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AVIVA-BERLIN.de im Mai 2018 - Beitrag vom 20.06.2008

L-Mag Kampagne - Deutschland wird lesbisch
Silvy Pommerenke

Das deutschlandweit einzige lesbische Magazin hat sich zu seinem f├╝nften Geburtstag keine leichte Aufgabe gestellt, denn unsere Republik soll endlich lesbisch werden. Was als Provokation klingt,...



...ist auch als solche gemeint, denn trotz des Will-Meckel-Medienrummels sind Lesben nach wie vor zu unsichtbar in der Gesellschaft.

Es geht bei der L-Mag-Kampagne vor allem um die Sichtbarmachung von homosexuellen Frauen, die etwa einem Anteil von f├╝nf Prozent der Gesamtbev├Âlkerung entsprechen, was in konkreten Zahlen ├╝ber vier Millionen Lesben bedeutet. Manuela Kay, Chefredakteurin des lesbischen Magazins, ├Ąu├čerte auf der Pressekonferenz am 19. Juni 2008 ihren Unmut ├╝ber die Tatsache, dass Lesben "immer noch unter dem ├Âffentlichen Radar fliegen". Am├╝sante Vergleiche zog sie heran, um zu verdeutlichen wie gegens├Ątzlich die Gr├Â├če dieser Gruppierung und deren Au├čenwahrnehmung ist, denn immerhin entspricht die Gr├Â├čenordnung von f├╝nf Prozent der W├ĄhlerInnenschaft der FDP, oder aber den aktiven AnglerInnen in unserem Land. Von der FDP liest man t├Ąglich etwas in der Presse, die AnglerInnen hingegen haben nicht nur ein einziges Magazin, sondern gleich mehrere, die diese "Randgruppe" mit Informationen beliefert.

Es ist das ewige Stigma der Lesben. Im Gegensatz zu den Schwulen werden sie immer noch in die Schublade "kurzhaarig, bulldoggig, m├Ąnnerfeindlich" gesteckt. Unsere schwulen Jungs hingegen sind die Trendsetter von morgen, leben in Luxus-Appartements, haben ein Jahreseinkommen von mehreren zehntausend Euro und sind gerngesehene Gesellschaft, weil sie immer geschmackvoll gekleidet sind, die g├Ąngigen Umgangsformen beherrschen und einfach stylisch sind ... Was der ├ľffentlichkeit bei diesem eingeschr├Ąnkten Blickwinkel nach wie vor fehlt ist, dass es sowohl in der L- als auch in der S-Gruppe eine sehr differenzierte Lebenswelt gibt, die eben nicht nach Schema F zu beurteilen ist, denn es gibt durchaus den unstylischen Schwulen, sowie die feminine h├╝bsche Lesbe.

Aber lamentieren bringt nichts, sondern tatkr├Ąftige Aktionen sollen Lesben nun st├Ąrker in die ├ľffentlichkeit transportieren. Der provokante Kampagnentitel findet sich auf den daf├╝r speziell gedruckten Aufklebern, und das L-Zeichen, das starke ├ähnlichkeit mit dem Victory-Zeichen hat, soll f├╝r die Sichtbarkeit von Lesben f├╝hren, und andere dazu animieren, sich ebenfalls gegen die Vorurteile zu stellen ÔÇô ob nun Homo oder Hetero. Neben Manuela Kay waren auf der Pressekonferenz in Sch├Âneberg noch Dr. Carolin Miltenburger und Tanja Walther anwesend. Miltenburger, ehemalige Hauptabteilungsleiterin in einem Berliner Pharmaunternehmen, jetzt bei einer globale Unternehmensberatung und im Netzwerk Wirtschaftsweiber e.V. aktiv, dem einzigen bundesweiten und branchen├╝bergreifenden Netzwerk in Deutschland f├╝r Lesben in Fach- und F├╝hrungspositionen. Befragt, warum es so wenig lesbische F├╝hrungskr├Ąfte in Deutschland g├Ąbe, hatte sie schnell eine Antwort parat, denn hierzulande gibt es nicht nur wenige lesbische F├╝hrungskr├Ąfte, sondern insgesamt wenig Frauen in den Spitzenpositionen. Auch sieht Miltenburger das negative Image von Lesben f├╝r die marginale Zahl verantwortlich und fehlende Role-Models w├╝rden ihrerseits dazu f├╝hren, dass Lesben nur selten in diesen Positionen zu finden sind.

Tanja Walther, ehemalige Fu├čball-Bundesliga-Spielerin und Mitakteurin bei der European Gay & Lesbian Sport Federation (EGLSF), die sich f├╝r die Belange von Lesben und Schwulen im Sport einsetzt, wartet mit ├Ąhnlichen Erfahrungen auf. Ihre pr├Ąferierte und m├Ąnnlich dominierte Sportart ├Âffnet sich nur langsam f├╝r Frauen, und auch hier ist das Interesse insgesamt weitaus geringer als das f├╝r M├Ąnnerfu├čball. Man braucht sich nur die aktuelle EM ansehen, den Medienrummel darum und die Hysterie auf den Stra├čen. Kein Vergleich zu der Frauen-EM vom letzten Jahr in China. Erstaunlich ist allerdings, dass vielen Fu├čballerinnen unterstellt wird, sie seien lesbisch. Bei einigen mag das zutreffen, bei anderen wiederum nicht, aber kaum eine w├╝rde sich ├Âffentlich outen, denn das runde Leder und Homosexualit├Ąt passen scheinbar nicht zueinander und k├Ânnte zu einem schmerzlichen Karriereknick f├╝hren. Aber das genau interessiert die Presse wahnsinnig. Walther wurde h├Ąufig in Interviews nicht etwa nach Spielleistung, Teamaufstellung oder Wettkampfvorbereitung gefragt, sondern sensationsl├╝stern wurde da nachgehakt, welche Spielerin wohl lesbisch, welcher Spieler schwul sei, und was man denn nach dem Spiel so alles in den Duschr├Ąumen machen w├╝rde. Selbstredend hat sie darauf nicht geantwortet, denn es sollte doch der Sport im Vordergrund stehen, und wenn die SpielerInnen sich selbst nicht outen, werden sie auch nicht fremdgeoutet.

Dieses Schranklesbendasein ist eine Tatsache, die wiederum Manuela Kay in Frage stellt. Nat├╝rlich ist es jeder selbst ├╝berlassen, wie, wann und ob sie sich outet. Aber, und das kam auch bei der Pressekonferenz heraus, das was in unserem Land fehlt, sind eindeutig (lesbische) Role-Models. Je mehr an die ├ľffentlichkeit gehen, je h├Ąufiger das L-Wort genannt wird, umso leichter f├Ąllt es dem Nachwuchs, sich gegen die g├Ąngigen Gesellschaftsmuster zu stellen und selbstbewusst ein Coming-out zu haben. Immerhin, und das l├Ąsst hoffen, hat die queere Community einen Unterst├╝tzer in Theo Zwanziger gefunden, dem Pr├Ąsidenten des Deutschen Fu├čballbundes.

Weitere Informationen zur Kampagne bei
www.l-mag.de

Public Affairs Beitrag vom 20.06.2008 Silvy Pommerenke 





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