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AVIVA-BERLIN.de im Juni 2018 - Beitrag vom 01.02.2011

Christoph Kreutzm├╝ller und Bjoern Weigel - Nissim Zacouto. J├╝discher Wunderknabe und t├╝rkischer Teppichgro├čh├Ąndler
Claire Horst

Der Hentrich & Hentrich Verlag hat sich auf Exilforschung und j├╝disches Leben spezialisiert. Mit seiner Miniaturen-Reihe holt er immer wieder fast vergessene j├╝dische Personen aus der Vergessenheit



Manchmal sind das so ber├╝hmte Pers├Ânlichkeiten wie die Frauenrechtlerin Jenny Hirsch, der Arzt Magnus Hirschfeld oder der als Landesverr├Ąter aus Frankreich deportierte Offizier Alfred Dreyfus.

Dass auch weniger prominente J├╝dInnen darstellenswert sind, beweist der dieser 93. Band der Reihe. Nissim Zacouto stammte aus einer sephardischen Familie in der T├╝rkei und baute bereits in den 1920er Jahren einen Teppichhandel in Berlin auf. 1939 emigrierte er nach Paris, w├Ąhrend der Besatzungszeit musste er auch dort untertauchen.

Sein Sohn Fred, von dem die Einleitung stammt, betont die Intelligenz und die G├╝te seines Vaters. Das Erscheinen des B├Ąndchens empfindet er als "moralische Anerkennung" der Lebensleistung seines Vater, der nicht nur seinen Besitz an die Nazis, sondern vor allem seine Br├╝der im Holocaust verloren hat.

Bis zu den Zeiten von Christoph Kolumbus l├Ąsst sich die Familiengeschichte der Zacoutos zur├╝ckverfolgen. Und nicht nur die Geschichte der Familie, sondern die Geschichte j├╝disch-christlich-muslimischen Zusammenlebens zeichnen die Autoren an seinem Beispiel nach. Schliemanns Expeditionen und dessen Schmuggel entdeckter Sch├Ątze nach Deutschland, Karl Mays "Indianer"-B├╝cher, der Bau des Orient-Express - Anfang des 20. Jahrhunderts stand der Orientalismus der Deutschen in voller Bl├╝te. F├╝r Isaac Zacouto, den Vater Nissims und Gr├╝nder eine Teppichladens, hatte das nicht nur Nachteile. Sein Teppichhandel profitierte von der europ├Ąischen Orient-Begeisterung.

1914 entging der in Deutschland lebende Nissim der Rekrutierung - er wurde wegen seiner geringen K├Ârpergr├Â├če ausgemustert, 1922 heiratete er eine Istanbulerin. Zacoutos pers├Ânliches Leben und die weltpolitischen Entwicklungen beziehen die Autoren immer aufeinander - der Ausbruch des Ersten Weltkriegs etwa hatte auf den Erfolg der Firma ebenso gro├če Auswirkungen wie auf das Kaiser- und das Osmanische Reich.

Viele im Buch abgedruckte Familienfotos machen das Leben Zacoutos vorstellbar und verdeutlichen ganz nebenbei: Migration nach Deutschland gab es schon immer. Schon 1927 geh├Ârte Zacouto zu den Begr├╝ndern der "T├╝rkischen Handelskammer f├╝r Deutschland", zugleich war er Schatzmeister der Sephardischen Gemeinde Berlins.

Nat├╝rlich ging der Nationalsozialismus auch an einem t├╝rkischen Staatsb├╝rger nicht spurlos vorbei - der Rufmord antisemitischer Kollegen zeigte als Erstes Spuren. 1938 wurde das Ehepaar schlie├člich aus der T├╝rkei ausgeb├╝rgert und war so dem Deutschen Reich schutzlos ausgeliefert. Die Familie Zacouto wanderte nach Frankreich aus.

Der Kampf ums ├ťberleben im besetzten Frankreich, Verhaftung und Erschie├čung von Familienangeh├Ârigen, Fred Zacoutos Kampf im Spanischen B├╝rgerkrieg, Nissims mutiger Widerstand gegen die Verfolgung - all das erz├Ąhlen die Autoren als beispielhafte Lebensgeschichte eines t├╝rkischen Juden im nationalsozialistischen Europa.

Beispielhaft f├╝r viele sind auch die Geschehnisse nach dem Ende des Nationalsozialismus. Zacoutos Antrag auf Entsch├Ądigung wurde ├╝ber Jahre durch s├Ąmtliche b├╝rokratischen Ebenen gelenkt und von denselben Anw├Ąlten abgelehnt, die auch w├Ąhrend des "Dritten Reichs" verantwortlich gewesen waren. Erst 1957 erhielt er ganze 1.700 DM Entsch├Ądigung - er sei ja nicht aus rassistischen Gr├╝nden verfolgt gewesen, hatte es bis dahin gehei├čen. 1960 konnte er noch eine Rente f├╝r sich erk├Ąmpfen. In Frankreich begann Zacouto ein neues Leben und schaffte es tats├Ąchlich, seinen Teppichhandel noch einmal aufzubauen.

Zu den Autoren: Christoph Kreuzm├╝ller, geboren 1968 in Bad Oeynhausen, koordiniert die Forschungsprojekte Geschichte kleiner und mittlerer j├╝discher Gewerbeunternehmen in Berlin (1930/31-1945) und Geschichte der R├╝ckerstattung kleiner und mittlerer j├╝discher Gewerbeunternehmen in Berlin in der Nachkriegszeit am Lehrstuhl Deutsche Geschichte im 20. Jahrhundert mit Schwerpunkt im Nationalsozialismus der Humboldt-Universit├Ąt zu Berlin.
Bjoern Weigel, geboren 1980 in Berlin, ist Historiker und promoviert am Zentrum f├╝r Antisemitismusforschung der TU Berlin ├╝ber die Vernichtung j├╝discher Gewerbet├Ątigkeit in Berliner Theaterunternehmen. (Verlagsinformationen)

AVIVA-Tipp: Die Reihe "J├╝dische Miniaturen" zeigt die ganze Vielfalt j├╝dischen Lebens in Deutschland. Der Band ├╝ber Nissim Zacouto stellt ein wenig bekanntes Thema vor und ist daher besonders spannend. Unter der ISBN 978-3-942271-12-7 erscheint er auch auf T├╝rkisch. Damit erm├Âglicht er eine neue Auseinandersetzung mit wenig bekannten Aspekten der t├╝rkisch-deutschen Migrationsgeschichte: die Verfolgung t├╝rkischer Juden und J├╝dinnen.

Christoph Kreutzm├╝ller, Bjoern Weigel
Nissim Zacouto

J├╝discher Wunderknabe und t├╝rkischer Teppichgro├čh├Ąndler
Hentrich & Hentrich Verlag, Reihe "J├╝dische Miniaturen", Band 93
64 Seiten, Broschur, 10 Abbildungen
ISBN 978-3-941450-16-5
5,90 Euro
www.hentrichhentrich.de

Literatur Beitrag vom 01.02.2011 Claire Horst 





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