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AVIVA-BERLIN.de im Juni 2018 - Beitrag vom 04.07.2006

Der Geist der Madame Chen
Sarah Ross

Die Erfolgsautorin Amy Tan erz√§hlt in ihrem neuen Buch die am√ľsante Geschichte einer h√∂chst ungew√∂hnlichen Frau, w√§hrend sie uns mitnimmt auf eine spannende Reise ins Herz von Burma.



Mit ihrem Roman "T√∂chter des Himmels" hat die amerikanisch-chinesische Schriftstellerin, Amy Tan, weltweit gro√üe Erfolge gefeiert. Nun ist auch ihr j√ľngster Roman "Der Geist der Madame Chen" im Goldmann Verlag auf Deutsch erschienen. W√§hrend die Autorin in ihren bisher oft autobiographisch gepr√§gten Romanen ihre LeserInnen mit Frauenschicksalen und Mutter-Tochter-Beziehungen √ľberzeugte, so vollzieht die 54-j√§hrige in ihrem neuen Buch einen √ľberaus gelungenen Themenwechsel: Hier erz√§hlt sie uns die Geschichte der exzentrischen Chinesin Bibi Chen, die nach ihrem mysteri√∂sen Tod ihre FreundInnen als Geist auf einer Reise durch Myanmar in Burma begleitet. Doch "Der Geist der Madame Chen" ist nicht nur ein h√∂chst am√ľsantes Erz√§hlwerk, sondern auch ein provokanter Roman, in dem die Autorin die schlimmen Verh√§ltnisse in Burma und vor allem den dortigen Genozid von Seiten des Milit√§rs anprangert.

Die Schriftstellerin er√∂ffnet ihr Buch mit einem ungew√∂hnlichen und irgendwie auch faszinierenden Prolog. Diese einleitenden Worte sollen ihrem fiktiven Roman eine sachliche Grundlage verschaffen und zugleich erkl√§ren, wie die Autorin zur Idee ihres neuen Werkes gelangte. Von einem Gewitter auf der Upper West Side in Manhattan √ľberrascht, suchte Amy Tan Unterschlupf in einem Hauseingang, der zuf√§llig zum Sitz der Amerikanischen Gesellschaft f√ľr Parapsychologie geh√∂rt. Da die Autorin eine gewisse Affinit√§t f√ľr √úbersinnliches empfindet, betrat sie kurzerhand das Haus und verbrachte den restlichen Tag im Archiv. Dabei stie√ü sie auf Eintr√§ge wie "Automatisches Schreiben" und "Botschaften aus der unsichtbaren Welt". Schlie√ülich blieb sie auch an Aufzeichnungen einer Frau h√§ngen, die die Botschaften eines Geistes namens Bibi Chen aufgeschrieben hatte.

"Bei dem Namen merkte ich auf", sagt die Autorin, und beginnt anschlie√üend eine Frau in San Francisco zu beschreiben, die genauso hie√ü. Bibi war eine stadtbekannte, exzentrische Kunsth√§ndlerin f√ľr asiatische Antiquit√§ten. Neben ihrem gut gehenden Gesch√§ft besa√ü sie zudem eine glamour√∂se Erscheinung und ein mitrei√üendes Temperament, das sie sehr beliebt machte. Umso gr√∂√üer war die Best√ľrzung, als Bibi Chen eines Tages unter ungekl√§rten Umst√§nden ums Leben kommt. Besonders ihre zw√∂lf FreundInnen, mit denen sie eine gro√üe Reise nach Burma unternehmen wollte, finden keine Erkl√§rung f√ľr den Mord an Bibi Chen. Als Amy Tan nach San Francisco zur√ľckkommt, nimmt sie Kontakt zu dem Medium auf. So kam es, dass die lebenslustige Madame Chen, die sich so schnell nicht zur letzten Ruhe betten l√§sst, aus der Geisterwelt der Autorin √ľber sich und ihre Beziehung zu den zw√∂lf in Burma vermissten Touristen zu erz√§hlen beginnt.
Somit wird Bibi zur Protagonistin und allwissenden Erzählerin von Amy Tans neuem Roman.

Obwohl Bibi, die die Kulturreise nach Burma bis in Detail geplant hatte und f√ľhren sollte, nun tot war, lie√üen ihre wohlhabenden und teils snobistischen FreundInnen sich dennoch nicht von dem Trip abbringen. Gemeinsam sprachen sie die Worte: "M√∂ge Bibi im Geiste mit uns sein", womit sie gleichzeitig den ebenso regen wie rebellischen Geist Bibis herausforderten, sie zu begleiten: "So kam das. Sie wollten dass ich sie begleitete. Wie h√§tte ich da ablehnen sollen?"

