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AVIVA-BERLIN.de im März 2021 - Beitrag vom 29.12.2008


Giulia Carcasi - Ich bin aus Holz
Sharon Adler

Die italienische Tageszeitung La Repubblica bezeichnet die 1984 geborene Autorin und Medizinstudentin als "Wunder". Mit der Geschichte einer berührenden Mutter-Tochter-Beziehung beweist sie dies ...




... eindrucksvoll, denn schmerzlich schön skizziert Giulia Carcasi das schwierige Verhältnis zwischen der erfolgreichen Ärztin Giulia und deren 18-jähriger Tochter Mia.

In "Ich bin aus Holz" kommunizieren Mutter und Tochter in Form eines Tagebuchs und Briefen miteinander, da dies ist die einzig mögliche Form von Verständigung für die beiden Frauen zu sein scheint.
Nichts, so glauben diese, verbindet sie miteinander, und während die Ältere sich auf die Suche nach Gemeinsamkeiten begibt, sperrt sich die Jüngere, flüchtet sich in wahl- und zahllose Affären, nicht wissend, dass das Schicksal der Mutter ebenfalls nicht ohne labyrinthartige Wege verlaufen ist.

Die abweisend-spröde Mia verfolgt neben dem Abhaken ihrer Affären nur das Ziel, anders zu sein als ihre emotionale Mutter, während diese nur ihrer Tochter nah sein möchte. So beginnt Giulia heimlich, Mias Tagebuch zu lesen und muss erfahren, wie ihre Tochter sie sieht: spießig, depressiv, pflichterfüllt, unattraktiv, langweilig. Die Briefe der Mutter an die Tochter stellen die unerwartete Antwort auf die Tagebucheinträge dar. Sie erzählen von Erinnerungen an längst verdrängte Erlebnisse aus ihrer Kindheit, Verletzungen, Verrat, verzweifelter Liebe, Hoffnungen und münden in dem unbedingten Wunsch, die Tochter solle es einmal besser haben.

Virtuos flicht die Autorin auch den Generationenkonflikt in die Innensichten der Protagonistinnen ein und lässt die Kluft ihrer Figuren noch deutlicher hervortreten. In der Erinnerung und Reflexion der Mutter klingt das so: "... und wir Mädchen wurden für Porzellanfiguren gehalten: hübsch, aber dumm. [...] Wir waren entweder Huren oder Bräute, ihr könnt mit eurem Freund zusammenziehen und euch später wieder trennen."

AVIVA-Tipp: Schnörkellos, sich zwischen lyrischer Wahrheit und glasklar-realistischer Sprache bewegend, deckt die Schriftstellerin Giulia Carcasi Schicht um Schicht verschüttete Gefühle und Erinnerungen auf. Den dabei entstehenden Raum geben die Protagonistinnen frei für längst verloren geglaubte Visionen einer glücklicheren Zukunft, die nicht aus leblosem Holz besteht, sondern aus lebendiger sich verändernder Materie, die Annäherung erst möglich macht.

Zur Autorin: Giulia Carcasi, geboren 1984, wird als junge Starautorin Italiens gefeiert, seit sie mit 21 höchst erfolgreich ihren ersten Roman veröffentlichte. Auch ihr zweites Buch "Ich bin aus Holz" wurde von KritikerInnen und LeserInnen begeistert aufgenommen. Giulia Carcasi lebt in Rom, schreibt an ihrem nächsten Roman und studiert Medizin.

Giulia Carcasi
Ich bin aus Holz

Originaltitel: Io sono di legno
Originalverlag: Feltrinelli Editore, Mailand 2007
Aus dem Italienischen von Christiane Rhein
Deutsche Erstausgabe
Verlag: C. Bertelsmann, erschienen November 2008
ISBN: 978-3-570-01016-7
Gebunden, mit Schutzumschlag, 192 Seiten
Euro 14,95



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Beitrag vom 29.12.2008

Sharon Adler 






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