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AVIVA-BERLIN.de im August 2018 - Beitrag vom 01.03.2005

"Weinen Sie nicht, die gehen nur baden". ZeugInnen des Auschwitz-Prozesses berichten
Tina Kosleck

"Jeder, der an dieser gigantischen Mordmaschinerie hantierte, war des Mordes schuldig", so der Generalstaatsanwalt des Auschwitz-Prozesses Fritz Bauer. Doch verurteilt wurden nur einige wenige.



Am 20. Dezember 1963, fast 19 Jahre nach der Befreiung des Konzentrationslagers Auschwitz, wird in Frankfurt der so genannte Auschwitz-Prozess eröffnet.

In dem Feature "Weinen Sie nicht, die gehen nur baden" von Jochanan Shelliem werden einige wenige der ZeugInnenaussagen des Prozesses mit Hintergrundberichten über sein Zustandekommen und mit Bewertungen des Prozesses durch ZeitzeugInnen durchmischt.

Obwohl sich der Prozess lediglich gegen einige Angeklagte - gegen Mulka u.a. - richten konnte, gegen die im Rahmen des Strafgesetzbuches ein Prozess wie gegen jeden normalen Angeklagten geführt wurde, wies der Generalstaatsanwalt Fritz Bauer ihm eine andere Aufgabe zu: Nicht so sehr die Sühne der TäterInnen sollte im Vordergrund stehen, viel mehr ging es ihm darum, politische Aufklärung zu leisten, die Öffentlichkeit über den Gesamtzusammenhang dieses Massenmordes zu informieren. Denn dies tat Not - besonders vor dem Hintergrund des "Gnadenfiebers" der Adenauer-Ära.

Derzeit werden die 430 Stunden Tonmaterial des Auschwitz-Prozesse gesichtet, entstehen soll eine DVD, "ein Periskop, das den, der hineinzuhören vermag, verändern wird".

Dem Hörbuch gelingt dies so nicht, jedoch ist das auch nicht sein Anspruch. Hier geht es vielmehr um den Prozess und seine Hintergründe als um die Aussagen der Opfer und TäterInnen, auch wenn der Untertitel "Zeugen des Auschwitz-Prozesses berichten" anderes vermuten lässt. Dennoch sind diese Aussagen selbstverständlich der eindringlichere Teil des Features. Es ist erstaunlich, wie nüchtern die meisten der ZeugInnen die Selektion, die Ankunft im Lager, die Trennung von den Familien, die Bereicherung am Hab und Gut der Häftlinge beschreiben. Auschwitz war eine Mordmaschine - und war die Gaskammer dann nach zwei Stunden endlich voll, so wurden noch Kinder über die Köpfe der dem Tode Geweihten hinweg in die Gaskammer geworfen.

Die akustische Qualität der über 40 Jahre alten Tondokumente ist erstaunlich gut und klar, selten einmal klingt eine Aussage dumpf. Leider verlieren diese Tondokumente durch die Zerstückelung der Aussagen an Eindringlichkeit. So werden die HörerInnen aus den Erinnerungen der ZeugInnen herausgerissen, um von den SprecherInnen einen Teil über das Zustandekommen des Prozesses zu erfahren, sollen sich dann aber gleich wieder hineinfinden, als der ZeugInnenbericht fortgesetzt wird. Wären die einzelnen Teile besser voneinander abgesetzt, wäre es leichter, sowohl den ZeugInnenberichten als auch den Hintergrundberichten des Prozesses zu folgen.

Über die ergangenen Urteile erfährt man in dem Feature leider ebenso wenig wie über die Reaktionen der Bevölkerung - nicht nur in Deutschland - auf den Prozess und auf die durch ihn bekannt gewordenen grausamen Details.

AVIVA-Tipp: Besonders vor dem Hintergrund des Aussterbens der Generation von ZeitzeugInnen sind Dokumente wie dieses von unglaublicher Bedeutung für alle nachfolgenden Generationen.

Zum Produzenten
Jochanan Shelliem
, geboren am 15. Januar 1953 in Haifa, arbeitet seit 1978 als Hörfunk-Journalist der ARD und lebt heute in Frankfurt und Offenbach am Main.

Zu den SprecherInnen
Donata Höffer
, geboren 1949 in Berlin, ist Schauspielerin, Sprecherin und tourt auch regelmäßig als Sängerin mit eigenem Klassik- und Folkloreprogramm.
Matthias Haase, geboren 1957, wirkte bereits als Sprecher in ca. 300 Hörspielproduktionen mit, darunter Hauptrollen in "Das Foucaultsche Pendel" von Umberto Eco und "Der Herr der Ringe" von J.R.R. Tolkien.

Gerd Wameling, geboren 1948 in Paderborn, wirkt als Sprecher in zahlreichen Hörspielproduktionen und als Schauspieler in zahlreichen Filmen und Fernsehserien mit. 1993 erhielt er den Grimme-Preis für seine Rolle des Dr. Fried in "Wolffs Revier".


"Weinen Sie nicht, die gehen nur baden!"
Zeugen des Auschwitz-Prozesses berichten
Jochanan Shelliem
Mit Gerd Wameling, Matthias Haase, Donata Höffer, u.a.
1 CD mit Booklet
45 min. 9 Tracks
Der Audio Verlag, Januar 2005
ISBN 3-89813-409-1
Euro 14,95200723523288"


Literatur Beitrag vom 01.03.2005 AVIVA-Redaktion 





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