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AVIVA-BERLIN.de im Juni 2018 - Beitrag vom 22.03.2007

Strajik-Die Heldin von Danzig
Clarissa Lempp

Der Film erz├Ąhlt von der Werftarbeiterin Agnieszka, die im Polen der sp├Ąten 70er Jahre von der Heldin der Arbeit zur Volksheldin wurde.



Die einfache Arbeiterin Agnieszka, die kaum Schulbildung besitzt und fast Analphabetin ist, arbeitet in der Danziger Werft und schafft es dort von der Schwei├čerin zur Kranf├╝hrerin. F├╝r ihre Verdienste erh├Ąlt sie den Titel "Heldin der Arbeit" und ein Fernsehger├Ąt von der Partei, obwohl sie selbst keine "Genossin" ist. Die Bedingungen in der Werft sind jedoch katastrophal. Es gibt keine Kontrolle des Arbeitsschutzes und die Belange der ArbeiterInnen bleiben unbeachtet. Nachdem Agnieszka Zeugin eines verheerenden Brands auf der Werft wurde, der 21 Menschen das Leben kostete und deren Familien keine Entsch├Ądigung erhalten sollen, verliert Agnieszka jegliches Vertrauen in ihre Arbeitgeber. Ihr unersch├╝tterlicher Glaube an die Gerechtigkeit treibt sie dazu an, gegen die Gleichg├╝ltigkeit und menschenverachtende Arbeitspolitik in der Werft zu k├Ąmpfen. Das Herz auf der Zunge und den Elektriker Lech an ihrer Seite fordert sie die Autorit├Ąt der Werksleitung heraus. Als diese Agnieszka daraufhin entl├Ąsst, tritt die gesamte Arbeiterschaft aus Solidarit├Ąt in den Streik. Immer mehr ArbeiterInnen aus ganz Polen schlie├čen sich dem gro├čen Streik und den Forderungen nach mehr Rechten, der Zulassung einer freien Gewerkschaft und einer angemessene Entlohnung an. Der "Solidarnosc" -Gedanke ergreift Polen und wird schlie├člich zu einer politischen Massenbewegung.

Zum Film: Der Film beruht auf der Geschichte der polnischen Werftarbeiterin Anna Walentynowicz, die eigentliche Begr├╝nderin der polnischen "Solidarnosc"-Gewerkschaft. Sie begegnete der Drehbuchautorin Sylke Rene Meyer als "Fu├čnote" in einem Bericht ├╝ber die gro├če polnische Demokratie-Bewegung der 70er und 80er Jahre. Nach einem Treffen mit Anna Walentynowicz, die die politische Vertretung der Gewerkschaft ihrem Mitstreiter Lech Walesa ├╝berlie├č, entstand das Drehbuch zu ihrer Lebensgeschichte, das schlie├člich 2000 den International Emmy Award f├╝r das beste Drehbuch erhielt. Strajik wurde mit dem Bayerischen Filmpreis 2006 f├╝r die beste Hauptdarstellerin (Katharina Thalbach) und Kamera (Andreas H├Âfer) ausgezeichnet und erhielt beim Saturno International Film Festival 2006 den Goldenen Saturn f├╝r den Besten Film.

