Lili Grün - Zum Theater. Herausgegeben und mit einem Nachwort von Anke Heimberg - Aviva - Berlin Online Magazin und Informationsportal für Frauen aviva-berlin.de Literatur Romane + Belletristik



AVIVA-BERLIN.de im März 2021 - Beitrag vom 12.06.2011


Lili Grün - Zum Theater. Herausgegeben und mit einem Nachwort von Anke Heimberg
Sharon Adler

Der Roman um die junge, ambitionierte Schauspielerin Loni Holl erschien 1935 unter dem Titel "Loni in der Kleinstadt". Zuvor war das Werk als Vorabdruck im "Wiener Tag" erfolgreich und wurde ...




... in der zeitgenössischen Kritik als "ebenso klug wie anmutig" gefeiert.

Die österreichisch-jüdische Schriftstellerin Lili Grün legte nach "Alles ist Jazz" ihren zweiten Roman "Zum Theater!" vor, der ebenfalls ein Erfolg wurde. Die Geschichte Lili Grüns jedoch ist lange Zeit weitgehend in Vergessenheit geraten, und umso mehr ist es der Verdienst der Herausgeberin Anke Heimberg und des AvivA Verlags, dass ihr Werk und ihre Person nun wieder zugänglich sind.

Ähnlich wie ihre deutsche Schriftstellerkollegin Vicki Baum richtete Lili Grün ihr Augenmerk ebenfalls hauptsächlich auf Unterhaltungsliteratur, die die moderne, unabhängige Frau dieser Zeit in ihren Fokus stellte.
Auch Lili Grün schöpfte dabei aus ihren eigenem Erfahrungsschatz, denn auch sie war eine dieser jungen Frauen, die ihren Weg allein machen wollten oder mussten.
Eigentlich Schauspielerin, arbeitete Lili Grün jedoch mangels eines festen Engagements als Verkäuferin und Küchenhilfe in einer Café-Konditorei, bis sie in Berlin im Frühjahr 1931 das literarisch-politische Kabarett-Kollektiv "Die Brücke" gründete, dem diverse bereits arrivierte als auch unbekannte KünstlerInnen angehörten. Zunächst trat die Truppe im Keller-Theatersaal in der Bellevuestraße 3 auf, bis sie schon nach weinigen Vorstellungen dazu gezwungen waren, wieder zu schließen.

Auch ihre Protagonistin Loni Holl in "Zum Theater!" musste sich zunächst in einem Hutsalon, "Nelly-Hüte", verdingen, bis sie durch einen glücklichen Zufall durch ein Gastengagement in der Provinz endlich die Chance auf das lang ersehnte Debüt und damit auf ihre wirkliche Bestimmung erhält.
Die junge Frau, eine Waise, ergreift die Möglichkeit, ihrem tristen Leben in Wien sowie der Kontrolle ihres Vormundes zu entfliehen und schließt sich der Theatergruppe um Direktor Spörr an.

In der tschechischen Kleinstadt findet sich Loni zwischen Probe, Auftritt und ihrem stürmischen Privat- und Liebesleben wieder: Die noch so kleine Rolle muss gelernt, das winzige Zimmer bezahlt und der stetige Hunger gestillt werden. Dazu hat sie sich ausgerechnet in den jungen Regisseur verliebt, dessen Ex-Geliebte die verehrte Diva des Provinztheaters ist. Die EinwohnerInnen von Mährisch-Niedau, vor allem Notar Dr. Liebig, im Nebenberuf Theaterkritiker des Mährischen Anzeigers, bilden das geschätzte Publikum, dem sich die bunt-zusammengewürfelte Truppe beweisen muss.
Nach einigen Wirrungen und sowohl entbehrungs- als auch erkenntnisreichen Erlebnissen schließlich wird sich herausstellen, ob die junge Frau den Herausforderungen gewachsen ist.

Zur Autorin: Lili (Elisabeth) Grün wurde als Tochter eines jüdischen Kaufmanns 1904 in Wien geboren. Ende der 1920er Jahre ging sie nach Berlin, wo sie 1931 zusammen mit KünstlerInnen-FreundInnen ein literarisch-politisches Kabarett eröffnete. Sie schrieb Gedichte und Geschichten für das Berliner Zeitgeist-Magazin Tempo und das renommierte Prager Tagblatt. Zurück in Wien verarbeitete sie ihre Berlin-Erlebnisse in ihrem Roman "Alles ist Jazz", der erstmals 1933 unter dem Titel "Herz über Bord" im Paul Zsolnay Verlag erschienen ist. Die Wiener Presse bejubelte Lili Grüns Debüt. Nach einem längeren Aufenthalt in Prag und Paris erschien 1935 der Theater-Roman "Loni in der Kleinstadt", der nun im März 2011 im AvivA Verlag unter dem Titel "Zum Theater!" erschienen ist. Mit der nationalsozialistischen Okkupation Österreichs im März 1938 hatte Lili Grün als jüdische Schriftstellerin schlagartig keine Möglichkeit mehr zu publizieren. Verarmt und lungenkrank blieb ihr die Emigration ins rettende Ausland verwehrt. 1942 wurde sie aus Wien deportiert und im weißrussischen Maly Trostinec ermordet. (Quelle: Verlagsinformation)

Zur Herausgeberin: Anke Heimberg, 1967 in Pforzheim geboren, Studium der Germanistik, Soziologie und Medienwissenschaften in Marburg und Wien; lebt und arbeitet als freie Literaturwissenschaftlerin und Publizistin in Berlin. Veröffentlichungen u. a. zu der Exilschriftstellerin Victoria Wolff, von der sie 2006 und 2008 im AvivA Verlag die Romane "Das weiße Abendkleid" und "Die Welt ist blau" herausgegeben hat.
2009 erschien im AvivA Verlag der von ihr herausgegebene Roman "Alles ist Jazz" von Lili Grün.

AVIVA-Tipp: Kurzweilig, unterhaltsam und amüsant zugleich liest sich der stark autobiographisch geprägte Roman "Zum Theater!", und doch – vor dem Hintergrund des Schicksals seiner Verfasserin erscheint manches in einem anderem Licht. Lili Grüns Romane, erschienen im Berliner AvivA Verlag sind es allemal wert, (neu) entdeckt zu werden! Besonders die im Nachwort von Anke Heimberg veröffentlichten Informationen und Zeitdokumente verdienen besondere Aufmerksamkeit.

Lili Grün
Zum Theater!

Herausgegeben und mit einem Nachwort von Anke Heimberg
AvivA Verlag, erschienen März 2011
Gebunden, 216 Seiten
18,00 Euro
ISBN: 978-3-932338-47-2
www.aviva-verlag.de

Weiterlesen auf AVIVA-Berlin:

"Alles ist Jazz" von Lili Grün

"Das weiße Abendkleid - Victoria Wolff"

"Victoria Wolff – Die Welt ist blau"



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Beitrag vom 12.06.2011

Sharon Adler 






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