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AVIVA-BERLIN.de im Juni 2018 - Beitrag vom 23.03.2007

Babyklappe und Anonyme Geburt
Clarissa Lempp

Immer wieder werden Kinder ausgesetzt oder get├Âtet. Die Aktion "Babyklappe ... Bevor Babys in die Tonne kommen" m├Âchte durch Aufkl├Ąrung und Information M├╝tter in Notlagen erreichen.



Im Januar 2007 wurde der neugeborene Moritz in einem Buswarteh├Ąuschen in Zehlendorf aufgefunden. Das Kind hatte Gl├╝ck und wurde rechtzeitig in eine Klinik gebracht. Warum hatte die Mutter Moritz nicht in einer sicheren Babyklappe abgegeben? Schlie├člich gibt es allein innerhalb Berlins vier Babyklappen. Kannte sie das Hilfsangebot gar nicht? Auf Antrag der Fraktion der Gr├╝nen wurde das Thema in einem Ausschuss behandelt. Dabei ├Ąu├čerten sich Bef├╝rworterInnen und KritikerInnen zu der Frage wie und ob ├╝berhaupt ├Âffentliche Hinweise auf Babyklappen veranlasst werden d├╝rfen. Denn Hilfsangebote wie die Babyklappe oder eine anonyme Geburt bewegen sich in einer rechtlichen Grauzone.

Gabriele Stangl, Seelsorgerin des Krankenhauses Waldfriede, das im September 2000 die erste Babyklappe in Berlin er├Âffnete, berichtete, dass sich in sechseinhalb Jahren 77 Frauen gemeldet haben um sich ├╝ber die Babyklappe zu informieren. Nur Elf von ihnen haben die Babyklappe dann tats├Ąchlich genutzt. Zwar sieht auch Gabriele Stangl Babyklappe und anonyme Geburt als die letzten L├Âsungen in einer extremen Situation, aber sie wies auch darauf hin, dass die Tabuisierung und der rechtliche Status des Angebots weiterhin Frauen abschrecken k├Ânnte. Ursula K├╝nning, von 2001 bis 2003 Koordinatorin des Verbundprojekts Babyklappe von Caritas und Diakonie in Berlin, sieht vor allem eine Notwendigkeit der Rechtssicherheit f├╝r das Angebot der anonymen Kindesabgabe. Organisationen wie der Deutsche Juristinnenbund und die Bundesrechtsanwaltskammer stehen dem indessen kritisch gegen├╝ber. Schlie├člich seien vier Gesetzentw├╝rfe nicht umsonst im Bundesrat gescheitert. Stangl wie auch K├╝nning pl├Ądieren deshalb f├╝r eine intensive und breite Aufkl├Ąrungsarbeit ├╝ber Medien und die zust├Ąndigen Beh├Ârden. Diese sollen auch st├Ąrker pr├Ąventive Aufkl├Ąrung unter Einbezug der bestehenden Angebote betreiben.

Die Kriminologin Prof. Dr. Christine Swientek gab zu bedenken, dass nicht nur Frauen in einer Notlage ihre Kinder in Babyklappen aussetzen. Auch V├Ąter und Gro├čeltern seien daran beteiligt. Etwa 30 % aller Frauen, die eine anonyme Geburt vollziehen, w├╝rden trotzdem vom Partner oder den Eltern begleitet. Auch die fehlende M├Âglichkeit der Nachsorge f├╝r die M├╝tter empfindet Swientek als bedenklich. Das gr├Â├čte Problem in der "Bewerbung" des Themas sieht sie aber darin, dass es auch Frauen anspricht, die sich einfach nur ├╝berfordert f├╝hlen. Als Beispiel f├╝r den Missbrauch der Babyklappe nannte sie Herne. Hier berichtete ein Arzt von 25 anonymen Geburten in den letzten Jahren, obwohl seit 20 Jahren keine Aussetzung oder T├Âtung bekannt war.

Hans Wall, Gesch├Ąftsf├╝hrer der Wall AG, eines Unternehmens, die Werbefl├Ąchen in Berliner Buswarteh├Ąuschen unterh├Ąlt, unterst├╝tzt die Aktion "Babyklappe ... Bevor Babys in die Tonne kommen" des B├╝ndnis 90/Die Gr├╝nen. Die Plakate mit den Adressen der Babyklappen sowie des Kindernotdienstes in Berlin werden ab 26.3.2006 f├╝r eine Woche h├Ąngen. Au├čerdem wird es begleitend dazu eine Informationsveranstaltung geben. Hans Wall hat ├╝brigens eine Patenschaft f├╝r Moritz ├╝bernommen. Er finanzierte nicht nur die Krankenhauskosten, sondern wird auch zuk├╝nftig f├╝r seine Ausbildung aufkommen.

Mehr Informationen zur Aktion Babyklappe gibt es im Internet:
www.aktion-babyklappe.de

Eine Informationsveranstaltung zum Thema Babyklappen in Berlin wird voraussichtlich am 30. M├Ąrz 2007 stattfinden. Mehr Informationen dazu erhalten Sie ├╝ber:
anja.kofbinger@gruene-fraktion-berlin.de

Informationen zur anonymen Geburt und Standorte von Babyklappen im gesamten Bundesgebiet finden Sie hier im Internet.


Ein Notruftelefon f├╝r Schwangere und M├╝tter mit Neugeborenen in Not erreichen Sie kostenlos rund um die Uhr unter der Nummer: 0800 456 0 789

Kritische Stimmen:
Stellungnahme des Juristinnenverbands
Positionspapier von Terre des Hommes


Public Affairs Beitrag vom 23.03.2007 Clarissa Lempp 





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