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AVIVA-BERLIN.de im Juni 2018 - Beitrag vom 20.01.2005

Richtige Fragen und zweifelhafte Antworten
Silke Buttgereit

Michael Warschawskis schreibt in "H√∂llentempo" √ľber die Ver√§nderungen der israelischen Gesellschaft vor dem Hintergrund des israelisch-pal√§stinensischen Konflikts



F√ľr Michael Warschawski ist die Welt im Nahen Osten klar gestrickt: Israel ist ein kolonialistischer Staat, dessen kriegstreiberische, nationalistische Regierung danach trachtet, die Pal√§stinenserInnen endg√ľltig aus ihrem Land zu vertreiben. Die israelischen Pal√§stinenserInnen wiederum sind ein friedfertiges Volk von unschuldigen Zivilisten, die sich, angesichts der enormen Unterdr√ľckung, die sie erfahren, hin und wieder dazu hinrei√üen lassen, Panzer mit Steinen zu bewerfen.

Soweit f√ľr den Westen nichts Neues - das ist die im nicht-j√ľdischen Europa weit verbreitete Sicht der Nahost-Dinge, die jede und jeder, der und die seit den 60er Jahren politisch laufen lernte, mit der medialen Muttermilch eingesogen hat. Prek√§r ist allenfalls, dass Warschawskis Blick der eines aus Frankreich stammenden j√ľdischen Israelis ist.
Sein Essayband "Mit Höllentempo. Die Krise der israelischen Gesellschaft" betrachtet vor allem die Jahre der zweiten Intifada, die nach Scharons Besuch auf dem Tempelberg am 28. September 2000 einsetzte.
Das Scheitern des Oslo-Prozesses, die Ereignisse in Dschenin, der Bau des Trennungszauns, Warschawski rollt die Ereignisse der letzten Jahre noch einmal auf, um einerseits die kolonialistischen Grundsätze der israelischen Politik und andererseits die Auswirkungen des permanenten unerklärten Krieges auf die israelische Gesellschaft aufzuzeigen.
Ersteres geschieht gar zu einseitig und l√§sst sowohl die Geschichte des j√ľdisch-pal√§stinensischen Konfliktes als auch die weit √ľber die Region hinausreichenden politischen Konstellationen v√∂llig au√üer Acht. Hingegen ist die Frage, wie sich die seit √ľber einem halben Jahrhundert andauernde Situation st√§ndiger Gewaltbereitschaft und Gewaltbedrohung auf eine demokratische Gesellschaft auswirkt, eine sehr wichtige und wird von Warschawski unter verschiedenen Aspekten gestellt:
Was bedeutet es f√ľr das allt√§gliche Zusammenleben, wenn √ľber einer Gesellschaft st√§ndig das Damokles-Schwert des kriegerischen Ausnahmezustands schwebt? Welche Auswirkung hat die permanente Pr√§senz von Milit√§r und Waffen im zivilen Leben? Was hei√üt es f√ľr Bildungswesen und Medienpolitik, wenn die Existenz eines Staates so eng an seine milit√§rische Verteidigungsbereitschaft gekoppelt ist/wird? Gibt es den Punkt, wo Hass auf den Nachbarn umschl√§gt in destruktive gesellschaftliche Aggression, die sich auch im allt√§glichen Zusammenleben √§u√üert?

Warschawskis Fragen sind interessanter als seine Antworten und es bleibt die Vermutung, dieses Buch w√ľrde uns - w√§re es nach dem 11. November 2004 geschrieben - auch noch erz√§hlen, inwiefern israelische Milit√§rs den Tod des so jugendlich verschiedenen Arafat zu verantworten haben. Schalom achschaw - die Region braucht Frieden dringender als Verschw√∂rungstheorien!

Zur Geschichte des Nahost-Konflikts sowie Informationen zum Friedensprozess:
www.weltpolitik.net/Regionen/Naher%20u.%20Mittlerer%20Osten/Nahostkonflikt/Grundlagen/
www.anti-defamation.ch/
www.ajc.org/Israel/PeaceProcess.asp


Michael Warschawski
Mit Höllentempo
Die Krise der israelischen Gesellschaft

Aus dem Französischen von Barbara Heber-Schärer
Edition Nautilus Verlag
Broschiert, 128 Seiten
10,90 Euro (D), sFr 19,70
ISBN 3-89401-448-2
200469796075"



Literatur Beitrag vom 20.01.2005 AVIVA-Redaktion 





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