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AVIVA-BERLIN.de im Juni 2018 - Beitrag vom 31.01.2011

Zwei neue Ratgeber zum Thema Wechseljahre
Claire Horst

Seit seiner Gr├╝ndung 1974 erscheinen im Orlanda-Verlag vor allem politische Frauenb├╝cher und B├╝cher zum Thema Frauengesundheit. Zwei interessante Werke besch├Ąftigen sich mit einem ...



... f├╝r viele unangenehmen Thema, mit den Wechseljahren.

Dr. Mimi Szyper, Dr. Catherine Markstein - Gestern jung und morgen sch├Ân


Die beiden ├ärztinnen Mimi Szyper und Catherine Markstein wollen Schluss machen mit der pathologisierenden Sicht auf die Wechseljahre. Schlie├člich handele es sich nicht um eine Krankheit, sondern um einen ganz normalen, nat├╝rlichen Vorgang. Auch die Autorinnen selbst mussten sich einst von eigenen Vorurteilen befreien - das geschah im Zuge der Frauenbewegung der 70er Jahre.

Doch der historische ├ťberblick, den die Autorinnen bieten, holt noch weiter aus: Die Entwicklung der Frauenheilkunde zeichnen sie von Anfang an nach. Bereits im 19. Jahrhundert wurden die meisten Hebammen aus der Berufswelt verdr├Ąngt, ihre T├Ątigkeit ├╝bernahmen meist m├Ąnnliche ├ärzte. Ein weiteres einschneidendes Ereignis ist f├╝r Szyper und Markstein die Entdeckung des ├ľstrogens. Diese Entwicklung f├╝hrte zur Erfindung der "Krankheit" Wechseljahre in den 1920ern.

Die neue "Mode" Hormontherapie seit den 1960ern, das Horrorszenario Osteoporose - zahlreiche vermeintlich neutrale medizinische Neuerungen befriedigen den Autorinnen zufolge vor allem die finanziellen Interessen der Pharmaindustrie. Von Anfang an waren es vor allem Feministinnen, die sich gegen derartige Entwicklungen wehrten, auch das wird in dem Buch deutlich.

Doch Szyper und Markstein klagen nicht nur, sondern bieten Gegenstrategien an. Denn es geht ihnen darum, die Verantwortung selbst zu ├╝bernehmen. Statt von immer neuen Medikamenten abh├Ąngig zu sein, die gar nicht helfen, sollten Frauen sich "andere Rollen zuschreiben und diese auch einnehmen."

Neben den rein k├Ârperlichen Begleiterscheinungen der Wechseljahre geht es also vor allem um den psychologischen Aspekt. Zwar nennen Szyper und Markstein auch nat├╝rliche Heilmittel, die bei Hitzewallungen oder zur Pr├Ąvention von Osteoporose helfen. Vor allem geht es ihnen aber um eine Versachlichung und um ein Ende der Pathologisierung der Wechseljahre.

AVIVA-Tipp: Wie k├Ânnen Frauen f├╝r sich selbst sorgen -gesundheitlich, seelisch, sexuell? Die Wechseljahre sind eine Zeit der Ver├Ąnderung und des Aufbruchs - und das ist durchaus positiv gemeint! Selbst wenn der Ratgeber nur zu einer positiveren Einstellung f├╝hrt, w├Ąre ein Ziel der Autorinnen schon erreicht.

Zu den Autorinnen:

Dr. Mimi Szyper
ist Neuropsychiaterin. In den USA wie in Europa arbeitete sie in verschiedenen Kliniken und hat zuletzt die Kinderneurologie der Universit├Ątskinderklinik in Br├╝ssel gegr├╝ndet und geleitet. 50-j├Ąhrig zieht sie sich f├╝r ein kontemplatives Leben aus dem Klinkalltag zur├╝ck.

Dr. Catherine Markstein hat 22 Jahre als Klinik├Ąrztin gearbeitet. Mit 48 Jahren k├╝ndigt sie in der Klinik, trifft Julia Onken und Rina Nissim. Von feministischen Gesundheitskonzepten angeregt, gr├╝ndete sie selbst Frauenorganisationen und leitet seit 2004 Gruppen, in denen Frauen gemeinsam die Zeit der Wechseljahre erleben. (Verlagsinformationen)

Dr. Mimi Szyper/ Dr. Catherine Markstein
Gestern jung und morgen sch├Ân. Wechseljahre - Schlu├č mit den Vorurteilen

Erschienen 2010
220 Seiten
17,90 Euro
ISBN: 978-3-936937-77-0

Rina Nissim - Wechseljahre Wechselzeit. Ein Handbuch f├╝r Frauen


Auch Rina Nissim betont die positiven Aspekte der Wechseljahre. Diese Zeit erm├Âglicht Neues, denn endlich haben viele Frauen Raum zur Selbstentfaltung und Neuentdeckung des Selbst. F├╝r die Heilpraktikerin Nissam sind negative Einstellungen der Umwelt und die Macht der Pharmaindustrie am schlechten Bild der Wechseljahre schuld. "In unserer Gesellschaft werden wir ├╝ber unsere Weiblichkeit, d.h. auch ├╝ber unsere Geb├Ąrf├Ąhigkeit definiert." Wer nicht mehr geb├Ąren kann, hat seine Existenzberechtigung eigentlich verloren.

