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AVIVA-BERLIN.de im Juni 2021 - Beitrag vom 27.11.2002


Die Onlinerin: Das seltene Wesen?
Meike Bölts

Schleswig-Holstein ist das Onlinerinnen-Land, das Saarland bildet das Schlusslicht: Die Gender-Mainstreaming-Sonderauswertung des (N)ONLINER-Atlas 2002 bringt´s ans Tageslicht.




Mit dem (N)Onliner-Atlas wurde im Juni 2002 die bisher größte Studie zum digitalen Graben veröffentlicht. 50,2 % der BundesbürgerInnen über 14 Jahre sind offline! Der Generationenunterschied ist besonders groß: Während 9 von 10 SchülerInnen online* sind, sind 9 von 10 SeniorInnen offline!

Im September 2002 wurde eine Sonderauswertung des Atlas` in Berlin präsentiert: (N)ONLINER Atlas 2002. Gender-Mainstreaming-Sonderauswertung. Internetnutzung von Frauen und Männern in Deutschland. Initiiert vom Verein "Frauen geben Technik neue Impulse e.V.", von der Initiative D21 und TNS Emnid werden in dieser Auswertung erstmals detailliert geschlechtsspezifische Unterschiede in der Internetnutzung benannt.
Die Studie hält zunächst fest: "Das Internet ist ein ideales Medium zur umfassenden Teilhabe am gesellschaftlichen, politischen und wirtschaftlichen Leben." Inwieweit dieses Medium geschlechtsspezifisch genutzt wird, stellen wir Ihnen hier anhand der Ergebnisse der Studie vor:

  • 35 % der Frauen und 49 % der Männer sind online. Mit diesem Ergebnis konnte die These "Männer sind drin, Frauen sind nicht drin“validiert werden.
  • Prozentual leben die meisten OfflinerInnen in den östlichen Bundesländern.
  • An der Spitze der Internetnutzung von Frauen liegt Schleswig-Holstein (mit 41%) und von Männern Berlin (mit 56%).
  • Ein Stadt-Land-Gefälle lässt sich hingegen nur im Osten Deutschlands ausmachen: Hier liegt eine Differenz von 3 % vor.
  • Mit zunehmendem Alter steigt der Anteil der Frauen, die offline sind, deutlicher als bei den Männern der Anteil der Offliner.
  • Formale / schulische Bildung, beruflicher Status und steigendes Haushaltseinkommen beeinflussen das Internetnutzungsverhalten positiv.
  • Familie und Kinder hingegen beeinflussen das Nutzungsverhalten negativ.
All diese Ergebnisse scheinen nicht neu zu sein: Uns allen ist aus Diskussionen das Bild des jungen, urbanen, gebildeten Internetnutzers bekannt. Und das Beispiel von der eigenen Oma, mit der wir per E-Mail kommunizieren, ist immer noch exotisch. Dieses diffuse Gefühl kann nun mit der Gender-Mainstreaming-Sonderauswertung erstmals auch belegt werden: Nicht nur Bildung, Gehalt und Alter beeinflussen die Internetaffinität, sondern auch das Geschlecht.
Die detaillierte Auswertung macht es möglich, neue Türen zu öffnen: Es ist notwendig, dass Internetnutzungsprojekte neu zugeschnitten werden, nämlich auf Frauen und Männer mittleren Alters und ältere Menschen mit geringerer Finanzkraft und geringerer formaler Bildung. Das öffentliche wirtschaftliche und politische Interesse hat sich diesen Personengruppen bisher verschlossen.

Neben Projekten für jüngere Zielgruppen - hier besonders www.girls-day.de und natürlich www.idee-it.de für junge Mädchen und Frauen genannt - entwickeln sich seit einiger Zeit jedoch Initiativen für ältere Zielgruppen. Exemplarisch sei hier www.seniorennet.de vorgestellt: Diese Interessengemeinschaft möchte SeniorInnen den Einstieg in die neuen Medien erleichtern. Die Regionalgruppe in Berlin - gegründet bereits 1999 - bietet einen Überblick über unterschiedliche PC-Gruppen in Berlin. Darüber hinaus hält die Seite einen Kontaktmarkt und Hinweise auf PC-Kurse für SeniorInnen in der Stadt vor.

Für viele OfflinerInnen ist der unmittelbare private und auch berufliche Nutzen des Internets nicht unmittelbar einsehbar. Internet wird häufig mit dem Herunterladen von Computerspielen oder Musik und mit Chats gleich gesetzt. Gänzlich andere Nutzungsangebote wie zum Beispiel eGovernment oder auch Gesundheits- und Verbraucherportale gewinnen erst seit kurzer Zeit an Bedeutung.
Wenn wir uns darauf verständigen, dass Information und Teilhabe am öffentlichen Leben die wichtigsten Bausteine einer funktionierenden Gesellschaft sind, dann müssen wir das Internet als einen Bestandteil des Mörtels anerkennen und es dementsprechend neben den anderen Medien - Zeitungen, Radio, Fernsehen - fördern. Die Einführung einer bundesweiten möglichst kostenfreien Nutzungsmöglichkeit des Internets hat dabei einen besonderen Stellenwert.

Wer Interesse an der Auswertung hat, kann diese gegen eine Aufwandsentschädigung von 60 EUR beim Verein "Frauen geben Technik neue Impulse e.V." anfordern:
www.frauen-technik-impulse.de

* Befragte wurden hier als OnlinerInnen definiert, wenn sie im letzten Monat zumindest einmal E-Mail oder Internet genutzt haben.


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Beitrag vom 27.11.2002

AVIVA-Redaktion