Ilany Kogan - Im Prisma der Kreativit√§t. Zwei psychologische Fallstudien.Second Generation.Israel Psychoanalytic Society. Schoah. Psychosozial Verlag - Aviva - Berlin Online Magazin und Informationsportal für Frauen aviva-berlin.de
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AVIVA-BERLIN.de im Mai 2018 - Beitrag vom 02.06.2016

Ilany Kogan - Im Prisma der Kreativität. Zwei psychologische Fallstudien
Nea Weissberg

In ihrem neuen Buch demonstriert die israelische Psychoanalytikerin, klinische Psychologin und Supervisorin in einem gut referierten wissenschaftlichen und einem anschaulich dargestellten fallanalytischen Anamnese-Teil den heilenden ...



... Einsatz kreativer Symbol- und Phantasiearbeit im Verlauf einer Therapie mit der Second Generation ‚Äď Klientel.

Einsatz von Kreativität verhilft zu einem therapeutischen Prozess bei der Second Generation

Kreativit√§t, die mit Hilfe einer professionell ausgebildeten Begleitperson tiefenpsychologisch hinterfragt und gedeutet wird, kann dabei helfen, den Nachkommen von Schoah-√úberlebenden ein k√ľnstlerisches und entlastendes Element der Wirklichkeit des Familientraumas entgegenzusetzen.
So w√§chst die Chance f√ľr die Linderung-Suchenden, die traumatischen und historisch leidvoll durchlebten Todeserfahrungen der Eltern oder Gro√üeltern innerseelisch zu integrieren.

Bislang Nichtsagbares, sei es eine abrufbare, tiefempfundene Angst vor Verlassen und Verlassenwerden, ein Gef√ľhl von schmerzender Leere, ein Misstrauen der Welt gegen√ľber oder ein Aufkeimen von Zorn als Trauerabwehr, k√∂nnen aus einem "reparativen Impuls" (Vgl. Kogan, S. 75) innerhalb eines therapeutischen Kontextes kreativ umgewandelt und externalisiert werden - dank einer inspirierenden, spielerisch-einfallsreichen musischen Ausdrucksform, sei es durch Malerei, Prosa, Poesie, Deutung biblischer Geschichten etc.
Es kann in Folge eine Erlaubnis entstehen, sich mit den tatsächlichen Orten, den familiären Lebensabrissen zu beschäftigen und sei es auch nur fragmentarisch.

Viele Angeh√∂rige der Second Generation versuchen das ¬īererbte¬ī Familien-Trauma vielfach durch Strebsamkeit, beruflichen und gesellschaftlichen Status, finanziellen Erfolg sowie dem Hang nach √§u√üerer Sch√∂nheit auszugleichen. Schwach-Sein hei√üt Erniedrigung. √úbergro√üe Schwachheit verursacht Panik, denn sie tr√§gt das Risiko wiederkehrender Machtlosigkeit in sich.

Tr√§nen waren in Schoah-Familien, die jahrelang individuell und als Kollektiv einer unvorstellbaren Unmenschlichkeit ausgeliefert waren, oft ein Tabu - ein Zeichen von Schw√§che und von √ľbergro√üem emotionalem √úberw√§ltigt-Sein.

Viele Schoah-√úberlebende hofften, ihren Kindern das Wissen um ihr erlittenes Leiden ersparen zu k√∂nnen und umh√ľllten aus tiefer Scham und Verwundbarkeit ihre Sinnesempfindungen mit einem Schleier des Verstummens. Sie wollten ihren Kindern damit Empfindungen tiefen Kummers ersparen.
Doch das existierende Trauma ließ sich durch eine schweigende Form der Kommunikation nicht innerfamiliär auflösen und wurde an die Folgegeneration durchgeschlungen weitergegeben.

Unzählbare Ermordete konnten nicht betrauert werden. Nachkommen von Schoah-Überlebenden wurden oft zu Stellvertreterinnen und Stellvertretern von getöteten Angehörigen. Sie gaben ihren Kindern traditionsgemäß die Namen ihrer verstorbenen Verwandten Die israelische Psychotherapeutin Dina Wardi bezeichnet Kinder, die nach den in der Schoah ermordeten Eltern oder Geschwistern benannt werden, als "lebende Gedenkkerzen".

"Affektives Verst√§ndnis verbindet Gedanken und Gef√ľhle, die bisher h√§ufig durch die Unterdr√ľckung des Traumas und die Spuren der Unterdr√ľckung in den Nachkommen voneinander getrennt waren. Die daraus resultierende Integration von Kognition und Emotion verringert auf drastische Weise das Bed√ľrfnis der Nachkommen nach wiederholtem Enactement der Geschichte der Eltern in eigenen gegenw√§rtigen Leben." (Kogan, S. 74).

