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AVIVA-BERLIN.de im April 2021 - Beitrag vom 08.05.2015


Colleen - Captain of None
Clarissa Lempp

Die Multi-Instrumentalistin Colleen ist mit ihrem nunmehr sechsten Album zurück. Mit "Captain of None" schafft sie eine genial subtile Verbindung zwischen Barock-Instrumenten und jamaikanischen..




... Dub.

Die Viola da Gamba ist ein Saiteninstrument aus dem Barock, ähnlich dem Cello, das die französische Musikerin Cecile Schott - aka Colleen - bereits in ihren Teenager-Jahren entdeckte. Schon auf früheren Alben, wie dem 2007 erschienenen "Les Ondes silencieuses", griff sie in eher traditionellen Kompositionen auf barocke Kammermusik zurück. Auf ihrem neuen Album "Captain of None" macht sie die Viola jetzt zum post-modernen Star. Statt es wie vorgesehen als Streichinstrument einzusetzen, zupft und schlägt Colleen aber die Saiten. Beeinflusst von afrikanischer und jamaikanischer Musik, funktioniert sie die Viola da Gamba zum Percussion-Instrument um. Songs wie "Soul Alphabet" bauen auf dieser Vorgehensweise auf und schaffen einen ganz eigensinnigen Klang, der hier und da an Joanna Newsoms Harfenspiel erinnert.

"Captain of None" ist das erste Album, das Colleen im Alleingang aufnahm und produzierte. Der jamaikanische Einfluss, den Colleen aus ihrer Liebe zu Lee "Scratch" Perry zieht, ist auch vor allem in der Produktion hörbar. So ist unverkennbar auf "Eclipse" ein Hall-Effekt zu vernehmen, der an Reggae und Dub Songs erinnert. "This Hammer Breaks" ist wiederum auf die Percussion-Elemente konzentriert, die in einem immer schneller werdenden Rhythmus an Afrobeats anknüpfen. Wie auch schon auf den Vorgänger-Alben, spielen Samples und Loops eine wichtige Rolle im Aufbau der Songs. Da wird auch Cecile Schotts Stimme zu einem eigenen Instrument, das nicht immer Worte braucht, um sich auszudrücken. Die überhaupt sehr reduzierten Texte werden oft fast trance-artig wiederholt, bis sie sich im Rhythmus auflösen.

"This Hammer Breaks Illusions. This Hammer Breaks…"

Auch wenn die ungewöhnliche Mischung von Barock und Reggae nur sehr subtil daherkommt, sind die Einflüsse doch unüberhörbar. Das Ergebnis ist ein ebenso spannendes wie angenehmes Album, das vom Pizzicato der Viola in den Rhythmus der Dub-Beats drängt.

AVIVA-Tipp: Colleen schuf mit "Captain of None" ein experimentelles Album, das immer gut hörbar bleibt. Auch wenn einige Songs besonders hervorstechen, ist es doch als Ganzes ein abgerundetes, kleines Meisterwerk, das sich zwischen sphärischem Gesang, Electro und sonnigen Beats bewegt.


Colleen
Captain Of None

Label: Thrill Jockey (Rough Trade)
ASIN: B00VQYW4VC

www.colleenplays.org


Weiterhören auf AVIVA-Berlin:

Juana Molina – Wed 21

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Beitrag vom 08.05.2015

Clarissa Lempp 






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