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AVIVA-BERLIN.de im Juni 2018 - Beitrag vom 13.04.2005

Mira reicht┬┤s - Ein Kinderbuch von Alexa Hennig von Lange
Ruth Niehaus

Der Vater h├Ârt bewu├čtseinserweiternde Musik, die Mutter trocknet sich heimlich die H├Ąnde am Geschirrtuch ab: Alltag einer Patchwork-Familie, erz├Ąhlt aus der Sicht einer 11-j├Ąhrigen.



Mira w├╝nscht sich sehnlichst ein Pony, auch, um Moritz aus ihrer Klasse zu beeindrucken, den sie heimlich anhimmelt. Tatenlos mu├č sie mitansehen, wie sich Desiree ohne Gewese auf dessen Scho├č setzt. Liegt┬┤s daran, da├č Desiree schon ganz gut entwickelt ist, wie Miras Mama meint? Desiree steht in ihrer Freizeit gern vorm Einkaufszentrum herum und scheint zu wissen, wo der Hase lang l├Ąuft. Mira sp├╝rt deutlich, da├č sie so richtig nicht dazu geh├Ârt - zu den M├Ądchen nicht, mit ihren komischen Geheimcodes, zu den Jungen erst recht nicht. Und mit Astrid (Arschtritt) Battermann, will sie sich nicht zusammentun, weil die nicht ohne Grund zu ihrem charmanten Spitznamen gekommen ist. Der Mensch ist dem Menschen ein Wolf. Schule kann grausam sein.

Die Schwierigkeiten spitzen sich zu, als die Klasse sich in einen Reisebus Richtung Landschulheim setzt - ein Riesenspa├č f├╝r Moritz, Desiree und wie sie alle hei├čen, f├╝r Astrid eine Gelegenheit, unger├╝hrt Leberwurstbrote zu essen, obwohl es sicher besser w├Ąre, mit Diskob├╝rsten und Deoflaschen zu hantieren. F├╝r Mira ist schon die Fahrt eine wahre Pein: sie mu├č neben Astrid sitzen, die fortw├Ąhrend "Ich fress┬┤ einen Besen" sagt und wird unfreiwillig Zeugin lustiger Flirtszenen auf der R├╝ckbank des Busses.

Mira hat genug Schwierigkeiten, m├Âchte man meinen.
Leider ist das Leben aber auch au├čerhalb der Schule nicht viel entspannter.

Von au├čen betrachtet scheint alles o.k. zu sein. Miras Mama und Jan lieben sich und versichern sich gegenseitig dauernd, was f├╝r ein Gl├╝ck es sei, einander gefunden zu haben. Mit Alfred, dem kleinen Br├╝derchen, kommt Mira gut klar und Jan hat sie ebenso in ihr Herz geschlossen wie ihren richtigen Papa Leo, den sie jeden Samstag besucht. Der hatte die Familie verlassen, als sie etwa drei Jahre alt war. Seitdem gilt er als unreif. Leo betreibt einen Hot-Dog-Stand und ist auf eine nervige Art unkonventionell. Distanziert beobachtet Mira das lockere Treiben in Papas muffiger WG und obwohl sie immer froh ist, dort nicht ├╝bernachten zu m├╝ssen, macht es sie traurig, wenn Mama und Jan in Selbstgerechtigkeit vereint auf den armen Chaoten herabblicken.

Papa Leo ist aber keinen Deut besser und l├Ą├čt keine Gelegenheit aus, Miras Mama als ├╝ber├Ąngstliche Spie├čerin zu verurteilen. Wie Miras Bericht zeigt, liegt der Vater da nicht so falsch. Er macht es sich aber, genau wie die Mama, zu einfach. Beide leben ganz bequem mit dem zementierten Bild des anderen - Mira, der einsamen Wanderin zwischen den Welten, helfen sie damit nicht weiter, denn sie tr├Ąumt davon, Jan und ihr Vater w├╝rden wenigstens "mal zwei S├Ątze miteinander reden".

Die erste Tag im Landschulheim ist der Tropfen, der das Fa├č zum ├ťberlaufen bringt, Mira reicht┬┤s, sie f├╝hlt sich miserabel im Kreis ihrer Mitsch├╝lerInnen und will nur noch nach Hause. Ihre Mama ist telefonisch nicht erreichbar, wohl aber Leo, der sie kommentarlos abholt und die Chance nutzt, mit seiner Tochter mal "einfach so rumzufahren". Der Ausflug wird zum Alptraum f├╝r die kleine gro├če Mira, die ungeahnte Mutproben bestehen mu├č. Am Ende gelingt es ihr, beide Welten, in denen sie aufw├Ąchst, f├╝r eine kleine Weile zusammen zu bringen.

AVIVA-Tipp: Alexa Hennig von Lange beweist lakonischen Witz und Sinn f├╝r (tragi-)komische Situationen, ohne ihre Figuren ins L├Ącherliche zu ziehen.



Alexa Hennig von Lange
Mira reicht┬┤s

rororo Rotfuchs, erschienen im November 2004
141 Seiten, illustriert, Pappeinband
ISBN 3-499-21297-8
12,90 Euro200484168975"

Literatur Beitrag vom 13.04.2005 AVIVA-Redaktion 





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