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AVIVA-BERLIN.de im Juni 2021 - Beitrag vom 28.12.2008


Polina Daschkowa - Das Haus der bösen Mädchen
Sharon Adler

Dicht und dramatisch ist die Geschichte um die fünfzehnjährige Ljussja, die hartnäckig behauptet, ihre Tante erstochen zu haben. Ein vielschichtiges Bild des modernen Russlands zwischen ...




... Korruption, Tradition und Umbruch.

Wie bereits in ihren vorangegangen Gesellschaftskrimis liefert die gefeierte Schriftstellerin Polina Daschkowa einen ungeschönten Blick auf das Russland von heute, genauer, das sich in der Post-Jelzin-Ära befindende Moskau, seine Menschen und insbesondere deren ungeschriebenen Regeln.

Dreh- und Angelpunkt dieser hochdramatischen und spannenden Geschichte ist ein debiler Teenager, der unbestechliche Ermittler Ilja Borodin und die geheimnisvolle "Mama Isa".

Was wäre jedoch ein guter russischer Roman ohne Dutzende von Nebenfiguren, die, mit ihren Einzelschicksalen ineinander verwoben auf Nebenschauplätze führen, die die Leserin in die Irre leiten, vordergründig Anhaltspunkte liefern oder einfach nur erzählen?

Allein der leichten und dabei kunstvollen, strategisch ausgerichteten Feder der Autorin ist es zu verdanken, dass die Erzählstränge sich nicht in einem unübersichtlichen Wollknäuel verheddern, sondern vielmehr wie ein kunstvoller Flickenteppich am Ende ein eindrucksvolles Gesamtkunstwerk bilden.

Das Haus der bösen Mädchen

Einzig Ermittler Ilja Borodin, berühmt-berüchtigt für seine Begabung scheinbar offensichtlichste Fälle zu verkomplizieren, glaubt nicht daran, dass das Mädchen Ljussja ihre einzige Bezugsperson mit achtzehn Messerstichen ermordet haben soll. Untrennbar verbunden mit dem tragischen Schicksal der geistig behinderten Ljussja, die im nächtlichen Moskau von einer Polizeistreife aufgegriffen wird, sind weitere verlorene Seelen, die für eine Beziehungstat in Frage kämen. Als sich die Serie blutiger Morde fortsetzt – durchgehend werden die Opfer mit achtzehn Messerstichen ermordet – offenbart sich stückweise, dem Matrjoschka-Prinzip nachempfunden, ein kriminelles Netzwerk, in dem zwei skrupellose Zwillingsmädchen und die Machenschaften einer einflussreichen Familie eine zentrale Rolle spielen.

Zur Autorin: Polina Daschkowa, 1960 in Moskau geboren, studierte am renommierten Gorki-Literaturinstitut und hat sich zunächst der Lyrik zugewandt. Sie arbeitete als Journalistin für Rundfunk und Presse, als Parlamentsberichterstatterin, Dolmetscherin und Übersetzerin aus dem Englischen, bevor sie selbst begann, Romane zu schreiben. Polina Daschkowa ist eine von Russlands begehrtesten Krimiautorinnen und ihre Romane wurden in viele Sprachen übersetzt, so auch "Lenas Flucht" (2004), ein Roman, in dem sie in deutlichen Worten ein dichtes Bild des modernen Russland zeichnet oder "Der falsche Engel" (2007), ein gut recherchierter Roman, der vor allem dadurch an Qualität gewinnt, dass nicht auf Seite eins der Mord geschieht, dem man auf den Fersen bleiben muss. Weitere Veröffentlichungen: "Die leichten Schritte des Wahnsinns", "Club Kalaschnikow", "Für Nikita", "Du wirst mich nie verraten", "Keiner wird weinen" sowie "Russische Orchidee" (alle im Aufbau-Verlag erschienen). Heute lebt Polina Daschkowa mit ihrem Mann, einem Dokumentarfilmer, und ihren zwei Töchtern in Moskau. Mittlerweile sind ihre Bücher auch in Frankreich und den Niederlanden erschienen.

AVIVA-Tipp: Polina Daschkowa zeichnet mit "Das Haus der bösen Mädchen" das Vexierbild einer Gesellschaft, in der nur haarfeine Grade die Linie zwischen Gut und Böse, Arm und Reich, Korruption und dem Kampf um Gerechtigkeit voneinander trennen. Virtuos liefert Polina Daschkowa in glasklarer Sprache einen fesselnden Gesellschaftskrimi aus dem Moskau von heute.

Polina Daschkowa
Das Haus der bösen Mädchen

Aus dem Russischen von: Ganna-Maria Braungardt
Aufbau-Verlag, erschienen Juli 2008
Gebunden, 393 Seiten
ISBN: 978-3-351-03241-8
Preis: Euro 19,95


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Beitrag vom 28.12.2008

Sharon Adler 






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