vielen und der Eine". 1937 floh sie vor den Nazis nach Amerika und begann dort eine zweite literarische Karriere als Ruth L. Yorck. Sie schrieb Romane und Theaterst├╝cke, verfasste Rundfunkbeitr├Ąge und kehrte erst Anfang der 1950er Jahre f├╝r Kurzbesuche nach Deutschland zur├╝ck.

Ruth Landshoff-Yorck
In den Tiefen der H├Âlle

AvivA Verlag, erschienen im September 2010
Erstausgabe aus dem Nachlass
Hrsg. und mit einem Nachwort von Walter F├Ąhnders
Gebunden, 269 Seiten
ISBN 978-3-932338-44-1
19,50,- Euro
www.aviva-verlag.de


Literatur Beitrag vom 17.01.2011 Britta Meyer 





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