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AVIVA-BERLIN.de im Juli 2019 - Beitrag vom 26.12.2018


Die Bildbände: Vivian Maier. Die Farbphotographien und Das Meisterwerk der unbekannten Photographin. Ausstellung: Vivian Maier – In her own hands bis 06. Januar 2019 im Willy-Brandt-Haus
Sharon Adler

Seitdem der Historiker und Sammler John Maloof 2009 bei einer Auktion in Chicago eine Kiste voller Negative ersteigerte, diese entwickelte, digitalisierte und die Prints auf seinem Blog der Öffentlichkeit zugänglich machte, ist ein wahrer Begeisterungssturm um die Aufnahmen und die unbekannte Fotografin dahinter losgebrochen. Wer war diese Frau, die …



…unermüdlich und überall fotografierte? Und warum wusste niemand davon, warum wurde ihr Oeuvre erst nach ihrem Tod entdeckt?

Fragen, die seit der Entdeckung der 2009 in den USA im Alter von 83 Jahren gestorbenen heimlichen Fotografin (geboren 1926 in New York, Kindheit in Frankreich) wohl schon hundertfach gestellt wurden.

Antworten geben heute vor allem ihre Aufnahmen von Straßenszenen oder Portraits, für die jede Superlative von brillant bis großartig noch zu gering wären. Maloof sei Dank, dass er sich auf die Suche nach Antworten machte – auch wenn diese im Ergebnis widersprüchlich waren. Dennoch: Allein er war es, der es sich zur Aufgabe machte, mehr über diese Person zu erfahren, über die es in den digitalen Suchmaschinen rein gar keine Treffer gab. Niemand kannte sie.

Maloof, wie elektrisiert von der brutalen Intensivität und kompositorischen Schönheit der Fotos, die er nach und nach von Hand entwickelte, auf Fotopapier vergrößerte und digitalisierte, kaufte den gesamten Nachlass auf. Neben Unmengen von Material – 100.000 Negative und 1500 nicht entwickelte Filme – fand er Quittungen, Bustickets, Notizzettel, Zeitungsausschnitte. Vivian Maier hatte buchstäblich alles aufbewahrt, jedoch weder ein Tagebuch, noch ein Testament hinterlassen.

Eine Telefonnummer schließlich brachte ihn auf eine Spur: Er fand heraus, dass Maier zeitlebens als Nanny gearbeitet hatte, setzte sich mit den von ihr ehemals betreuten Kindern in Verbindung. Deren Stimmen finden sich in dem Dokumentarfilm "Finding Vivian Maier", den John Maloof mit Charlie Siskel produziert hat, der unter anderem "Bowling for Columbine" mit Michael Moore gedreht hatte. Nach seiner Weltpremiere auf dem Toronto Film Festival 2013 wurde die filmische Spurensuche zum Publikumsmagneten auf den Filmfestivals weltweit und mehrfach ausgezeichnet. Spätestens die von Maloof organisierte erste Ausstellung in Chicago katapultierte die heimliche Fotografin Vivian Maier und ihre Fotografien schlagartig ins öffentliche Interesse.

Der Rest ist Geschichte. Vivian Maiers Aufnahmen wurden inzwischen weltweit ausgestellt und in der Kunstszene ebenso wie beim Publikum gefeiert.

Doch noch immer sind nicht alle Fragen beantwortet. Die Suche ist noch nicht abgeschlossen. Wer ist die Frau hinter diesen besonderen Fotos? Warum hat sie ihre Fotos nie ausgestellt oder nicht wenigstens jemandem gezeigt? Warum hat sie zeitlebens als Kindermädchen und als verborgene Fotografin und nicht etwa für den The New Yorker gearbeitet?

Die Geschichte um Vivian Maier liest sich wie ein fragmentarischer Roman und will entschlüsselt werden wie eine Detektivgeschichte.

Ihre Aufnahmen selbst schließlich sind es, die diese Geschichte erzählen. Sie geben preis, was die Künstlerin selbst gesehen hat. Einsamkeit, Verzweiflung sprechen aus ihnen, aber auch Stolz und Stärke, Unabhängigkeit.

Sie fand ihre Motive überall. Ob als ständige Beobachterin und Dokumentaristin in den Straßen New Yorks oder Chicagos der 1950er bis 1980er Jahre, oder in den Slums und Schlachthöfen, verlassenen und unwirtlichen Orten, in der Umgebung. Sie sah und machte Portraits von Menschen, und fertigte surreale, skurrile und Stillleben aus Schaufenstern, Ladenfronten und Straßenschildern an. Zeigte Elend, Armut, Reichtum. Ungeschönt. Immer und immer wieder hat sie im richtigen Moment auf den Auslöser gedrückt, größtenteils unbemerkt von den Menschen, die sie fotografierte. Eingefangen hat sie dabei inwiederbringliche Szenen von dem hässlichen Gesicht der Menschheit ebenso wie Momente von Zuneigung und Verbundenheit, dargestellt in Close-Ups von ineinander verschlungenen Händen.