Historischer Hintergrund: 17.000 Besch├Ąftigte der Danziger Lenin-Werft legten am 14. August 1980 die Arbeit nieder und stellten wirtschaftliche, soziale und politische Forderungen: Das Streikrecht, das Recht zur Gr├╝ndung einer unabh├Ąngigen Gewerkschaft und das Recht auf Meinungsfreiheit. Das ├╝berbetriebliche, vereinigte Streikkomitee mit Lech Walesa an der Spitze erwirkte schlie├člich Zugest├Ąndnisse vom stellvertretenden polnischen Ministerpr├Ąsidenten Mieczyslaw Jagielski und so wurde die Gewerkschaft "Solidarnosc" gegr├╝ndet. Als sich 1981 eine neue Regierung um Ministerpr├Ąsident General Wojciech W. Jaruzelski bildete, verh├Ąngte dieser das Kriegsrecht und beendete damit den Demokratisierungsprozess. Jegliche Aktivit├Ąten der "Solidarnosc" wurden verboten. Unterst├╝tzt durch das nicht-kommunistische Ausland und die katholische Kirche k├Ąmpften die politisch verfolgten "Solidarnosc"-GewerkschafterInnen weiter. 1983 wurde Lech Walesa schlie├člich mit dem Friedensnobelpreis ausgezeichnet, aber erst 1989, mit dem Beginn der Aufl├Âsung der Sowjetunion, konnte die "Solidarnosc"-Bewegung wieder aus dem Untergrund hervortreten.

Das Buch zum Film: Im Februar 2007 ist das Filmbuch zu Strajik erschienen. Neben Ausz├╝gen aus dem Originaldrehbuch und Setfotos, sowie Interviews mit den FilmemacherInnen und SchauspielerInnen, enth├Ąlt der aufwendig gestaltete Band Texte ├╝ber die historischen Hintergr├╝nde der "Solidarnosc" und Zeitdokumente wie z.b. das Streik-Tagebuch und Originalfotos. Zu den Autoren geh├Âren u.a. Bremens fr├╝herer B├╝rgermeister Hans Koschnick. Er schildert eindr├╝cklich, wie die erste offizielle St├Ądtepartnerschaft zwischen der westdeutschen Stadt Bremen und dem polnischen Danzig 1976 zustande kam und welche Folgen die Verh├Ąngung des Kriegsrechts 1981 hatte. In diesem Ausnahmezustand haben viele Hilfeleistungen aus Westdeutschland die Polen erreicht, auch das wird hier in einem Beitrag eindrucksvoll in Erinnerung gerufen. Ausf├╝hrlich gehen die Texte von Winfried Lipscher (Deutsches Polen-Institut Darmstadt) und Karl-Joseph Hummel (Direktor der Kommission f├╝r Zeitgeschichte Bonn) auf das Verh├Ąltnis zwischen Solidarnosc und katholische Kirche ein.

AVIVA-Tipp: Strajik ist ein starker Film ├╝ber ein bedeutendes europ├Ąisches Thema: die Demokratisierung Osteuropas. Volker Schl├Ândorff scheint hier der Richtige zu sein um Geschichte zu inszenieren. Die historischen Zusammenh├Ąnge werden klar benannt und die Hauptfigur Agnieszka wird durch ihre von Anfang an Pers├Ânlichkeit zum Sympathietr├Ąger. Dies mag auch an der eindringlichen Art Katharina Thalbachs liegen. Zwar verschwimmen die anderen Figuren daneben, aber die Botschaft des Films wird dadurch umso klarer: Manchmal reicht ein einziger Mensch mit mutigem Herzen um gro├če Prozesse einzuleiten.


Strajk - Die Heldin von Danzig
Regie: Volker Schl├Ândorff
Mit: Katharina Thalbach (Agnieszka), Andrzej Chyra (Lech, der Elektriker), Ewa Telega (Mirka), Dominique Horwitz (Kazimierz), Krzysztof Kiersznowski (Mateusz)
Kamera: Andreas H├Âfer
Musik: Jean Michel Jarre
90 min., FSK: ab 12 Jahren
Deutschland 2006, Provobis-Film J├╝rgen Haase
Start: 8.M├Ąrz
www.strajk-derfilm.de

Strajik-Die Heldin von Danzig
Das Buch zum Film

Herausgegeben von Professor J├╝rgen Haase
168 Seiten, Paperback
Parthas-Verlag Berlin, erschienen M├Ąrz 2007
ISBN: 3866013019
EAN: 9783866013018
19,80 Euro90008115&artiId=6366792"

Literatur Beitrag vom 22.03.2007 Clarissa Lempp 





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