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AVIVA-BERLIN.de im September 2021 - Beitrag vom 30.10.2002


Manga - Mania: Unterhaltungstrip auf die fernöstliche Art
Gerlinde Behrendt

Ich möchte dich glücklich machen, aber ich kann niemals dein sein... (Clover von Clamp)




Mangas? Das sind doch diese japanischen Comics mit kreischbunten Titelbildern, innen schwarzweiß auf billigem Papier gedruckt? Die Mädchen haben immer große Augen? Und man muss sie - ganz gegen europäische Konventionen - von hinten nach vorn lesen. Wer zuerst einen Manga in die Hand nimmt, wird Schwierigkeiten damit haben. Aber vielleicht ist ja gerade das der Grund, weshalb sie sich bei Teenagern in Deutschland explosionsartig wachsender Beliebtheit erfreuen?

Es ist zwar schick, in der U-Bahn zu sitzen und ein Taschenbuch von hinten nach vorn zu lesen, aber das allein macht"s natürlich noch nicht. Eher schon die erstaunlich präzisen Zielgruppenansprachen, die japanische Mangazeichner beherrschen. Bei uns gelten Comics als eine Form der Trashkultur, die sich vornehmlich an Kinder und Jugendliche beiderlei Geschlechts richtet. In Japan gibt es Mangas für Jungen (Shonen-Mangas), Mangas für Mädchen, (Shojo-Mangas), ebenso wie erotische Mangas für Männer (Hentai Mangas für Schwule), Mangas für Hausfrauen, Seniorenmangas, es bleibt kein gesellschaftlicher Bereich ausgespart. Auch thematisch glänzen die japanischen Comics durch eindruckvolle Vielfalt: es gibt Science Fiction Mangas ebenso wie Familien-, Tier-, Sport- und Geschichtsmangas.

Ein Grund für den Einfallsreichtum und die Popularität dieser Bildergeschichten ist eine historisch gewachsene Kultur der Zeichnung und des Ausdrucks mittels Bildsprache, die in Japan schon in Schulen gelehrt wird. Und Mangas sind bei aller Liebe zur bildlich dargestellten Power und Action eher kontemplative Bildwerke: Japanische "Mangakas" nehmen sich sehr viel Zeit, um Ambiente, Stimmungen, und visuelle Eindrücke zu gestalten. Der in Amerika und Europa so sehr geschätzte "plot", die geradlinig erzählte story, spielt in Mangas eher eine untergeordnete Rolle. Ein Beispiel für solch eine stimmungsgeladene Serie ist "Clover", die Darstellung einer Sängerin, schön inszeniert von "Clamp", einer in Japan sehr erfolgreichen Zeichnerinnengruppe.

Vor allem eine Figur hat in Deutschland die Mädchen scharenweise zu dem Genre hingezogen: "Sailormoon" von Naoko Takeuchi, die Kämpferin für Liebe und Gerechtigkeit. Bei den Shojo Mangas, die uns hier besonders interessieren, geht es immer um unmögliche Liebe und romantische Verwicklungen der schwierigsten Art. Sailormoon kämpft nahezu pausenlos unter dem Einsatz magischer Kräfte dafür, dass sich die unterschiedlichsten Paare lieben dürfen, meistens gegen den erklärten Willen irgendwelcher bedrohlicher Finsterlinge weiblichen und männlichen Geschlechts. Das Problem dabei ist nur, dass Sailormoon selbst verliebt ist in einen Prinzen (natürlich!), der aber von ungeklärter Herkunft und von von eher zweifelhaftem Charakter ist. Wie das Leben so spielt.....:-) Ein anderes Beispiel für Shojo Mangas ist "Wedding Peach", beide Mangas sind als Zeichentrickserien, als "Animes" verfilmt worden und waren bereits im deutschen Fernsehen zu sehen.

Häufig werden in den Mangas Rollenprobleme von Mädchen verhandelt. Ein bekannter Shojo Manga ist "Rose von Versailles" von Riyoko Ikeda: ein Mädchen verkleidet sich als Junge und wird Offizier am Hofe Ludwigs XVIII., schwärmt aufs Innigste für Königin Marie Antoinette und bekommt Probleme, als die französische Revolution ausbricht).Der Manga wurde verfilmt und lief in Deutschald auf RTL II unter dem Titel "Lady Oskar".

Zwei weitere Shojo - Mädchen Genres sind "Bi-Shonen"("Süße Jungs"), Mangas, in denen die Hauptpersonen mehrere hübsche Kerle sind, und "Shonen Ai" ("Jungs Liebe"), das sind Mangas für Frauen, die von meistens unmöglicher Liebe zwischen extrem hübschen Kerlen handeln. Das in Deutschland bekannteste Beispiel ist "Zetsuai" von Minami Ozaki: Ein berühmter Pop-Sänger verliebt sich rasend und verzweifelt in einen aufstrebenden, noch unbekannten Fußballspieler. Der aber glaubt, unter Homophobie zu leiden. Es gibt brisante Verwicklungen, Krankenhausaufenthalte und irrwitzige Missverständnisse, wie man sich denken kann...

Also.....Sie haben gerade Pause? Um die Ecke im Zeitschriftenladen gibt"s was Süßes....


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Beitrag vom 30.10.2002

Gerlinde Behrendt