Doch schon bald wird Bibi ungewollt Zeugin √§u√üerst turbulenter Ereignisse, denn die geplante Bildungsreise in eine fremde Kultur entwickelt sich zu einer abenteuerlichen Odyssee. Weniger ihre Ignoranz, sondern mehr ihre Arroganz l√§sst die amerikanischen TouristInnen in gro√üe Schwierigkeiten geraten: W√§hrend der selbstverliebte Hundeshow-Moderator Harry in einem Heiligtum eine Rinne mit Regenwasser, das die als Opfergaben dargebrachten R√§ucherst√§bchen wegsp√ľlt, mit einem √∂ffentlichen Pissoire verwechselte, fanden "Parkaufseher [...] Wendy und Wyatt halb entkleidet in einer Grotte. Rupert musste von einem zerbr√∂ckelnden Felsvorsprung gerettet werden, wobei empfindliche Pflanzen und die F√ľ√üe einer Gottesstatue besch√§digt wurden. Um nicht nass zu werden, hatte Dwight die T√ľr eines, wie er glaubte, verlassenen Schuppens eingetreten und er, Roxanne und Heidi hatten sich im Innern zusammengedr√§ngt."

Doch eines Morgens verschwindet die Gruppe spurlos im burmesischen Dschungel - bis auf den verkaterten Moderator der Reisenden. Nur die allgegenw√§rtige Madame Chen sieht, wie sie von Einheimischen gekidnappt und tief in den Burmesischen Dschungel gebracht werden, wo sich der Stamm der Karen versteckt h√§lt. W√§hrend die Entf√ľhrer, die den Teenager Rupert f√ľr die Reinkarnation einer ihrer G√∂tter halten, und sich von ihm die Befreiung der brutalen burmesischen Milit√§rdiktatur erhoffen, zeigen sich die TouristInnen entz√ľckt: "Sie hatten eine gr√ľn√§drige neue Welt betreten, eine pulsierende, einfarbige Wildnis, die bebte und atmete. Meine Freunde schnappten staunend nach Luft. `Unglaublich`, `Himmlisch`, `Surreal`. Sie waren einm√ľtig der Meinung, dass Walter - und ich, posthum - ihnen mit diesem eindrucksvollen Paradies ein gro√üartiges Weihnachtsgeschenk gemacht hatte."

AVIVA-Tipp: Mit viel Witz und Humor erz√§hlt Amy Tan die Geschichte vom Geist der Madame Chen, die ihre FreundInnen auf eine unvergessliche Reise nach Burma begleitet. W√§hrend sie sehr zur√ľckhaltend aber dennoch deutlich auf die Kultur, Politik, Geschichte und vor allem die gegenw√§rtigen Verh√§ltnisse in Burma unter der Milit√§rdiktatur hinweist, verquickt sie gekonnt die Extreme ihrer Geschichte: N√§mlich √ľberaus humorvolle Geschichten mit ernsten Szenen. Amy Tan, die von sich selbst behauptet: "Ich schreibe, um mich selbst zu provozieren", legt hiermit eine Satire √ľber den Zusammenprall der amerikanischen und burmesischen Kultur vor, und geht darin der √ľbergeordneten Frage nach, "wie wir anderen Gutes tun k√∂nnen, wenn wir nicht wissen, wozu dieses `Gute` f√ľhrt".

Zur Autorin:
Amy Tan
wurde 1952 als Tochter chinesischer Auswanderer in Oakland, Kalifornien, geboren. Ihr Vater und ihr Bruder starben, als sie 15 Jahre alt war. Ihre Mutter, Tochter einer wohlhabenden Familie in Shanghai, hatte drei T√∂chter aus erster Ehe in China zur√ľcklassen m√ľssen, als sie nach Amerika ging. Amy Tan geh√∂rt zu den erfolgreichsten amerikanischen Schriftstellerinnen. Ihre B√ľcher T√∂chter des Himmels und Die Frau des Feuergottes wurden in 25 Sprachen √ľbersetzt. Der Film zu T√∂chter des Himmels, entstand unter der Regie von Wayne Wang, und erreichte weltweit ein Millionenpublikum. Amy Tan lebt heute mit ihrem Mann in San Francisco und New York.


Amy Tan
Der Geist der Madame Chen

Originaltitel: Saving Fish From Drowning.
√úbersetzt von Elke Link.
Goldmann Verlag, erschienen Juni 2006
ISBN: 344230704X
539 Seiten, gebunden
21,95 Euro90008115&artiId=5345985" target="_blank">bezstellen bei


Literatur Beitrag vom 04.07.2006 Sarah Ross 





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