Ein guter Platz f├╝r die Nacht - Aviva - Berlin Online Magazin und Informationsportal für Frauen aviva-berlin.de Literatur
AVIVA-Berlin .
.
P
R
.
.

AVIVA_gegen_AFD
AVIVA-Berlin > Literatur AVIVA-Newsletter bestellen
AVIVA-Berlin auf Facebook AVIVA-Berlin auf twitter
   Aviva - Home
   Veranstaltungen in Berlin
   Women + Work
   Public Affairs
   Kultur
   J├╝disches Leben
   Interviews
   Literatur
   Romane + Belletristik
   Biographien
   J├╝disches Leben
   Sachbuch
   Graphic Novels
   Art + Design
   Lesungen in Berlin
   Music
   Sport
   E-cards
   Gewinnspiele
   Werben bei uns
   About us
   Frauennetze
 


Happy Birthday AVIVA




AVIVA wishes you a happy and peaceful New Year 2018




Aviva-Berlin.de

Versatel






 



AVIVA-BERLIN.de im Juni 2018 - Beitrag vom 23.04.2005

Ein guter Platz f├╝r die Nacht
Sarah Ross

Savyon Liebrechts Erz├Ąhlungen handeln von Beziehungen, Liebe und Verlust, vom Alltag in Israel und j├╝dischen Israelis im Ausland. Allen Figuren gemeinsam ist das Gef├╝hl realer Entfremdung.



In ihren Erz├Ąhlungen bettet die Autorin Savyon Liebrecht die Sehnsucht der ProtagonistInnen nach Zuflucht und Verwurzlung in die Schilderung sieben verschiedener Schaupl├Ątze ein: Amerika, ein Kibbuz, Tel Aviv, M├╝nchen, Hiroshima, Jerusalem und ein guter Platz f├╝r die Nacht. Dieser Sehnsucht und einer sicher geglaubten Zukunft stehen die schicksalhaften Wendungen des Lebens entgegen.

Die Autorin erz├Ąhlt von einer Mutter, die kurz nach der Geburt ihre kleine Tochter verl├Ąsst, um ihrem Geliebten und dessen Tochter nach Amerika nach zu folgen. Als die eine Tochter viele Jahre sp├Ąter zum ersten Mal ihrer Halbschwester in Jerusalem begegnet, erf├Ąhrt sie, dass Amerika ein einziger Alptraum f├╝r ihre Mutter gewesen ist, und nicht das erwartete, gelobte Land.
Im Kibbuz, dem unverbr├╝chlichen Symbol f├╝r Freiheit und Gleichheit und dem Ort seiner Kindheit, macht ein junger Mann eine schreckliche Entdeckung: Seine behinderten Eltern, die bei einem Unfall ums Leben kamen, waren dort als "Clowns" angestellt, ohne zu wissen, dass sie das Risiko von Zirkusakrobaten trugen. W├Ąhrend aus M├╝nchen ein israelischer Journalist ├╝ber einen sp├Ąten Nazi-Prozess berichtet, wird er Zeuge anti-muslimischer Ausschreitungen. Dabei wird das muslimische M├Ądchen, das er begehrt, get├Âtet. Und die in Hiroshima lebende, erfolgreiche Architektin soll erfahren, dass sich ihre in Israel zur├╝ckgebliebene Jugendliebe als homosexuell entpuppt.

Liebrechts so unterschiedlich erscheinende Erz├Ąhlungen haben eines gemeinsam: In jeder dieser Erz├Ąhlungen ist eine Figur fern von zu Hause. Daher ist das, was sie alle miteinander verbindet, die Spannung zwischen den Menschen und den Orten, die Heimatlosigkeit der ProtagonistInnen, die vergebens auf der Suche nach h├Ąuslicher Sicherheit und Verwurzelung sind. Sie alle bewegen sich an einem Ort der Sehnsucht. Und sie alle erleben die Welt, sogar vertrautes Terrain, als feindselig.

Am Ende des Buches begibt sich die Autorin an einen "Nicht-Ort", an einen guten Platz f├╝r eine Nacht. Die letzte, titelgebende Erz├Ąhlung kippt ins Surreale um, denn "Liebrechts Perspektive [wird] zur Pfeilspitze, die mitten ins Zentrum aller falschen Gewissheiten trifft" (der Verlag): In einer Herberge, versuchen einige wenige Menschen, nach einer Katastrophe zu ├╝berleben und betrachten hoffnungsvoll einen Sonnenaufgang. Es handelt sich hier um einen Ort, an dem alles Vertraute zerst├Ârt ist. Ein Ort, an dem sich Begegnungen ereignen, in denen "Menschliches, Historisches, Geschlechtliches, Schicksalhaftes sich wie in einem Brennglas b├╝ndelt" (der Verlag).

AVIVA-Tipp: Savyon Liebrecht versteht die Kunst, in ihren Geschichten das tiefste Innere des Menschen, dessen Seele, ans Tageslicht zu bringen. Sie sp├╝rt Familiengeheimnisse und verborgene sowie schmerzliche Wahrheiten individueller Lebensl├Ąufe auf, die sie uns in einer pr├Ązisen wie temporeichen Sprache erz├Ąhlt.

Zur Autorin: Savyon Liebrecht wurde 1948 als Tochter polnisch-j├╝discher Holocaust├╝berlebender in M├╝nchen geboren. Sie ist in Israel aufgewachsen und studierte Philosophie und Literaturwissenschaft in Tel Aviv. Heute lebt sie dort als Schriftstellerin. Ihre Erz├Ąhlungen, Theaterst├╝cke und ein Roman wurden mit den wichtigsten Literaturpreisen in Israel ausgezeichnet und sind Bestseller geworden. Sie gilt als eine der bedeutendsten Erz├Ąhlerinnen des Landes. Ebenfalls auf Deutsch erschienen sind "├äpfel aus der W├╝ste" (1992), "Ein Mann und eine Frau und ein Mann" (2000) und "Die fremden Frauen" (2002).


Savyon Liebrecht
Ein guter Platz f├╝r die Nacht

Sieben Erz├Ąhlungen
Aus dem Hebr├Ąischen von Vera Loos und Naomi Nir-Bleimling
Dtv, M├Ąrz 2005
300 Seiten, Klappenbroschur
ISBN 3-423-24424-0
16,-Euro
Deutsche Erstausgabe200475167175"


Literatur Beitrag vom 23.04.2005 Sarah Ross 





  © AVIVA-Berlin 2018 
zum Seitenanfang suche sitemap impressum datenschutz home Seite weiterempfehlenSeite drucken