Du nennst es Kosmetik, ich nenn es Rock’n’Roll - Aviva - Berlin Online Magazin und Informationsportal für Frauen aviva-berlin.de Literatur sounds + words





 

Chanukka 5782




AVIVA-BERLIN.de im Dezember 2021 - Beitrag vom 23.04.2007


Du nennst es Kosmetik, ich nenn es Rock’n’Roll
Clarissa Lempp

Kerstin Grether schrieb bereits mit 15 Jahren für ihr eigenes Fanzine über Rock, Pop und die Abwesenheit der Frauen in der Musikgeschichte. In "Zungenkuß" sind Texte aus 15 Jahren versammelt.




Kerstin Grether war und ist immer noch Fan. Aber inzwischen ist sie auch eine Ikone im deutschen Musikjournalismus. Wie kein/e andere/r hat sie die Frauen in die Musikgeschichte zurückgeschrieben. Dabei führt sie auch den Diskurs über die großen feministische Themen im zwanglosen Ton des "New Journalism". Kerstin Grether steht für klugen, individuellen und gesellschaftspolitischen Text im Rezensionsgewand. Endlich findet sich nun das "gesammelte Werk" von 1995 bis heute als Taschenbuchausgabe für den artgerechten Konsum in der schnellen Welt der Pop-Mädchen, Musiksüchtigen und Kulturinteressierten.

Als Fan lässt Kerstin Grether bei Interviews oder Plattenbesprechungen ihrer Leidenschaft freien Lauf und doch verbirgt sich hinter der subjektiven "undistanzierten" Ich-Schreiberin eine kluge Kritikerin, die private und gesellschaftliche Bezüge in die Reflexion der Produkte (Musik, Band, Style, Fantum) einbezieht. Hier kann sich ein/e manche/r der sachlich-arroganten KritikerInnen ein Scheibchen abschneiden! Denn was Grether schafft, ist in dieser Form nicht einzigartig aber doch ungewöhnlich: (Pop)Musik ist kein Konstrukt, kein unerreichbarer Elitekult, sondern wesentlicher Bestandteil des Lebens und die Übertragung persönlicher Elemente in einen POPulären, also gesellschaftlichen und gemeinverständlichen Zusammenhang.

Neben ihren Artikeln zu den großen Musikbewegungen der 90er, wie die Hamburger Schule, Grunge oder Britpop, verliert Grether nie den Blick dafür "what it feels like for a girl". So widmet sie sich in ihrem "Plädoyer für schwache Nerven" dem Hungerstreik Ally McBeals, den sie als authentisches Statement dafür sieht, wie es sich in dieser Welt anfühlt, ein Mädchen zu sein. Ihre Texte über Girlism, Riot-Grrrls, Fan-Mädchen oder die Macht und Ohmacht der Popsängerinnen sind Galaxien voller Cultural-Studies-Planeten, Feminismus-Sternchen und Dekonstruktions-Nebeln die eine/n absorbieren wie die schwarze Materie selbst und immer wieder zeigen, welch enormes Hintergrundwissen zwischen diesen Zeilen steckt, ohne dass Grether damit angeben würde. Sie teilt es einfach und das in einer Form die pusht, berauscht, die ohne Zeigefinger aufklärt, was Hunger, Politik und die Macht der Schokolade eigentlich mit Pop zu tun haben.

Zur Autorin: Kerstin Grether, Schriftstellerin, Sängerin und Popkulturjournalistin, lebt in Berlin. Mit Zuckerbabys (Suhrkamp 2006) schrieb sie einen Roman über Magersucht und Medien, der schnell zum Kultroman avancierte. Sie veröffentlichte zahlreiche Artikel und Kolumnen im Feuilleton, in Anthologien und verschiedenen Zeitschriften, darunter Intro, frieze und Frankfurter Rundschau. Ihre exzentrischen Leseperformances changieren zwischen mutwilligem Ernst und spontanen Stand-Up-Comedy-Einlagen. Sie ist außerdem Sängerin und Songschreiberin in der von ihr 2008 mitgegründeten Band Doctorella. (Quelle: Verlagsinformation)

Weitere Infos und Kontakt: www.kerstin-grether.de

AVIVA-Tipp: Kerstin Grether schreibt über Frauen in Pop und Gesellschaft, Bohémeleben, Essstörungen und Armut, sie dokumentiert seit 15 Jahren die Musikgeschichte und befreite die Mädchen aus den Plattensammlungen der Boyfriends. Deshalb war dieses Buch überfällig und es rockt!


