Das neue Eva-Prinzip - Arbeitslosigkeit - Aviva - Berlin Online Magazin und Informationsportal für Frauen aviva-berlin.de Public Affairs
AVIVA-Berlin .
.
P
R
.
.

Finanzkontor
AVIVA-Berlin > Public Affairs AVIVA-Newsletter bestellen
AVIVA-Berlin auf Facebook AVIVA-Berlin auf twitter
   Aviva - Home
   Veranstaltungen in Berlin
   Women + Work
   Public Affairs
   Politik + Wirtschaft
   Diskriminierung
   Veranstaltungen in Berlin
   Kultur
   J├╝disches Leben
   Interviews
   Literatur
   Music
   Sport
   E-cards
   Gewinnspiele
   Werben bei uns
   About us
   Frauennetze
 


Happy Birthday AVIVA




AVIVA wishes you a happy and peaceful New Year 2018




Aviva-Berlin.de

Versatel






 



AVIVA-BERLIN.de im Mai 2018 - Beitrag vom 11.09.2007

Das neue Eva-Prinzip - Arbeitslosigkeit
Jule Fischer

Eva Herman lobt die NS-Familienpolitik und fliegt beim NDR raus. Nun hat sie viel Zeit f├╝r ihren "Mutterkreuzzug" gegen die arbeitende Frau und f├╝rs Apfelkuchenbacken



Ihren weisen Rat an "uns" Frauen h├Ątte Eva Herman besser selbst befolgt: "Einfach mal den Mund halten".
Vielleicht w├Ąre die fr├╝here Tagesschau-Sprecherin dann noch Moderatorin beim NDR. Bei der Vorstellung ihres neuen Buches "Das Prinzip Arche Noah. Warum wir die Familie retten m├╝ssen" am 6. September 2007 in Berlin, lie├čen einige ├äu├čerungen Hermans zur Familienpolitik erneut Zweifel an der geistigen Kompetenz der Ex-Moderatorin zu.

Richtig unsch├Ân wurde es jedoch, als die ehemalige Tagesschau-Sprecherin aus heiterem Himmel anfing, die Familienpolitik der Nazis zu loben. In alter "Hitler-hatÔÇôdie-Autobahnen-gebaut-Manier" hie├č es w├Ârtlich und zusammenhanglos: "Aber es ist damals auch das, was gut war, und das sind Werte, das sind Kinder, das sind M├╝tter, das sind Familien, das ist Zusammenhalt ÔÇô das wurde abgeschafft, es durfte nichts mehr stehen bleiben."

Lange, vielleicht zu lange hatte der NDR die ├Âffentlichen Parolen seiner Moderatorin als "Privatsache" geduldet. Keine Privatsache mehr war jedoch die Verniedlichung des Nationalsozialismus.
Volker Herres, Fernsehprogrammdirektor des NDR zog die Konsequenzen und verk├╝ndete die Trennung von Sender und Moderatorin mit den Worten "Frau Herman steht es frei, ihren ┬┤Mutterkreuzzug┬┤ fortzusetzen, aber mit der Rolle einer NDR-Fernsehmoderatorin ist dies nicht l├Ąnger zu vereinbaren".

Noch deutlicher wurde Michael F├╝rst, Mitglied des NDR-Verwaltungsrates und Vorsitzender der J├╝dischen Gemeinde von Hannover: "Wenn sie diesen verquasten Unsinn so gesagt hat, spricht das f├╝r ein sehr schlichtes Gem├╝t und ist historisch unverantwortlich. Dieses schlichte Gem├╝t zeigt sich auch in ihren B├╝chern."

Verbaler "Ausrutscher" oder "tiefsitzender Hass gegen die moderne Lebenswelt"?
Schon am Tag des Rausschmisses stritten viele InternetdiskutantInnen ├╝ber die Reaktion des NDR. Nicht wenige hielten sie f├╝r ├╝berzogen, es sei schlie├člich nur ein "verbaler Ausrutscher" gewesen.

