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AVIVA-BERLIN.de im Juli 2020 - Beitrag vom 01.03.2020


Jasmin Schreiber - Marianengraben
Bärbel Gerdes

So tief wie der Marianengraben ist Paulas Trauer und Verzweiflung als ihr geliebter zehnjähriger Bruder plötzlich stirbt. In ihrem Debütroman holt die mit dem Digital Female Leader Award ausgezeichnete Bloggerin, Biologin und Sterbebegleiterin Jasmin Schreiber ihre Protagonistin Meter um Meter zurück an die Oberfläche.



Ein Jahr ist der Tod ihres kleinen Bruders her, ein Jahr wird Paula von einer tiefen Depression begleitet. Sie ernährt sich von Pizza, ihre Wohnung verkommt, ihre Aufnahme in das Doktorandenprogramm hat sie auf Eis gelegt.

Der Therapeut, den sie besuchen soll, stellt gleich in der ersten Sitzung fest, dass Paulas Trauerreaktion mittlerweile pathologisch sei.
"Ich war ein bisschen falsch traurig, also ungesund traurig", schreibt die Ich-Erzählerin, die zunächst auch keinen Trost in der Therapie findet.

Ihr gebrochenes Herz kann Paula genau ausmachen: ihre Smartwatch hat aufgezeichnet, wie sich ihre Herzschlagrate änderte, als sie die Nachricht per Telefon erhielt. "An meinem Kühlschrank hängt bis heute ein Graph, auf dem man sieht, wie ein menschliches Herz zerbricht."

Das Grab ihres Bruders hat sie seit der Beerdigung nicht besucht. Sie wohnt 200 km von ihren Eltern entfernt, und da sie ein Problem mit Distanz und Nähe hat, fürchtet sie die Anwesenheit fremder Menschen, die ZeugInnen ihrer Erschütterung werden könnten.
Der Therapeut empfiehlt ihr dennoch, den Friedhof zu besuchen. Vielleicht wenn er leer ist. Nachts? fragt sich Paula und beschließt, dies tatsächlich zu tun. Mit einer Leiter ausgerüstet, klettert sie im Dunkeln über die Friedhofsmauer und besucht Tims Grab.
Ausgerechnet dort macht sie die Bekanntschaft des 83jährigen Helmut, ebenfalls ein Trauernder, der über einen Verlust nicht hinwegkommt. Helmut und Paula, die so unterschiedlich sind, haben tiefstes Verständnis auch für die absurden Trauerreaktionen der/des anderen, die anderen Menschen oft fremd vorkommen.

Jasmin Schreiber hat trotz des schweren und schwierigen Themas einen leichten und auch witzigen Jugendroman für Menschen ab 16 Jahren geschrieben. Ihre Protagonistin ist in einem nicht endenden Dialog mit dem verstorbenen Bruder verhaftet, der sie tröstet, aber auch belastet. Paula ist geplagt von Schuldgefühlen. Hätte sie Tim retten können, wenn sie da gewesen wäre? Hat er im letzten Augenblick an sie gedacht, enttäuscht, dass die große Schwester ihn nicht rettete?

Auch Helmut trägt eine Last. Er hat der verstorbenen Helga eine letzte Reise in die Berge versprochen, was er nicht mehr realisieren konnte. So will er zumindest ihre Asche dorthin bringen.

Es folgt ein Roadmovie der anderen Art – eine langsame Annäherung an die Berge und an die Trauerverarbeitung, begleitet von dem misstrauischen Hund Judy und dem Huhn Lutz.

AVIVA-Tipp: Jasmin Schreiber hat einen dialogreichen, flotten Roman für Jugendliche geschrieben, der angesichts des Themas erstaunt. Das allmähliche Aufsteigen aus dem dunklen Loch der Depression macht Mut und ist tröstend.

Zur Autorin: Jasmin Schreiber wurde 1988 in Frankfurt am Main geboren. Studium der Biologie in Marburg und Wien (Abschluss 2012, Spezialisierung: Zoologie).
Sie arbeitet als Kommunikationsexpertin und Autorin. 2018 gewann sie den Digital Female Leader Award und wurde als Bloggerin des Jahres ausgezeichnet. Sie arbeitet ehrenamtlich als Sterbebegleiterin und Sternenkinder-Fotografin. Auf Twitter ist sie unter @LaVieVagabonde zu finden. Jasmin Schreiber lebt in Frankfurt am Main.
Mehr zur Autorin und Lesungstermine unter: www.jasmin-schreiber.de

Jasmin Schreiber
Marianengraben

Eichborn Verlag, erschienen am 28. Februar 2020
254 S., gebunden mit Schutzumschlag
ISBN 978-3-8479-0042-9
20,00 €
Mehr zum Buch und Lesungstermine unter: www.luebbe.de




Literatur > Romane + Belletristik Beitrag vom 01.03.2020 Bärbel Gerdes 





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