Grether, Kerstin
Zungenkuß - Du nennst es Kosmetik, ich nenn es Rock ´n´ Roll

Musikgeschichten, 1990 bis heute
Mit Illustrationen von Felix Reidenbach
Suhrkamp Taschenbuch, erschienen März 2007
372 Seiten, Broschur
10,00 Euro
ISBN 978-3-518-45857-0


Literatur > sounds + words

Beitrag vom 23.04.2007

Clarissa Lempp 






AVIVA-News bestellen
  AVIVA-Berlin auf Facebook AVIVA-Berlin auf twitter



Esther Dischereit - Mama, darf ich das Deutschlandlied singen. Politische Texte

. . . . PR . . . .

Esther Dischereit - Mama, darf ich das Deutschlandlied singen. Politische Texte
Jüdisch. Solidarisch. Antirassistisch. Der Essayband mit einem Vorwort von Aleida Assmann knüpft an die beiden Aufsatzbände "Übungen jüdisch zu sein" und "Mit Eichmann an der Börse" an.
Mehr zur Autorin, zum Buch, sowie Bestellung unter: www.mandelbaum.at

Hila Amit - Hebräisch für Alle. Von der Sprache zur Vielfalt.

. . . . PR . . . .

Hila Amit - Hebräisch für Alle
Das erste queere und feministische Hebräisch-Lehrbuch in Deutschland. Das Arbeitsbuch enthält zahlreiche lebensnahe Beispiele und Übungen, um den Wortschatz direkt anzuwenden und zu verinnerlichen.
Mehr Informationen zum Buch und Bestellung unter: www.edition-assemblage.de

Ich bin noch nie einem Juden begegnet …

. . . . PR . . . .

Ich bin noch nie einem Juden begegnet
»Das Geschichtenerzählen ist Teil der jüdischen DNA«, meint Peninnah Schram, Literaturprofessorin und eine der Protagonistinnen in Haase-Hindenbergs neuem Buch. In einem außergewöhnlichen literarischen Stil erzählt er von den Lebensgeschichten jüdischer Menschen in Deutschland.
Mehr Informationen zum Buch und Bestellungen unter: www.edition-koerber.de

Maria Nurowska - Briefe aus Katyn

. . . . PR . . . .

Maria Nurowska - Briefe aus Katyn
Polen vor dem 2. Weltkrieg: Janina Lewandowska lässt sich zur Pilotin ausbilden. 1939 heiratet sie ihren Fluglehrer Mieczysław Lewandowski, gerät aber nach Kriegsausbruch in russische Kriegsgefangenschaft...
Mehr Informationen zum Buch und Bestellung unter: www.ebersbach-simon.de

Ahima Beerlage - Riss in der Zeit

. . . . PR . . . .

Ahima Beerlage - Riss in der Zeit
Jana geht nicht gern unter Menschen. Und erzählt nie von ihrer Vergangenheit. Ihre Lebensgefährtin Frauke verbucht das unter "wortkarge Butch". Als Jana ins Scheinwerferlicht der Öffentlichkeit gerät, ändert sich das Leben der beiden Frauen radikal.
Mehr zum Buch und Bestellinfos unter: www.krugschadenberg.de


Kooperationen

editionfuenf
HentrichHentrich
AvivA-Verlag
ebersbach-simon
Krug & Schadenberg -  Der Verlag für lesbische Literatur