Besonders ihre Selbstportraits sind es, die einen möglichen Aufschluss geben über die Person hinter der Kamera. Maier nämlich sah und benutzte alles – sämtliche reflektierende Materialien, über Spiegel in Schaufenstern oder andere zufällig gefundene Objekte allerortens – und immer zeigt sich das Bild einer ernsten, konzentrierten, über die Kamera gebeugten Frau, die mit ihrer zweiäugigen Rolleiflex eine sichere Einheit bildet. Nur einmal lächelt sie: Auf einem Foto, in dem sie in dem Moment auf den Auslöser drückt, als ein Arbeiter einen Spiegel transportiert in dem sie selbst als Fotografin zu sehen ist. Sie war wohl selbst überrascht davon sich plötzlich darin zu entdecken und glücklich über diesen zufällig gelungenen Treffer.

Es sind Fotos wie diese, die die BetrachterInnen atemlos zurücklassen. Denn es sind Fotos, die Geschichten erzählen, deren Ende offen ist. Fotos, die Fragen nach dem "Wo", Warum, Wer" stellen.
Auch wenn die Fragen von ihr selbst nicht mehr beantwortet werden können, so liefern die Fotos selbst Antworten und Aufschlüsse. Lassen unendlich viel Raum für Interpretation und auch Spekulation, nicht zuletzt inspirieren sie dazu, die Welt der Fotografie (wieder) mit neuen Augen zu sehen. Kommerzialisierung in Frage zu stellen. Fotografie als Medium neu zu definieren.

Die Strahlkraft der reduziert-fokussierten und schonungslos-unzensierten Aufnahmen dieser unerschrockenen Fotografin übt seit seiner Entdeckung und schrittweisen Öffentlichmachung einen unbeschreiblich starken Sog aus, dem sich wohl niemand entziehen kann. Abgebildet sind diese nun in den sorgfältig editierten Bildbänden, sukzessive erschienen 2018 im Verlag Schirmer/Mosel.

Vivian Maier. Das Meisterwerk der unbekannten Photographin

Die abenteuerliche Entdeckung des im Verborgenen entstandenen Werks von Vivian Maier (1926–2009), Kindermädchen in Chicago, war 2007 eine photohistorische Sensation. Die Monographie liefert einen Überblick über das Gesamtwerk dieser „Mary Poppins mit der Kamera“ und ist die erste fundierte Biographie einer ungewöhnlichen Frau.

Vivian Maier. Die Farbphotographien

Nach den beiden Bestsellern zu dem bei einer Reihe von Zwangsversteigerungen in Chicago aufgetauchten photographischen Werk der bis zu diesem Zeitpunkt völlig unbekannten Vivian Maier (1926–2009) legt der Verlag Schirmer/Mosel mit "Vivian Maier. Die Farbphotographien" einen dritten Sammelband mit ihren unveröffentlichten Farbaufnahmen vor. Das Buch enthält mehr als 150 Photographien und ist die direkte, farbige Fortsetzung der Sensation, die die Entdeckung von Vivian Maier in der Geschichte der Photographie ausgelöst hat. Denn auch im Bereich der Farbphotographie, die sich erst ab den 50er Jahren zu ästhetisch-technischer Reife entwickelt hat, erweist sie sich als eine frühe Meisterin. Die Themenkreise, die sie hier behandelt, sind die ihrer schwarzweißen Bilderwelt: Auch ihre Farbaufnahmen zeigen ihren außergewöhnlich sicheren Blick für Komposition und Farbgefühl und sind von einer photographischen Geistesgegenwart, die alle Unterschiede aufhebt, die bis dahin die Photogeschichte zwischen der Berufs- und der Amateurphotographie aufgerichtet hat.
Joel Meyerowitz, Amerikas berühmtester Farbphotograph, und der Photokritiker Colin Westerbeck haben zur Würdigung des Werks von Vivian Maier einführende Essays beigesteuert.

