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AVIVA-BERLIN.de im Juni 2018 - Beitrag vom 07.06.2010

Regina Nössler - Kleiner toter Vogel
Tatjana Zilg

Die Berliner Autorin besch√§ftigte sich schon in ihren fr√ľheren Werken intensiv mit dem Thema Angst. In ihrem Thriller, der in einem schw√§bischen Provinzdorf mit dunklen Abgr√ľnden spielt,...



... schildert sie eindringlich, wie eine Freiberuflerin aus der Großstadt in einen Ereignisstrudel gerät, der sie dem Gespenst der Angst fast schutzlos aussetzt.

Johanna Fink f√ľhlt sich in allen Poren fremd, als sie das Haus ihrer gerade verstorbenen Tante Helene betritt. Von Berlin ist sie √ľberst√ľrzt mit dem Zug hergefahren, um den Hausstand aufzul√∂sen und alle Erbschaftsangelegenheiten zu regeln. Gekannt hat sie ihre Tante kaum. Ihre Mutter hatte zur Schwester ein distanziertes Verh√§ltnis und redete ver√§chtlich √ľber deren Lebensstil. Angeblich hatte sie ganz allein gelebt und einen tristen Alltag. Die Antipathie geht soweit, dass Johanna die Situation nach dem Sterbefall alleine regeln soll.

Gef√ľhlschaos, Liebesverlust und m√∂rderische Zust√§nde in l√§ndlicher Umgebung

Die Anfang-40j√§hrige f√ľhlt sich √ľberfordert, aber wie sooft gelang es ihr nicht, die W√ľnsche der Mutter abzuwehren, obwohl diese auch √ľber Johannas Leben mehr und mehr abf√§llige Bemerkungen macht. Johannas Widerstandsgeist ist ohnehin geschw√§cht, da bei ihr gerade selbst nichts rund l√§uft: Die Beziehung zu ihrer Freundin Ines, einer erfolgreichen Architektin, steht nach einem heftigen Streit auf der Kippe und die Auftr√§ge f√ľr ihre T√§tigkeit als freiberufliche Wissenschaftslektorin bleiben aus. So stimmt es in gewisser Weise, was ihre Mutter sagt: Zeit hat sie genug, um in dem kleinen Dorf in Schwaben, wo ihre Tante ein nettes H√§uschen mit Garten besa√ü, die Dinge zu kl√§ren. Dennoch wei√ü sie nicht, als sie die Haust√ľre ge√∂ffnet und sich in den gem√ľtlich und praktisch eingerichteten R√§umen umgeschaut hat, wo sie beginnen soll. Stattdessen macht sich ein ausgesprochen unbehagliches Gef√ľhl in ihr breit und sie erschaudert bei dem Gedanken an die Endg√ľltigkeit des Todes, der ihre Tante ereilte. Dies wird verst√§rkt durch einige kleine unerkl√§rliche Beobachtungen wie die eines toten Finks, der im Garten drapiert liegt.

Kaum wiegt sich die Leserin in Sicherheit, die Bedrohung sei nur die innere Wahrnehmung von Johanna, das Dorfgeschehen selbst aber harmlos, da liegt plötzlich eine Leiche auf der Terrasse des Hauses. Kurz zuvor hatte Johanna die Ermordete kennen gelernt: Es war die Putzfrau der Tante.

Das Geschehen transformiert zum sozio-delikaten Suspense-Krimi

Regina N√∂ssler gelingt es, in einer Jonglage aus Krimi-Elementen, Dorf-Ethno-Satire und Psycho-Sezierung einen packenden Roman zu gestalten, dessen Hauptgewicht auf die inneren Prozesse der zentralen Protagonistin gerichtet ist und dennoch das Umfeld bizarr und lebensnah zugleich einbezieht, so dass die Spannung hochschl√§gt wie bei der Verfolgung einer spektakul√§ren Mordserie eines Hitchcock-Films. Denn es bleibt nicht bei zwei Toten, es folgen weitere, und alle standen in einem direkten Zusammenhang zu Johanna. Als Fremde wird sie f√ľr das l√§ndliche Ermittler-Duo der Polizei zur Verd√§chtigen, w√§hrend ihre Angst, ihr k√∂nne selbst etwas passieren, nicht ernst genommen wird.

Eine Verb√ľndete findet sie in Christiane Holzapfel, die auf den ersten Blick ein Landfamilienidyll lebt: Ein gro√ües Haus, ein perfekter Ehemann - Lehrer - und zwei Kinder. Dass auch hier die Fassade gewaltig br√∂ckelt, wird schnell klar, noch vor dem n√§chsten Mord sind die psychodynamischen Abgr√ľnde offengelegt. Viel Zeit, um den Schock zu sp√ľren, bleibt Johanna nicht, denn √ľber ein paar telefonische Ecken erf√§hrt sie von dem Tod einer Bekannten in Berlin, die f√ľr sie gerade zu mehr als einer Bekannten wurde.

AVIVA-Tipp: Dieser Roman ist mehr als ein nervenkitzelnder Psychothriller. Zugleich ist er ein lesbischer Beziehungsroman, wenn Johanna ihre Beziehung und die unterschiedlichen Positionen der beiden Partnerinnen im R√ľckblick profunde reflektiert und doch nicht von ihrer Zuneigung loslassen kann. Im weiteren Verlauf des Plots wird "Kleiner toter Vogel" zu einem Schelminnenstreich, gew√ľrzt mit viel subtilem, schwarzem Humor, wenn die Morde dem kleinb√ľrgerlichen Idyll die strukturierte Fassade entrei√üen. Als I-T√ľpfelchen gibt es ein √ľberaus √ľberraschendes Ende, das nach all den Lynch¬īesken Gr√§ulichkeiten mit einem positiven Gef√ľhl aus dem Lesesog entl√§sst.

Zur Autorin:
Regina Nössler
wurde 1964 in Altenhundern geboren und studierte später Germanistik und Film- und Fernsehwissenschaften in Bochum. Heute lebt sie als freie Autorin und Lektorin in Berlin und schreibt Romane und Erzählungen. Zuletzt erschien der Beziehungsthriller "Die Kerzenschein-Phobie". "Kleiner toter Vogel" ist ihre elfte Buchveröffentlichung.

Regina Nössler
Kleiner toter Vogel

konkursbuch Verlag, erschienen März 2010
Klappenbroschur, 416 Seiten
10,90 Euro
ISBN 978-3-88769-751-8

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Literatur Beitrag vom 07.06.2010 AVIVA-Redaktion 





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