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AVIVA-BERLIN.de im Juni 2018 - Beitrag vom 07.03.2005

Scherwitz - Der j├╝dische SS-Offizier
Sarah Ross

Wer war Dr. Eleke Scherwitz? Die Autorin Anita Kugler rollt in ihrer wissenschaftlichen wie kriminalistischen Biographie das wahre Leben des mutma├člichen Kriegsverbrechers auf.



Im Leben und Schicksal des "j├╝dischen SS-Offiziers" Eleke Scherwitz scheinen sich die Trag├Âdien und Absurdit├Ąten der ersten H├Ąlfte des 20. Jahrhunderts zu vereinen. Die Autorin hat sich auf die beispiellose, biographische Spurensuche des Juden, SS-Untersturmf├╝hrers, KZ-Kommandanten, M├Ârders und Judenretters Eleke Scherwitz gemacht. Zu dessen Person sind die Faktenlagen laut Autorin "d├╝nner als chinesisches Seidenpapier". Keinerlei Dokumente k├Ânnen einwandfrei die Herkunft der Hauptperson belegen. Wann und wo wurde er geboren? Wer waren seine Eltern? Wie lautet sein richtiger Name? Eleke Scherwitz, Elias Sirewitz oder Fritz Scherwitz? Fest steht jedoch, dass der Kindersoldat eines litauischen Freikorps "sich sp├Ąter zu einer der seltsamsten Figuren in der Geschichte der SS entwickelte".

Lediglich die Angaben in seinem Lebenslauf, den 1935 zur "Erlangung der Verlobungsgenehmigung" einreichte, geben Hinweise zu seiner Biographie.
Als Sohn eines Tischlermeisters 1903 in Ostpreu├čen geboren, soll der Katholik Scherwitz als Werkzeugmacher gearbeitet haben. Seine Eltern und pers├Ânlichen Urkunden habe er in den Wirren des Ersten Weltkriegs verloren.
Im November 1933 trat Fritz Scherwitz in die SS ein. Auch die Informationen zu den Stationen seiner Polizeikarriere, die 1939 im besetzten Polen begann, sind l├╝ckenhaft. Mit seiner Versetzung nach Riga (Lettland) 1941, wo er das KZ-Au├čenlager "Lenta" leitete, und seit 1943 als Fachf├╝hrer im Rang eines SS-Untersturmf├╝hrers t├Ątig war, beginnen die eigentlichen Wirren um seine Person: Manche der bei ihm im KZ besch├Ąftigten "j├╝dischen Handwerker nannten ihn "Chaze", Kamerad, Besch├╝tzer, Lebensretter". Wiederum andere, die heute seine Rehabilitation fordern, warfen ihm Mord und Bestechlichkeit vor.
Gleich nach dem Krieg erkl├Ąrte Scherwitz, dass er in Wahrheit Jude sei, was ihm jeder glauben wollte. Als "Treuh├Ąnder aller j├╝dischen Eigent├╝mer" und Regionalleiter f├╝r die Betreuung der NS-Opfer, begann er eine antifaschistische Karriere unter amerikanischer Besatzung. Trotz der Behauptung, er sei nur aus Eigenschutz in die SS eingetreten, sollte ihn seine Vergangenheit bald einholen:
"Am 26. April 1948 wird Dr. Eleke ScherwitzÔÇŽals mutma├člicher Kriegsverbrecher verhaftet". 1950 wurde Scherwitz vom Schwurgericht M├╝nchen trotzt mangelnder Beweise wegen Totschlags zu sechs Jahren haft verurteilt. Man warf ihm vor, 1944 drei j├╝dische H├Ąftlinge auf der Flucht erschossen zu haben. Dabei wurde ihm seine j├╝dische Herkunft als strafversch├Ąrfend angekreidet, da "die T├Âtung eigener Rassegenossen" als eine "besonders verwerfliche" Tat aufgefasst wurde.
1962 starb Scherwitz und wurde unter seinem j├╝dischen Namen Eleke Sirewitz begraben.

AVIVA-TIPP: In ihrer spannenden und verst├Ârenden Biographie zu Eleke Scherwitz, in der nichts so ist, wie es zu sein scheint, geht Anita Kugler der Frage nach, ob es sich bei der Hauptperson um einen M├Ârder oder um ein Justizopfer handelt.

Zur Autorin: Anita Kugler ist Buchh├Ąndlerin, Historikerin und Journalistin. Viele Jahre war sie bei der "tageszeitung" f├╝r das politische Buch und zeitgeschichtliche Themen zust├Ąndig. Die Autorin, deutsch-baltischer Herkunft, wurde vom Museum "Juden in Lettland" zum "Mitglied Nummer 2" ernannt.


Anita Kugler
Scherwitz. Der j├╝dische SS-Offizier
.
Verlag Kiepenheuer & Witsch, K├Âln. Erschienen August 2004.
758 Seiten
ISBN 3-462-03314-X
29,90 Euro200883609475"


Literatur Beitrag vom 07.03.2005 Sarah Ross 





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