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AVIVA-BERLIN.de im Juni 2018 - Beitrag vom 12.07.2011

√Čmile Zola - Das Paradies der Damen
Britta Meyer

Paris, Ende des 19. Jahrhunderts. Nach dem Tod ihrer Eltern zieht Denise mit ihren zwei j√ľngeren Br√ľdern aus der Provinz zu Verwandten in die Hauptstadt und findet eine Stelle als Verk√§uferin im...



... neu eröffneten "Paradies der Damen", einem der ersten großen Kaufhäuser der Stadt.

Der weibliche Entwicklungsroman Zolas √ľber den steinigen Weg eines modernen Aschenputtels erschien 2011 in einer neuen Auflage in der Edition Ebersbach.

Der Beginn des Konsumrauschs

Das "Paradies" ist eine v√∂llig neuartige Erscheinung. Aufgrund der Massen, die das Warenhaus verkaufen kann, kann es auch die Preise dramatisch senken. Mit seinem verlockenden Angebot an preisg√ľnstigen Luxusg√ľtern bietet es erstmals auch weniger reichen Leuten die M√∂glichkeit, sich importierte Pracht zu leisten. Das Kaufhaus wird somit schnell zum alleinigen Fokus der Verschwendungssucht, der Eitelkeit und manchmal auch der Kleptomanie der Pariser Damen. Das √úberangebot an Stoffen, Spitzen und Bes√§tzen erweist sich als perfekte Droge f√ľr zahlungskr√§ftige Frauen: das "Paradies" lebt vollkommen von einer nicht enden wollenden weiblichen Gier nach Firlefanz. Je mehr sie kaufen, umso mehr muss herangeschafft werden, der Umsatz ist schnelllebig und die Gewinne gigantisch. Damit diese Maschinerie gut ge√∂lt funktionieren kann, steckt unter der d√ľnnen Hochglanzschicht des Betriebs ein knallhartes Management. Neben der zerm√ľrbenden Knochenarbeit und der schlechten Bezahlung leidet die sanftm√ľtige Denise vor allem unter dem st√§ndigen grausamen Mobbing durch Vorgesetzte und KollegInnen. Im Konkurrenzkampf des fr√ľhen Kapitalismus existiert keine Solidarit√§t ‚Äď gerade unter Frauen hei√üt es "fressen oder gefressen werden".

Life as a working girl

Auch mit einer bezahlten Anstellung ist es einer Frau im Paris des 19. Jahrhunderts nahezu unm√∂glich, ohne einen Mann zu √ľberleben. Da das Gehalt nicht zum Leben reicht und verheiratete Frauen nirgendwo besch√§ftigt werden, bleibt einem M√§dchen ohne Ehemann neben dem Job nur die Prostitution, um nicht zu verhungern.

"Der Kleine schlief. Was sollte sie antworten, wenn er aufwachte und etwas zu essen verlangte? Sie hätte immerhin nur einzuwilligen brauchen. Ihre Not hätte ein Ende, sie besäße Geld, Kleider, ein schönes Zimmer. Es war eine einfache Sache, man sagte, dass alle dorthin gelangten, weil in Paris eine Frau nicht von ihrer Arbeit leben könne."

Zolas Fortschrittsgl√§ubigkeit ist mindestens so deprimierend wie die Zust√§nde, die er beschreibt. Das Kaufhaus scheint ein lebendes Wesen zu sein, ein Monster das w√§chst und gedeiht, Menschen frisst und sie wieder ausspuckt, es verleibt sich die kleinen Einzelh√§ndlerInnen der Umgebung ein und ben√∂tigt st√§ndig neues Futter. Ganz Mensch der Moderne steht Zola trotz der eindr√ľcklich geschilderten Unmenschlichkeit der Verkaufsmaschine immer auf deren Seite. Die Verdr√§ngung der alteingesessenen Kaufleute, die Ausbeutung der Angestellten, der Wahnsinn des sinnlosen Konsumrauschs, all dies sind bei ihm nicht nur nat√ľrliche sondern auch w√ľnschenswerte Entwicklungen des modernen Zeitalters. Menschliche Trag√∂dien werden einf√ľhlsam, aber als unvermeidliche Nebenerscheinung des Fortschritts geschildert, den aufhalten zu wollen ebenso zwecklos wie widernat√ľrlich w√§re.

AVIVA-Fazit: Zolas detailverliebte Schilderungen des fr√ľhen Kaufhausalltags sind faszinierend und seine trockenen Analysen zwischenmenschlicher Beziehungen ein Genuss. Die Beschreibungen des √ľberproduktiven Konsumterrors sind ausgesprochen zeitgem√§√ü, sein stereotypes Frauenbild ist dies leider nicht: der gnadenlos beobachtende Naturalismus versinkt schnell in moralistischem Kitsch. Die Heldin Denise ist der klassische Typus der "guten Frau", flei√üig, ehrlich, edel, selbstlos und vor allem keusch. Folgerichtig wird ihre unersch√ľtterliche Tugend am Ende der Geschichte mit Reichtum, Respekt und Liebe belohnt. Auch l√§utert ihre beispiellose Reinheit das verkommene Wesen des lasterhaften Kaufhausbesitzers Mouret, was Denise schlie√ülich die Kr√∂nung des weiblichen Lebensgl√ľcks beschert ‚Äď einen reichen Ehemann.

Zum Autor: √Čmile Zola, lebte 1840-1902 und gilt als Begr√ľnder des europ√§ischen Naturalismus` in der Literatur. "Das Paradies der Damen" erschien 1884 als elfter Roman des zwanzigb√§ndigen Romanzyklus` "Les Rougon-Macquart", der die Geschichte einer Familie √ľber f√ľnf Generationen hinweg erz√§hlt. Im Januar 1898 ergriff Zola in der Dreyfusaff√§re Partei und verfasste einen offenen Brief mit dem Titel "J`accuse" (Ich klage an) an den franz√∂sischen Staatspr√§sidenten, in dem er den j√ľdischen Artillerieoffizier Alfred Dreyfus gegen b√ľrokratische Willk√ľr und offenen Antisemitismus in einem Hochverratsprozess verteidigte.

√Čmile Zola
Das Paradies der Damen

Originaltitel: Au bonheur des dames
Edition Ebersbach, erschienen März 2011
Halbleinen, 576 Seiten
ISBN: 978-3-86915-031-4
EUR 26,00
www.edition-ebersbach.de

Weitere Informationen finden Sie unter:

Dreyfusaffäre
(Seite auf französisch)

"J`accuse" in deutscher √úbersetzung

Weiterlesen auf AVIVA-Berlin:

Louis Begley - Der Fall Dreyfus

Literatur Beitrag vom 12.07.2011 Britta Meyer 





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