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AVIVA-BERLIN.de im Juni 2018 - Beitrag vom 09.07.2006

Zoya Pirzad - Die Lichter lösche ich
Tatjana Zilg

Eine Mutter von drei Kindern lebt im Iran der 60er Jahre. Mit ihrem Mann, einem Erdölingenieur, verbindet sie nur noch wenig. Neue Nachbarn verÀndern ihren eintönigen Alltag. Gesellschaftskomödie



Seit 17 Jahren wohnt Clarisse mit ihrer Familie in einem großen Haus am Stadtrand von Abadan in der NĂ€he des Persischen Golfs. Stickig und schwĂŒl ist es dort, ein Umzug in eine von der Firma subventionierte Wohngegend könnte Erleichterung bringen, doch Artosch, ihr Ehemann, lehnt dies ab. Er steht politisch sehr links und will seine Privilegien nicht ausnutzen.

Im Alltag ist er kaum ein aufmerksamer GesprĂ€chspartner fĂŒr Clarisse.
Auch bei der Erziehung der drei lebhaften Kinder, ein Junge im Teenageralter und zwei ZwillingsmĂ€dchen, unterstĂŒtzt er sie wenig.

Oft zu Gast im Haus sind Clarisses Ă€ltliche Mutter und ihre ĂŒbergewichtige Schwester Alice, die als Krankenschwester arbeitet, ledig ist und diesen Zustand schnell abĂ€ndern will. Sie hat begonnen, mit Joop auszugehen. Dem steht Clarisse sehr skeptisch gegenĂŒber. Sie ist sich sicher, dass der Mann Alice nur ausnutzen will. Es ist wenig NĂ€he zwischen den beiden Schwestern. Obwohl sie sich oft sehen, auch auf DrĂ€ngen der Mutter, sind sie sehr voneinander genervt und ihre GesprĂ€che schlagen oft in Streit um.

Mehr Freude hat Clarisse an ihren ZwillingsmĂ€dchen. Sie sind sehr verspielt und sehr witzig in ihrer Wortwahl. Mit ihrem Bruder zanken sie sich zwar des Öfteren, halten dann aber wieder schnell zusammen. Sie sind es auch, die zuerst eine Verbindung zu der neuen Nachbarschaft herstellen, als sie Emily, ein adrettes MĂ€dchen in ihrem Alter, ihrer Mutter vorstellen.

Wenig spĂ€ter steht Emily`s Großmutter vor der TĂŒr: Eine harsche, kleinwĂŒchsige Frau, die in allen eine Bedrohung fĂŒr ihre Enkelin sieht und gegen deren Verbote sich das MĂ€dchen stĂ€ndig durchsetzen muss.
Anders der Vater von Emily: Zu dem verwitweten Emil Simonian fĂŒhlt sich Clarisse innerlich sofort hingezogen. Eigentlich sind es nur kleine, zarte Begegnungen, die in ihr intensive TagtrĂ€ume auslösen. Sie erlebt ihn sehr gegensĂ€tzlich zu ihrem spröden Ehemann: Emil liebt Poesie, sagt ihr, wie sehr er sie als GesprĂ€chspartnerin schĂ€tzt und kocht gemeinsam mit ihr. Aber bevor sie sich irgendwelche Hoffnungen machen kann, hat Emil sich in eine JĂŒngere verliebt und Clarisse zur "guten Kameradin" erklĂ€rt. Nicht zum ersten Mal zieht Emils Mutter die Notbremse.

AVIVA-Tipp: Ein Roman, der einen farbigen Einblick in die alltĂ€gliche Kultur aus dem Iran der 60er Jahre gibt. Etwas mehr Konzentration auf die Beziehung zwischen Emil und Clarisse hĂ€tte der Storyline jedoch höhere Spannung verliehen. Die vielen kleinen Geschichten ĂŒber die Kinder lassen den Fokus auf den Grundkonflikt verlieren, ohne genug eigene Besonderheiten zu bieten, um die Aufmerksamkeit der LeserInnen dauerhaft zu fesseln.

Zur Autorin:
Zoya Pirzad
, geboren 1952, hat einen iranischen Vater und eine armenische Mutter. Sie lebt in Teheran als Autorin und Übersetzerin. Seit 1991 hat sie mehrere BĂ€nde mit ErzĂ€hlungen sowie Romane veröffentlicht.


Zoya Pirzad
Die Lichter lösche ich

Originaltitel: Tchera`gh - a`h rĂ  man cha`musch mikonam.
Aus dem Persischen von Susanne Baghestani
302 Seiten, Gebunden
Verlag: Insel Verlag, erschienen: 20.02.2006
ISBN: 3458172939
EAN: 9783458172932
Libri: 8595534
22,90 Euro90008115&artiId=5195701"


Literatur Beitrag vom 09.07.2006 AVIVA-Redaktion 





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