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AVIVA-BERLIN.de im Mai 2018 - Beitrag vom 17.05.2017

Shahar Arzy und Moshe Idel. Der Dibbuk im Gehirn. Kabbala und Neurowissenschaft
Nea Weissberg

Das Buchprojekt entspringt einer Kooperation zwischen dem Forscher j├╝discher Mystik, Historiker und Philosophen Moshe Idel, und seinem Jerusalemer Kollegen, dem Neurowissenschaftler und Neurologen, Shahar Arzy. Unter Zuhilfenahme neurowissenschaftlicher Arbeitsweisen...



... versuchen beide, die Handhabungen der Kabbala und die damit verbundenen, eingesetzten neurokognitiven Mechanismen zu ergr├╝nden.

Einblicke in kabbalistische Verz├╝ckung

Arzy und Idel benennen vier Wesenheiten ekstatischer Erlebnisse in der j├╝dischen Mystik, bei der es zu einer Trennung von K├Ârper und Selbst kommt:

1. Die autoskopische Ekstase, bei welcher die/der Mystiker_in halluziniert, sich selbst au├čerhalb ihres/seines Leibes zu sehen und ihr/sein Spiegelbild im Sinne eines vermeintlich Anderen betrachtet.
2. Die Ekstase des Aufstiegs, in deren Ablauf die/der Mystiker_in wahrnimmt, wie sie/er - v├Âllig schlaftrunken und wie in Trance - aus ihrem/seinem K├Ârper heraustritt und transzendente "himmlische Wesen" antrifft.
3. Die Ekstase des symbiotischen Eins Werdens, in deren Folge ein/e Mystiker_in ihrer/seiner enthusiastischen Sehnsucht nachsp├╝rt, um sich mit einem Maggid, mit dem positiv besetzten G├Âttlichen, zu vereinigen.
4. Die dissoziative Ekstase ist die Stufe, bei der ein scheinbar ausw├Ąrtiger Geist in die geistige Gem├╝tslage des Mystikers/Mystikerin eindringt und ihn/sie beherrscht. Dies kann sich unter anderem darin ├Ąu├čern, dass fremde Stimmen eines Dibbuks, eines d├Ąmonenhaften Traumgespenstes geh├Ârt werden und ein Beeinflussungserleben ausl├Âsen.

Allen vier Formen ist gemeinsam, dass jede dieser intensiv empfundenen Erlebnisse auf neurokognitiven Mechanismen beruht.
Die beiden Forscher rekonstruieren mutma├čliche Techniken, derer sich kabbalistische Mystiker aus eigener Kraft bedienten. Sie gehen davon aus, dass sich ein ekstatischer Affekt nicht von selbst ausbildet. Vielmehr muss sich ein Befinden einer Bewusstseinsver├Ąnderung sorgsam ausformen, z. B. durch Fasten, Schlafentzug, durch stilles Rezitieren fortw├Ąhrender Gebete, Imagination einer Bewegung etc.

Im Gehirn k├Ânnen motorische Schaltstellen angeregt werden:
Ein total verz├╝ckt entr├╝ckter Gem├╝tszustand kann durch Zuhilfenahme von memorierten Methoden freigesetzt werden, aber auch fokale elektrische Hirnstimulierungen k├Ânnen neurokognitive und neurophysiologische Mechanismen steuern und erm├Âglichen.

Hervorgerufener ├╝bersteigerter Enthusiasmus zeigt sich im sensorischen und motorischen Verhalten etwa durch krampfhaftes Zittern, Hyperventilieren, durch gellende Schreie oder heftige, hitzige Bewegungsabl├Ąufe, die allenfalls im kollabierenden Zusammenbruch enden k├Ânnen.

AVIVA-Tipp: Leserinnen und Leser, die sich f├╝r Formen der Ekstase in der Kabbala sowie im osteurop├Ąischen Chassidismus und f├╝r deren historischen Hintergr├╝nde interessieren, sowie althergebrachte spirituelle, mystische und symboltr├Ąchtige Ereignisse kennen lernen m├Âchten, f├╝r die ist dieses Buch zu empfehlen und zugleich eine intellektuelle Herausforderung. F├╝r Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler ist "Der Dibbuk im Gehirn - Kabbala und Neurowissenschaft" eine wahre Fundgrube.

Zu den Autoren:

Moshe Idel
, geboren 1947 in Rum├Ąnien, lebt seit 1963 in Israel. Er lehrt an der Hebr├Ąischen Universit├Ąt Jerusalem und ist derzeit international der f├╝hrende Forscher zur j├╝dischen Mystik. Seine Arbeiten wurden vielfach ausgezeichnet, u. a. mit dem Israel-Preis (1999), mit dem Israel Prize in Jewish Thought and the Hebrew University President┬┤s Prize for outstanding research und dem EMET Prize. Ebenfalls im Suhrkamp Verlag von Moshe Idel erschienen sind die B├╝cher "Alte Welten, neue Bilder - J├╝dische Mystik und die Gedankenwelt des 20. Jahrhunderts", "Der Golem - J├╝dische magische und mystische Traditionen des k├╝nstlichen Anthropoiden" sowie "Kabbala und Eros".

Shahar Arzy, studierte Medizin und Neurowissenschaft. Er ist Direktor des Computational Neuropsychiatry Lab an der medizinischen Fakult├Ąt der Hebr├Ąischen Universit├Ąt in Jerusalem und arbeitet als Neurologe am Hadassah Hebrew University Medical Center.

Shahar Arzy - Moshe Idel
Der Dibbuk im Gehirn
Kabbala und Neurowissenschaft

Originaltitel: A Neurocognitive Approach to Mystical Experiences
Aus dem Englischen von Eva-Maria Thimme und J├╝rgen Schr├Âder
J├╝discher Verlag im Suhrkamp Verlag, erschienen 2016
ISBN 978-3-633-54281-9
Gebunden, 221 Seiten
24,00 ÔéČ
www.suhrkamp.de

Weiterlesen auf AVIVA-Berlin:

Das Sefer Jezira und Einf├╝hrung in die lurianische Kabbala Die ├ťbersetzung des wichtigsten Werkes der Kabbala (Sefer Jezira), sowie eine Einf├╝hrung in die Lehren ihres einflussreichsten j├╝dischen Mystikers, sind nun im Verlag der Weltreligionen erschienen. (2008)

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