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AVIVA-BERLIN.de im März 2021 - Beitrag vom 04.11.2008


Rina Frank - Als Gott die Großmutter holte
Margret Müller

Rina erlebt eine Kindheit als Tochter armer rumänischer Einwanderer im jungen Staat Israel, als erwachsene Frau den scheinbar erfüllten Traum vom reichen Prinzen und den Wert ihrer eigenen Wurzeln.




Rina wächst in einem bunten, lauten, wüsten und armen Einwanderviertel im Haifa der 1950er Jahre auf. Mit ihrer etwas älteren Schwester Seffi und den Eltern teilt sie sich ein Zimmer, Privatsphäre gibt es da wie auch im ganzen Viertel keine, dafür verströmt diese Enge Geborgenheit. Ihrer Schwester fühlt sich Rina immer unterlegen, diese erklärt ihr die Welt, erzieht und belehrt sie.

Die Ich-Erzählerin geht ihren ganz eigenen Weg, keck, mit allen Wassern des Viertels gewaschen und fühlt sich doch die gesamte Zeit im Schatten ihrer Schwester. Dieser Weg führt sie in die Heimatstadt ihres Mannes gehobener Klasse, nach Barcelona. Es klingt wie ein Märchen, der reiche europäische Prinz holt Aschenputtel in seinen Palast, aber in dem neuen bourgeoisen Umfeld zählt ihre "Straßenbildung" nicht viel, sie bleibt fremd und sucht die Nähe der Kindheit. Die kulturellen Unterschiede werden unübersehbar und das junge Ehepaar muss sich einer harten Realität stellen.

Die Erinnerungen an die kleinen Dinge der Kindheit, die tragische Komik des Alltags ist es, die Rina Frank spitzbübisch, mit lachendem Auge und manchmal schwerem Herzen so ergreifend beschreibt. Chronologisch bleibt sie dabei nie, die erwachsene und die junge Rina wechseln sich mit Erzählungen ab, die Erlebnisse greifen ineinander und verbinden sich miteinander.
Bemerkenswerter Weise spricht die kindliche Rina in "Ich-Form", sie wird der Leserin vertraut, wächst ans Herz, während von der erwachsenen Rina aus der Fremdperspektive gesprochen wird. Sie bleibt namenlos, eine "sie", ihr Mann ist "der Mann" während das komplette Umfeld beim Vornamen genannt wird. Die Frau Rina bleibt fremd, wahrscheinlich auch sich selbst.

Das Israel der 1950er wird in dem im List Verlag erschienenen Roman von unten aufgerollt und beleuchtet, ohne Ausbreitung soziologisch-analytischer Hintergrunderklärungen ist doch in der Beiläufigkeit des Privaten und aus Perspektive eines Kindes so viel über den oft absurden Alltag im jungen Staat Israel erkennbar: der nicht immer unproblematische Schmelztiegel der Kulturen, die Schwierigkeiten der oft überqualifizierten Einwanderer, sich einzuleben und sichere Arbeit zu finden, das Weiterleben nach dem Überleben der Shoah, die interkulturellen Ehen, die ihre Herkunft oft einholt, der Stolz der kleinen Nation, zu existieren, wenn auch von Feinden umringt.

Rina Frank wurde 1951 in Haifa geboren. Sie studierte Bauingenieurwesen und arbeitete als Bauingenieurin, später bei einer Bank und in der Werbung. Heute produziert sie Kindersendungen und Sitcoms. Sie ist Verfasserin mehrerer Romane, unter anderem der Fortsetzung von "Als Gott die Großmutter holte", die auf deutsch bisher noch nicht erschienen ist.

AVIVA-Tipp: Rina Frank hat mit ihrer halbautobiographischen Erzählung einen angenehm leicht und dennoch hintergründig geschriebenen Familienroman geschaffen, der in Israel ein großer Erfolg und von Shimon Peres "geliebt" wurde. Zuweilen versetzt er in die eigene Kindheit zurück, ohne der nostalgischen Verklärung zu verfallen. Die perfekte Lektüre, um an einem verregneten Novembertag von Kerzenschein und Tee begleitet die Gedanken auf eine Reise in ein warmes Land zu schicken.

Rina Frank
Als Gott die Großmutter holte

Aus dem Hebräischen von Helene Seidler
List Taschenbuch Verlag, erschienen im Juni 2008
Taschenbuch, 277 Seiten
ISBN-13: 978-3548608341
8,95 Euro


Literatur > Jüdisches Leben

Beitrag vom 04.11.2008

AVIVA-Redaktion 






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