Nissams Kritik der Schulmedizin richtet sich vor allem gegen die negativen Folgen vorschneller Medikamentengabe. So geh├Ârt auch Krebs zu den Nebenwirkungen von Hormontherapien - die dennoch leichtfertig verordnet werden. Statt Hormonbehandlung und Vitaminpr├Ąparaten sind eine gesunde Ern├Ąhrung und sportliche Bet├Ątigung sinnvoller. Nissim, die eine heilkundliche Praxis f├╝hrt, nennt pflanzliche Rezepte und Bewegungstipps gegen h├Ąufig auftretende Beschwerden. Tees und Tinkturen, Sude und Lotionen zum Selbermachen geben der Leserin das Gef├╝hl, vielleicht doch nicht auf hormonelle H├Ąmmer angewiesen zu sein. Zudem erkl├Ąrt Nissam auch die Gr├╝nde f├╝r die unterschiedlichen Beschwerden - woher kommen ├╝berhaupt diese Hitzewallungen? Was passiert im Hormonkreislauf, welche organischen Ver├Ąnderungen treten ein?

Wie Szyper und Markstein greift auch Nissim ├äu├čerungen zahlreicher Frauen auf. So wird deutlich, wie unterschiedlich die Erfahrungen mit den Wechseljahren sind. Positiv hervorzuheben ist bei ihrem Buch, dass sie auch die Situation von Transsexuellen hinweist, die ja zeitlebens auf die Einnahme von Medikamenten angewiesen sind. Auch zum Sexualleben hat Nissam vieles zu sagen. Wechseljahre bedeutet auf keinen Fall ein Ende des Geschlechtsverkehrs, auch wenn diese Meinung weit verbreitet ist.

AVIVA-Tipp: Die Wechseljahre lustvoll erleben, das ist auch hier das Ziel. Die vielen Tipps zur Selbstbehandlung erm├Âglichen eine aktivere Haltung und helfen dabei, sich "den Hormonen" weniger ausgeliefert zu f├╝hlen.

Zur Autorin: Rina Nissim ist Heilpraktikerin, Autorin und Mitgr├╝nderin des Genfer Frauengesundheitszentrums. Seit 20 Jahren f├╝hrt sie eine eigene Praxis in Genf sowie den Verlag ├ëditions Mammam├ęlis. Bei Orlanda erschienen au├čerdem "Lustvoll" und "Naturheilkunde in der Gyn├Ąkologie. Ein Handbuch f├╝r Frauen." (Verlagsinformationen)

Rina Nissim
Wechseljahre Wechselzeit. Ein Handbuch f├╝r Frauen

├╝berarbeitete und erweiterte Neuauflage 2008
ca. 200 Seiten
978-3-936937-61-9
15,90 Euro

Passend zum Erscheinen der beiden B├Ąnde weist das feministische FrauenGesundheitszentrum Berlin auf eine neue Studie hin. Diese belegt die negativen Folgen der Hormontherapie:

"Die neuesten Ergebnisse der von der Deutschen Krebshilfe gef├Ârderten MARIE-Studie an 10.000 Frauen belegen, dass 30 Prozent aller F├Ąlle von Brustkrebs nach den Wechseljahren durch den Verzicht auf die Hormontherapie und mehr Bewegung zu vermeiden w├Ąren. 19,4% der F├Ąlle von invasivem Brustkrebs gehen auf die Hormoneinnahme zur├╝ck, 12,8% auf den Mangel an k├Ârperlicher Aktivit├Ąt. Wenn diese Zahlen zugrunde gelegt werden, w├╝rden jedes Jahr ca. 10.000 Frauen in Deutschland allein aufgrund der Hormoneinnahme erkranken, weitere 5000 Frauen aufgrund zu geringer Bewegung." (Presseerkl├Ąrung des FFGZ

Weiterlesen auf AVIVA-Berlin:

Klimawechsel von Doris D├Ârrie

Wechseljahre - Praktische Begleitung f├╝r diese Lebensphase - das Feministisches Frauen Gesundheits Zentrum e.V.

Vivienne Parry - Der Tanz der Hormone. Warum wir weinerlich, gl├╝cklich, ├Ąngstlich oder einfach unausstehlich sind.

Regine Schneider - Fünfundfünfzig plus - Die Kunst des Älterwerdens

Gisa B├╝hrer-Lucke - Wechseljahre ohne Hormone. Alternativen bei Hitzewallungen und Co

Literatur Beitrag vom 31.01.2011 Claire Horst 





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