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AVIVA-BERLIN.de im März 2021 - Beitrag vom 23.04.2010


Ulrike Schramm-de Robertis - Ihr kriegt mich nicht klein
Britta Leudolph

Regelmäßig unbezahlte Überstunden, hoher Arbeitsdruck und Willkür der Vorgesetzten, das ist die schöne neue Arbeitswelt der Lebensmitteldiscounter. Doch dagegen kämpfen lohnt sich. Die Verkäuferin...




... und Filialleiterin Ulrike Schramm-de Robertis berichtet, wie sie es zusammen mit ihren KollegInnen schafft, die Arbeitsbedingungen mithilfe eines Betriebsrates wesentlich zu verbessern.

Ulrikes Traumberuf ist Verkäuferin. Schon als Kind spielt sie am liebsten mit ihrem Kaufladen. Gleich nach dem Schulabschluss beginnt sie ihre Ausbildung in einem alteingesessenen Kaufhaus. Hier kennt sie die Chefs noch persönlich und kann sich auch in persönlichen Belangen an diese wenden. Hier bekommt sie auch den ersten Kontakt zur Gewerkschaft, der sie beitritt, weil alle es so machen. Nach der Ausbildung bekommt sie ihr erstes Kind, vier weitere folgen. Während dieser Zeit arbeitet sie halbtags.

Ihre ersten Erfahrungen mit einem großen Discounter macht Ulrike mit Anfang 30 bei dem Textilunternehmen KiK, sie übernimmt die Leitung einer Filiale. Für die junge Frau beginnt eine stressige Zeit: sie ist mittlerweile alleinerziehende Mutter von fünf Kindern, hat einen Vollzeitjob, der ihr viele Überstunden abverlangt. Dies ändert sich auch nicht bei ihrem nächsten Arbeitgeber, dem Lebensmitteldiscounter Plus und auch nicht bei Lidl, das Unternehmen, in dem sie heute noch arbeitet.

Vieles haben die Arbeitsstellen gemeinsam: die Filialen sind chronisch unterbesetzt, der Druck auf die MitarbeiterInnen wird systematisch von oben nach unten weitergereicht, häufig steht die Kündigung als unausgesprochene Drohung im Raum. "[...] ständig muss man bis zu 20 Kilogramm schwere Kisten und Kartons heben. Pro Tag addiert sich das auf mehrere Tonnen Gewicht. Wegen des Zeitdrucks überfordert man sich permanent selbst. Oft nehme ich zwei Kisten auf einmal, obwohl sie eigentlich zu schwer dafür sind. Die Folgen bekomme ich bald zu spüren: Immer öfter habe ich Rückenschmerzen. Es wird so schlimm, dass ich ohne Schmerzen nichts mehr heben, mich nicht bücken oder strecken kann."

Ulrike Schramm-de Robertis berichtet sehr authentisch aus ihrem Arbeitsleben bei dem Lebensmitteldiscounter Lidl. Und sie zeigt auf, dass es sich – trotz aller Rückschläge - lohnt, für die Rechte als Arbeitnehmerin einzutreten. Sie vernetzt sich mit ihren KollegInnen und gründet mithilfe eines Gewerkschaftsvertreters einen der wenigen Betriebsräte innerhalb des Unternehmens Lidl.

Zur Autorin: Ulrike Schramm-de Robertis, geboren 1964, ist Verkäuferin und Filialleiterin. Seit einigen Jahren ist sie Betriebsrätin in einer süddeutschen Lidl-Filiale. Sie unterstützt als aktive Gewerkschafterin KollegInnen bei deren Widerstand gegen schlechte Arbeitsbedingungen und Willkür.

AVIVA-Tipp: Das Wort Betriebsrat ist in den vergangenen Jahren in vielen Unternehmen zum Schimpfwort geworden. Gerade in den großen Lebensmitteldiscountern ist der Umgang mit den MitarbeiterInnen häufig untragbar, was sich immer wieder in Presseskandalen niederschlägt. Doch was nützt dies den MitarbeiterInnen? Sie sind auf ihren Job angewiesen. Ulrike Schramm-de Robertis beweist mit ihrer Geschichte, dass es sich lohnt, für die eigenen Rechte einzutreten. Ihr Buch liest sich spannend und macht all denjenigen Mut, die sich in einer vergleichbaren Situation befinden.

Ulrike Schramm-de Robertis und Daniel Behruzi
Ihr kriegt mich nicht klein! Eine Discounter-Angestellte kämpft um ihre Rechte

Kiepenheuer und Witsch Verlag, erschienen Februar 2010
Taschenbuch, 205 Seiten
7,95 Euro
ISBN 978-3-462-04185-9



Literatur > Sachbuch

Beitrag vom 23.04.2010

Britta Leudolph 






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