Ilany Kogan schreibt der Second Generation eine au√üergew√∂hnliche Anpassungsf√§higkeit zu, aber oft unter Nichtbeachtung eigener W√ľnsche und Lebensziele.

Im ersten fallanalytischen Teil DAVID, einem streng religi√∂s lebenden Juden, verdeutlicht Kogan, wie der Einsatz und die Deutung biblischer Geschichten hilfreich sein kann, um eine narzisstische Kr√§nkung und innere und √§u√üere Ambivalenzen zu √ľberwinden, die ihr Klient (Sohn einer christlich-orthodoxen Kosakin und eines atheistischen Juden) in seinem Status als Konvertit und in Folge als Jude "zweiter Klasse" wahrnahm.

Ilany Kogan zeigt im zweiten fallanalytischen Teil RACHEL auf, dass die Identifikation mit einer gesch√§digten Schoah-Mutter zu einem Verlust des separaten Selbstgef√ľhls der Tochter f√ľhren kann. Durch ihre Malerei, Poesie und Tr√§ume versuchte diese Klientin, "Themen ihrer Innenwelt, die anscheinend von so √ľberw√§ltigenden Gef√ľhlen begleitet wurden, dass Verbalisierung unm√∂glich war, zu externalisieren." (Kogan, S. 82).

Wenn Erfahrungen und traumatisch pr√§gende Erfahrungen nicht ausreichend versprachlicht werden k√∂nnen, so kann laut Ilany Kogans erprobter Arbeitsthese ein professionell therapeutisch begleiteter k√ľnstlerischer Kreativprozess innerhalb einer Behandlung in einem gesch√ľtzten √úbungsraum beim Klienten eine Halt gebende innerseelische Struktur entstehen lassen. Eine Grundvoraussetzung f√ľr emotionales Wachstum und f√ľr die F√§higkeit zwischen dem eigenen Selbst und dem Anderen, zwischen Vergangenheit und Gegenwart sowie innerer und √§u√üerer Wirklichkeit zu differenzieren. (Vgl. Kogan, S. 72).

AVIVA-Tipp: "Im Prisma der Kreativit√§t" ist ein notwendiges Buch f√ľr alle, die sich professionell therapeutisch mit der nachwirkenden Sch√§digung von kollektiven Traumata besch√§ftigen.

Zur Autorin: Ilany Kogan, geboren 1946 in Bukarest, ist Supervisionsanalytikerin bei der 1934 gegr√ľndeten "Israelischen Psychoanalytischen Gesellschaft" (www.psychoanalysis.org.il). Sie arbeitete in verschiedenen deutschen St√§dten als Supervisorin, vor allem in M√ľnchen und Aachen, wo sie bis heute t√§tig ist. Au√üerdem war sie beim Generatia Centre in Bukarest und bei der IPA Study Group in Istanbul t√§tig. Ein besonderer Schwerpunkt ihrer Arbeit ist die Besch√§ftigung mit den Nachkommen von Schoah-√úberlebenden. 2005 wurde sie mit dem Elise M. Hayman Award for the Study of the Holocaust and Genocide der IPA ausgezeichnet.
Weitere Buchveröffentlichungen von Ilany Kogan (Auszug) im Psychosozial Verlag: Mit Hediaty Utari-Witt, "Unterwegs in der Fremde. Psychoanalytische Erkundungen zur Migration", "Mit der Trauer kämpfen. Schmerz und Trauer in der Psychotherapie traumatisierter Menschen" und "Der stumme Schrei der Kinder. Die zweite Generation der Holocaust-Opfer"
Weitere Titel finden Sie unter: www.psychosozial-verlag.de

Ilany Kogan
Im Prisma der Kreativität
Zwei psychoanalytische Fallstudien

Psychosozial Verlag, erschienen im Mai 2016
Buchreihe: Bibliothek der Psychoanalyse
Originaltitel: The Canvas of Change: Analysis Through the Prism of Creativity (Karnac Verlag)
Aus dem Englischen von Bettina Malka-Igelbusch
ISBN-13: 978-3-8379-2596-8, Bestell-Nr.: 2596
157 Seiten, Broschur, 148 x 210 mm
19,90 ‚ā¨
www.psychosozial-verlag.de



Literatur > Sachbuch Beitrag vom 02.06.2016 Nea Weissberg 





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