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AVIVA-BERLIN.de im Juni 2018 - Beitrag vom 20.04.2006

Ich ergebe mich - Ein erotisches Gest├Ąndnis
Danielle Daum

Wenige Frauen tun es, und noch weniger reden offen dar├╝ber. Die New Yorkerin Toni Bentley setzt sich mit dem vielleicht letzten gro├čen Tabu im Bereich der Sexualit├Ąt literarisch auseinander.



Ab und an gibt es diese B├╝cher, die entweder "schmutzig" aber trotzdem so unerwartet literarisch oder eben literarisch wertvoll, aber so "au├čerordentlich schmutzig" sind, da├č es einfach zum MUSS wird, sie gelesen zu haben. Bis sie dann schlie├člich von genau den Leuten kontrovers diskutiert werden, die sich sonst in der Videothek nicht mal in die N├Ąhe des Pornoregals trauen w├╝rden.

"Das Sexuelle Leben der Catherine M." war so ein Buch. Die sexuelle Autobiographie der renomierten franz├Âsischen Kunstkritikerin Catherine Millet war 2002 monatelang auf den Bestsellerlisten. Nach dem erotischen Tagebuch "Mit geschlossenen Augen" von Melissa Panarello, in dem die junge Sizilianerin von ihren ersten extremen und dem├╝tigenden sexuellen Erfahrungen erz├Ąhlt ist "Ich ergebe mich" von Toni Bentley nun also der amerikanische Beitrag zur erotischen Literatur der Gegenwart.
Doch w├Ąhrend Madame Millet den sexuellen Akt in ihrem Buch entmystifiziert und stets versucht, Sex frei von Emotionen und als einen rein physischen, von Hormonen gesteuerten, Prozess zu beschreiben f├╝hlt sich Miss Bentley wohl eher der Tradition Henry Millers und Ana├»s Nins verbunden, die die sexuelle Vereinigung als eine spirituelle Form der Selbsterkenntnis betrachtet.
Doch genau wie auch Catherine Millet entspricht Toni Bentley nicht ganz dem Bild, wie man sich die Autorin eines solchen Buches vorstellt. Sie tanzte 10 Jahre im New York City Ballet unter George Balanchine und ver├Âffentlichte bereits 1982, im Alter von 21 Jahren, ihr erstes Buch "Winter Season: A Dancer┬┤s Journal". Sie ist Mitverfasserin der Biographie ihres Idols Suzanne Farrell und machte zuletzt mit ihrer Studie ├╝ber Striptease "Sisters of Salome" von sich reden, f├╝r die sie selbst als Stripperin im Blue Angel in TreBeCa recherchierte und beachtliche Trinkgelder kassierte. In ihrem neuen Buch richtet Toni Bentley ihre schriftstellerische Aufmerksamkeit nun auf ein ganz anderes Thema, welches ebenso wie das Ballett K├Ârper, Geist und Seele aufs h├Âchste beansprucht: Anal Sex.
Der Grund f├╝r den vielen Wirbel um dieses Buch liegt zun├Ąchst einmal ganz einfach an seiner Thematik selbst. Diese sexuelle Praktik ist zwar l├Ąngst kein Tabu mehr, aber reden tut man trotzdem nicht dar├╝ber und sogar Ms. Bentley gesteht, anfangs daran gedacht zu habe, den Titel unter einem Pseudonym zu ver├Âffentlichen. Wenige Frauen tun es, und noch weniger geben es offen zu. Doch in ihrem schohnungslosen und intimen Gest├Ąndnis bekennt sich Toni Bentley zu diesem sexuellen Akt und zelebriert den Spa├č jenseits der Konventionen. Nach einer gescheiterten Ehe und mehreren sexuellen Eskapaden trifft sie schlie├člich auf einen Liebhaber, der sie mit neuen Formen der Lust bekannt macht, bis hin zum "heiligen Akt", der f├╝r sie zu einer ganz besonderen Form des sexuellen Erwachens wird:

"Ich liebte einmal einen Mann so sehr, da├č ich nicht mehr existierte - Er war alles, Ich war nichts. Jetzt liebe ich mich selbst gerade so sehr, da├č kein Mann existiert - Ich bin alles, sie sind nichts. Fr├╝her waren sie alle Gott und ich war eine Ausgeburt meiner Phantasie. Dasselbe Spiel, andere Positionen. Ich kenne keine andere Art zu spielen. Jemand mu├č oben sein, jemand unter. Nebeneinander ist langweilig. Ich habe es mal ein paar v├Âllig verwirrende Minuten lang probiert. Gleichheit negiert den Fortschritt und verhindert Taten. Aber ein Oben und ein Unten, die schaffen es bis zum Mond und zur├╝ck, bevor Gleiche aushandeln k├Ânnen, wer bezahlt, wer flachgelegt wird und wer die Schuld bekommt.

Meine Umstellung verlief jedoch nicht von unten nach oben, sondern von unten nach unten: Sie f├╝hrte von meiner elenden emotionalen Unterwerfung zu meiner gepriesenen sexuellen Unterwerfung. Diese Geschichte erz├Ąhlt von meiner Wandlung - und von ihrem Preis. Sehr teuer. Unbezahlbar."


AVIVA-Tipp: "Ich ergebe mich" ist die freiz├╝gige, aber immer intelligente und eloquente Erforschung der Obsession einer Frau, die bei vielen Leserinnen zur Hinterfragung der eigenen Bed├╝rfnisse f├╝hren wird.

Zur Autorin:
Toni Bentley war 10 Jahre lang T├Ąnzerin bei George Balanchines New York City Ballet. Sie ist Autorin mehrerer B├╝cher, die allesamt zu New York TimesNotable Books gek├╝rt wurden. Dar├╝ber hinaus schreibt sie f├╝r Publikationen wie die New York Times, Los Angeles Times, Allure oder den Rolling Stone.


Toni Bentley
Ich ergebe mich

Originaltitel: The Surrender
Wilhelm Heyne Verlag, M├╝nchen, erschienen M├Ąrz 2006
ISBN 3-453-67500-2
240 Seiten
8,95 Euro http://www./?r=aviva-berlin90008115&artiId=3588611"

Literatur Beitrag vom 20.04.2006 AVIVA-Redaktion 





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