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AVIVA-BERLIN.de im Oktober 2021 - Beitrag vom 11.03.2005


Der Honig
Sarah Ross

Ruhiya bricht ein Tabu: Sie steigt auf das Minarett und ruft zum Morgengebet auf. Was an diesem Tag, von der Morgendämmerung bis zum Sonnenuntergang geschehen wird, erzählt Zeina B. Ghandour.




Die libanesischstämmige Autorin Zeina B. Ghandour schildert in ihrem Debütroman die Reaktionen der Menschen eines palästinensischen Wüstendorfes, als ausgerechnet die Tochter des Muezzins ein als unumstößlich geltendes islamisches Tabu bricht: Ruhiya ruft anstelle ihres erkrankten Vaters das Morgengebet von der Moschee aus. Daraufhin soll sich innerhalb von 24 Stunden das Leben von mehreren Menschen ändern.

Dreh- und Angelpunkt der Erzählung ist der Islam mit seinen gesellschaftlichen Tabus, deren Bruch nie ohne gesellschaftliche Konsequenzen bleibt. Die innere und äußere Zerrissenheit des heutigen Palästinas und seiner BewohnerInnen spiegelt sich in der Geschichte Ruhiyas, einer außergewöhnlichen Frau, die von den Normen ihrer Gesellschaft abweicht, wieder. Im Mittelpunkt der Erzählung steht Ruhiyas Liebe zu einem jungen Mann namens Yehya, der sich als Selbstmordattentäter auf einen Anschlag in Jerusalem vorbereitet. Doch schließlich wird er vom "honigsüßen" Klang ihrer Stimme wachgerüttelt, und dadurch von seiner Tat abgehalten. Neben den Erzählperspektiven Ruhiyas und Yehyas wird die Geschichte weiterhin aus der Sicht einer ausländischen Journalistin erzählt, die von den Gerüchten über den geheimnisvollen weiblichen Muezzin angelockt wurde, und nun mehr über Ruhiya erfahren will. Mittendrin steht Asrar, ein junges Mädchen, das die Geheimnisse aller Protagonisten kennt. Als der Honigmann, Yehyas Vater, als fünfter Erzähler seine Stimme erhebt, stellt sich heraus, dass die Liebe der beiden Hautprotagonisten keine Zukunft haben wird. Der Leserin wird später erfahren, dass die beiden Bruder und Schwester sind, da der Honigmann einst Ruhiyas Mutter vergewaltigte.

AVIVA-Tipp: Die literarische und zugleich raffinierte Gestaltung des Romans orientiert sich an den fünf Tagesgebetszeiten: "Morgendämmerung", "Einbruch der Nacht", "Mittag", "die Sonne beginnt zu sinken" und "Sonnenuntergang". In einem Zeitraum von 24 Stunden schildert die Autorin in poetischen Bildern das Leben der Menschen in einer Gegend, in der "Fragen der Religion auch Fragen der Politik, der Alltagskultur und der Beziehungen zwischen den Einzelnen" sind. Ghandours Romanfiguren verführen oder werden dazu verführt gesellschaftliche Tabus zu brechen, und werden somit "Quelle oder Nutznießer des Honigs im wörtlichen wie übertragenen Sinn". Dieser Roman hebt sich durch eine bilderreiche, lyrische und verrätselte Sprache hervor.

Zur Autorin: 1966 wurde Zeina B. Ghandour in Beirut geboren und lebt seit ihrem neunten Lebensjahr in England. Sie studierte Jura mit dem Schwerpunkt jüdisches und islamisches Recht, und arbeitet derzeit an ihrer Promotion an der London School of Economics and Political Science. Als Wahlbeobachterin und -organisatorin war sie für das britische Außenministerium in Afrika, Asien und dem Nahen Osten tätig. Heute unterrichtet sie am London College of Legal Studies.


Zeina B. Ghandour
Der Honig

Aus dem Englischen von Sabine Hübner
Deutsche Erstausgabe
DTV: München, Oktober 2004
118 Seiten
12,- Euro
Klappenbroschur
ISBN 3-423-24422-4
200475150775"



Literatur

Beitrag vom 11.03.2005

Sarah Ross 






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