Anmerkung des Verlags:

"Vivian Maier hat ihre Photographien weder mit Titeln versehen, noch datiert. Präzise Zeitangaben zu den in den Bildbänden veröffentlichten Arbeiten gehen auf Vermerke zurück, mit denen die originalen Umschläge und Hüllen beschriftet sind, die Vivian Maier zur Aufbewahrung ihrer Negative benutzte. Ungefähre Datierungen ergaben sich aus dem Vergleich mit ähnlichen Aufnahmen. Die Ortsangaben basieren entweder auf eindeutig im Bild zu identifizierenden Örtlichkeiten oder wurden aus Vivian Maiers Werklauf und Reiseaktivitäten abgeleitet."

AVIVA-Tipp Vivian Maiers Werk berührt, begeistert und macht sprachlos und demütig. Es wirft neben den bereits bekannten Fragen nach dem "Wer", "Wann" oder "Warum?" auch die nach dem "Was wäre gewesen, wenn …?" auf. Vivian Maier war eine Meisterin der Komposition, eine stille und doch unbestechliche Beobachterin der Welt um sie herum, von der sie selbst unentdeckt bleiben wollte. Aber auch das ist nur eine Vermutung. Ein Trost: Entdeckt werden kann die tragischerweise zeitlebens unentdeckte Künstlerin heute in ihren großartigen Aufnahmen, die nun in diesen Bildbänden oder den Ausstellungen ihrer Arbeiten weltweit veröffentlicht werden. Chapeau, Vivian Maier!



Vivian Maier
Die Farbphotographien

Schirmer/Mosel, erschienen 2018
Mit Texten von Joel Meyerowitz und Colin Westerbeck
240 Seiten, 153 Farbtafeln. Großformat: 26 x 31,5 cm, gebunden. Deutsche Ausgabe
ISBN 9783829608626
58,00 Euro
Mehr zum Buch unter: showroom.schirmer-mosel.com



Vivian Maier
Das Meisterwerk der unbekannten Photographin

Schirmer/Mosel, erschienen 2018
Hrsg. von John Maloof und Howard Greenberg. Mit einem Text von Marvin Heiferman und einem Vorwort von Laura Lippman.
288 Seiten, 238 teils farbige Abb. Format: 26 x 32 cm, gebunden. Deutsche Ausgabe.
ISBN 9783829606868
58,00 Euro
Mehr zum Buch unter: showroom.schirmer-mosel.com



In einer mittlerweile 2. Auflage erschienen ist der Bildband "Vivian Maier. Street Photographer" [ISBN 9783829605632].
Mehr zum Buch unter: showroom.schirmer-mosel.com

Ausstellung in Berlin

Vivian Maier – In her own hands

Die faszinierende Geschichte um das fotografische Werk von Vivian Maier findet eine Fortsetzung. Seit der ersten Ausstellung 2015 im Willy-Brandt-Haus wurde ihr Œuvre weiter erforscht.
Alle gezeigten Abzüge stammen aus der Sammlung des US-amerikanischen Filmemachers, Fotografen und Buchautoren John Maloof, Chicago, der ihr Werk entdeckt und der Öffentlichkeit zugänglich gemacht hat.
Die Ausstellung wurde kuratiert von Anne Morin, Leiterin von diChroma Photography und Gisela Kayser, Geschäftsführerin Freundeskreis Willy-Brandt-Haus.
Veranstaltungsort: Willy-Brandt-Haus
Wilhelmstraße 140
10963 Berlin
Laufzeit: 26. September 2018 bis 06. Januar 2019
Öffnungszeiten: Dienstag bis Sonntag 12 bis 18 Uhr
Geschlossen an folgenden Tagen: 24. – 26.12.2018, 31.12.2018, 01.01.2019
Eintritt: frei (Ausweis erforderlich)
Weitere Informationen unter: www.fkwbh.de

Mehr Informationen zu Vivian Maier unter:

Offizielle Website: www.vivianmaier.com

Offizielle Filmwebsite zu "Finding Vivian Maier": www.findingvivianmaier.com

Trailer zu "Finding Vivian Maier": www.youtube.com

www.youtube.com

Ein bislang vorläufiges Portrait auf Jewish Women´s Archive jwa.org

The New York Times: lens.blogs.nytimes.com

Weiterlesen auf AVIVA-Berlin:

Finding Vivian Maier. Ein Film von Charlie Siskel und John Maloof – ab 9. Oktober 2014 auf DVD & VoD
Mit "Finding Vivian Maier" ist es den Regisseuren gelungen, einen der bewegendsten Dokumentarfilme der letzten Jahre zu drehen. Die 2009 in den USA gestorbene heimliche Fotografin fasziniert nicht nur aufgrund ihres fantastisch umfangreichen Werkes.



Literatur > Art + Design Beitrag vom 26.12.2018 Sharon Adler 





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