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AVIVA-BERLIN.de im Februar 2021 - Beitrag vom 15.05.2011


Sahra Wagenknecht - Freiheit statt Sozialismus
Britta Leudolph

Die Politikerin entwickelt eine Vision von einer alternativen Wirtschaftsform, der des "kreativen Sozialismus". Er soll zu einer gerechteren Verteilung des Wohlstands, mehr Arbeit ...




... und Innovation führen.

Das Wort "Sozialismus" ist spätestens mit dem Zusammenbruch der Sowjetunion zum Schimpfwort geworden. Planwirtschaft gilt weithin als Hindernis für kreatives und innovatives Wirtschaften. Dabei wird in der öffentlichen Debatte zumeist der real existierende Sozialismus mit dem Konzept des Sozialismus gleichgesetzt, jede Äußerung, die auf eine sozialistische oder kommunistische Ordnung als Alternative zur derzeitigen Wirtschaftsform verweist, wird von konservativen Kreisen bald schon hysterisch nieder geschrien.

Sahra Wagenknecht scheut sich dennoch nicht, laut über eine andere Variante des Wirtschaftens nachzudenken.
Bei der Betrachtung der derzeitigen Wirtschaftsordnung fällt auf, dass der Wohlstand in der Gesellschaft sehr ungleich verteilt ist: "1960 besaßen 1,7 Prozent aller Haushalte in der Bundesrepublik 70 Prozent des gesamten gewerblichen Produktivvermögens. Ende der Sechziger waren es bereits 74 Prozent. Mindestens so viel sind es bis heute geblieben [...]".

Im Unterschied zur jungen Bundesrepublik wird heute ein beträchtlicher Teil des Bruttoinlandsproduktes vom Finanzsektor erwirtschaftet. Das hat jedoch nicht dazu geführt, dass Banken Unternehmen mehr Kredite für Innovationen zur Verfügung stellen, das Gegenteil ist der Fall. Immer häufiger entscheiden sich Privatbanken für kurzfristige Investitionen, oft auch für Kredite an andere Banken. Dies gilt insbesondere für die großen Privatbanken und noch mehr für die 5 Investmentbanken J.P.Morgan, Goldman Sachs, Morgan Stanley, die Barclays Group und die Deutsche Bank, nicht aber für den Sektor der Sparkassen und Genossenschaftsbanken.

In der Realwirtschaft haben sich in den letzten 40 Jahren erhebliche Veränderungen ergeben: "Die 500 großen Weltkonzerne kontrollieren mittlerweile etwa die Hälfte der globalen Wirtschaftsleistung. Zwei Drittel des Welthandels werden von diesen Konzernen und zwischen ihnen abgewickelt." Gerade für diese großen Konzerne werden schnelle Profite im Finanzsektor immer interessanter, die gute Quartalbilanz ist wichtiger, als langfristig zu investieren und echte Werte zu schaffen.

Diese Prozesse haben starke Auswirkungen auf die Gesellschaft: Die letzte durch Spekulationen hervorgerufene Wirtschaftskrise hat unzählige Menschen arbeitslos gemacht, die Flexibilisierung des Arbeitsmarktes hat für noch mehr Unsicherheit gesorgt. Auch die Verteilung der Löhne ist in den letzten 20 Jahren in eine enorme Schieflage geraten: Während FinanzjongleurInnen Millionenprofite einstrichen, mussten ArbeiterInnen und Angestellte erhebliche Lohneinbußen hinnehmen. Was ist das für eine Gesellschaft, die ZockerInnen belohnt und Menschen bestraft, die Werte schaffen? Oder um mit dem Kabarettisten Volker Pispers zu fragen: "Wenn morgen entweder alle Unternehmensberater, Investmentbanker und Aktienanalysten tot umfielen oder aber alle Krankenschwestern, Polizisten, Feuerwehrleute und Altenpfleger – wen würden Sie mehr vermissen?"

Zur Autorin: Sahra Wagenknecht wurde 1969 in Jena geboren. Ab 1990 studierte sie an den Universitäten Jena, Berlin sowie Groningen Philosophie und Neuere Deutsche Literatur. 2005 begann sie mit ihrer Arbeit an einer Dissertation mit dem Thema "The Limits of Choice. Saving Decisions and Basic Needs in Developed Countries" im Fach Volkswirtschaftslehre. Wagenknecht ist stellvertretene Parteivorsitzende der PDS. Weitere Infos und Kontakt: www.sahra-wagenknecht.de

AVIVA-Tipp: Sahra Wagenknecht stellt der derzeitigen Wirtschaftsform, die darauf beruht, an die "unsichtbare" regulative Hand zu glauben, die auf dem Markt alles regelt, das Konzept des "Kreativen Sozialismus" entgegen. Sie beruft sich dabei auf die Ideen, die in Europa kurz nach dem Zweiten Weltkrieg die Wirtschaftspolitik bestimmten: "Aus der Erfahrung des Missbrauchs von Wirtschaftsmacht zur Beseitigung der der Demokratie und zur Installierung der blutigen Nazi-Diktatur resultierte die breite Auffassung, dass wirtschaftliche Machtbastionen in Zukunft nicht mehr privaten Eigentümern überlassen werden dürfen." Sie plädiert unter anderem für MitarbeiterInnenbeteiligungen, fordert eine radikale Vermögenssteuer und eine leistungsgerechte Bezahlung.
Die Autorin analysiert die heute kapitalistische Wirtschaftsform in ihren wichtigsten Sektoren, dabei argumentiert sie mitunter polemisch, der Kern ihrer Aussagen kann dabei jedoch kaum bezweifelt werden.

Sahra Wagenknecht
Freiheit statt Kapitalismus. Wie wir zu mehr Arbeit, Innovation und Gerechtigkeit kommen

Eichborn Verlag, erschienen im Mai 2011
Gebunden, 368 Seiten
ISBN 978-3-8218-6546-1
19,95 Euro


Literatur > Sachbuch

Beitrag vom 15.05.2011

Britta Leudolph 






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