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AVIVA-BERLIN.de im Juni 2018 - Beitrag vom 24.03.2009

Lucia Puenzo - Das Fischkind
Silvy Pommerenke

Der Deb├╝troman der argentinischen Autorin sorgt zur Zeit f├╝r ├╝bersch├Ąumenden Wirbel auf Seiten der Literaturkritik. Aber ob viele positive Rezensionen auch einen guten Roman ausmachen?



Bereits 2004 verfasste Luc├şa Puenzo "Das Fischkind", in dem einerseits eine traditionelle Sage eines Jungen erz├Ąhlt wird, der mit Schwimmh├Ąuten zwischen den Fingern und mit Kiemen statt einer Lunge ausgestattet ist und unter Wasser lebt. Allegorisch wird damit der Tod des Kindes von Lin alias Guayi, einer der beiden Protagonistinnen des Romans, be- und verarbeitet. (Kein ungew├Âhnliches Motiv, denn u.a. Jeannette Winterson verarbeitete dies in ihrem Roman "Verlangen".) Dieses Motiv gibt dem Roman zwar seinen Titel, ist auch f├╝r beide Protagonistinnen nicht ganz bedeutungslos, aber eigentlich f├╝r die Geschichte nicht wirklich wichtig. Denn der Hauptplot handelt von zwei etwa 17-j├Ąhrigen jungen Frauen in Buenos Aires, die auf unterschiedlichen gesellschaftlichen Hierarchien stehen und sich dennoch ineinander verlieben. Guayi ist Paraguayerin, gleichzeitig Haush├Ąlterin im elit├Ąren Zuhause von Lala, ihrer Gegenspielerin, und sie verdreht der ganzen Familie den Kopf. Der erste, der sich unsterblich in sie verliebt ist Serafin, ein kleiner r├Ąudiger Hund, der dem Roman bitterb├Âsen Humor einhaucht. Alles wird von ihm kommentiert, sei es, dass er die Oberweiten von Frauen mit l├╝sternem Blick begutachtet, ├╝ber die pr├╝de H├╝ndin aus der Nachbarschaft abl├Ąstert oder er als Drogentester herhalten muss, weil Pep, der Bruder von Lala, nicht genau wei├č, welche G├╝te der Stoff hat, mit dem er dealt.

Wer sich auch den Kopf von Guayi verdrehen l├Ąsst, ist der Vater von Lala, der unter dem Namen Bront├ź einen Bestseller nach dem anderen schreibt und zwischendurch immer mal wieder theatralisch ├╝ber einen inszenierten Suizid nachdenkt. Nat├╝rlich kann er nicht lange die Finger von seiner attraktiven Angestellten lassen, und da sie sich ihm nicht freiwillig hingibt, wird sie kurzerhand von ihm vergewaltigt und sp├Ąter zur Zwangs-Geliebten gemacht. Da aber Lala und Guayi auch schon seit einiger Zeit Geliebte sind und letztere spurlos verschwindet, beschlie├čt Lala ihren Vater umzubringen. Nach der Tat flieht sie mit Serafin nach Paraguay, aber dort weisen alle Indizien wieder zur├╝ck nach Argentinien. Schlie├člich wird sie f├╝ndig, aber die ehemalige Geliebte reagiert nicht ganz so, wie es sich Lala erhofft hatte ...

Alles in allem kann der Roman nicht die Erwartungen halten, die durch die zahlreichen positiven Rezensionen evoziert werden. Die Idee, ein Tier zu einer Hauptfigur eines Romans zu machen, ist nicht neu, erh├Ąlt aber in diesem Fall durch die Gestalt von Serafin tats├Ąchlich etwas Besonderes. Luc├şa Puenzo hat sich ein fieses Alter Ego geschaffen, was einerseits die Schlechtigkeit in Hund, pardon, in Person ist, andererseits dennoch liebenswerte Z├╝ge tr├Ągt. Somit lebt der Roman vor allem durch die Gestaltung dieses Hundes. Die anderen wesentlichen Figuren, Lala und Guayi, sind relativ leblos und blass entworfen worden, und die vermeintliche amour fou zwischen den beiden hat etwas so Zerst├Ârerisches an sich, dass lediglich ein beklemmendes Gef├╝hl beim Lesen entsteht. Auch f├╝hrt die Autorin innerhalb k├╝rzester Zeit nahezu zwanzig verschiedenen Charaktere ein, so dass man sich ohne Stift und Zettel schnell verzettelt, und das nur, um hinterher festzustellen, dass ein Gro├čteil der gerade noch eingef├╝hrten Figuren gar keinen tieferen Sinn in diesem Roman zugesprochen bekommen. Auch sprachlich kann dieses Debut nicht wirklich ├╝berzeugen, wobei dies nat├╝rlich auch an der ├ťbersetzung liegen k├Ânnte. Der einzige Lichtblick des Romans ist der des Galgenhumors, der sich quer durch die knapp 160 Seiten hindurchzieht und die Figur des Serafin, den man absto├čend und liebenswert zugleich findet.

Weiterlesen: Claudia Pineiro "Ganz die Deine" und Ana Maria Shua "Lauritas Liebschaften"

Zur Autorin: Lucia Puenzo wurde 1976 in Buenos Aires geboren. Zur Zeit arbeitet sie gleichzeitig an ihrem vierten Roman und zweiten Kinofilm, der Verfilmung ihres Erstlingsromans Das Fischkind. Ihr Deb├╝t als Regisseurin gab sie 2007 mit XXY, der im selben Jahr beim Filmfestival in Cannes ausgezeichnet wurde. (Quelle: Verlagsinformationen)

AVIVA-Fazit: Die Geschichte bietet eigentlich ein gro├čartiges Potenzial, das die Autorin leider nur ansatzweise nutzt. Sie bleibt sowohl inhaltlich als auch bei dem Entwurf ihrer Figuren an der Oberfl├Ąche, k├Ânnte vieles mehr ausf├╝hren, um damit beispielsweise die Magie ÔÇô die zweifelsfrei darin steckt ÔÇô st├Ąrker zum Leuchten zu bringen. Vielleicht h├Ąngen die vielf├Ąltigen Lobeshymnen auf Puenzo auch mit ihrem Vater Luis zusammen, der ebenfalls Regisseur und zudem Oscarpreistr├Ąger ist, oder dass die Autorin k├╝rzlich zur Berlinale 2009 ihre Verfilmung von "Fischkind" pr├Ąsentiert hat. Vielleicht liegt es aber auch daran, dass es hierzulande nur wenig vergleichbare Literatur aus dem Argentinischen gibt?

Lucia Puenzo
Das Fischkind

Verlag: Wagenbach, Februar 2009
Gebunden, 156 Seiten
ISBN: 978-3803132208
16,90 Euro


Literatur Beitrag vom 24.03.2009 Silvy Pommerenke 





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