Dass es sich nicht um einen solchen "Ausrutscher" handelte, sondern dies vielmehr der ber├╝hmte Tropfen in dem ├╝bervollen Fass war, der zur Trennung von Eva Herman f├╝hrte, best├Ątigte Herres ebenfalls. Herman hatte ihre Vorstellungen zur NS-Familienpolitik auch vor dem NDR noch einmal best├Ątigt.
Doch es war nicht nur ihre letzte, unfassbare Entgleisung, die Herman ins Abseits bef├Ârderte. Zweifel an der demokratischen Gesinnung der selbsternannten Tabubrecherin waren in der Vergangenheit mehrfach aufgekommen.
So konnte sie der NDR 2006 nur m├╝hsam von einem Vortrag bei einer Unterorganisation der rechtsnationalen FP├ľ abbringen.

Nach Meinung der sch├Ąrfsten Herman-Kritikerin Thea Dorn ("Die F-Klasse") h├Ątte der NDR bereits im letzten Herbst Konsequenzen ziehen m├╝ssen, denn "das "Eva-Prinzip", h├Ątte genug Anlass geboten, daran zu zweifeln, dass sich seine Autorin noch im ideellen Raum einer freiheitlich-demokratischen Grundordnung bewegt".
In ihrem Artikel "Endlich Zeit f├╝r Apfelkuchen" f├╝r "SPIEGEL ONLINE" entlarvt Dorn den totalit├Ąren Kern des hermanschen Weltbilds, welcher sich speziell im Vokabular der Ex-Moderatorin widerspiegelt.

Die st├Ąndig wiederholte Parole "Wir Deutschen sterben aus" ist nur ein Beispiel, der Begriff "Aufbewahrungsanstalten" f├╝r Kinderg├Ąrten ist ein anderes aus dem Kreuzzugw├Ârterbuch von Eva Herman.
Wie Dorn im Deutschlandfunk erkl├Ąrte, sei dieses Weltbild von "Tiefsitzendem Hass auf die moderne Lebenswelt" gepr├Ągt.

Ist Eva Herman "christliche Fundamentalistin"?
NDR-Programmchef Volker Herres beklagte weiterhin, Eva Herman habe in ihrer Funktion als Buchautorin den n├Âtigen Abstand zu ihrer Arbeit als Moderatorin vermissen lassen. So forderte sie in ihrer Sendung mit Bettina Tietjen beispielsweise die Kirchen auf, st├Ąrker im Fernsehen Pr├Ąsenz zu zeigen und sich deutlicher zum Rollenverst├Ąndnis von Mann und Frau zu ├Ąu├čern.

Beleidigt zeigte sich Herman bei der Pressekonferenz dar├╝ber, als christliche Fundamentalistin hingestellt zu werden. Dies ist jedoch nicht abwegig, vertritt sie doch Positionen, die nicht einmal mehr der Vatikan verk├╝ndet.

In seinem "Brief an die Frauen" bewies Johannes Paul II., dass selbst der Vatikan Eva Herman um einige Jahrhunderte ├╝berholt hat. Zur Pekinger Weltfrauenkonferenz 1995 schrieb er:
"Dank sei dir, berufst├Ątige Frau, die du dich in allen Bereichen des sozialen, wirtschaftlichen, kulturellen, k├╝nstlerischen und politischen Lebens engagierst, f├╝r deinen unverzichtbaren Beitrag zum Aufbau einer Kultur, die Vernunft und Gef├╝hl zu verbinden vermag, zu einem Verst├Ąndnis vom Leben, das stets offen ist f├╝r den Sinn des ┬┤Geheimnisses┬┤, zur Errichtung wirtschaftlicher und politischer Strukturen, die mehr Menschlichkeit aufweisen."

Eva Hermans Werke haben nicht nur totalit├Ąre Z├╝ge, sie sind auch von einem religi├Âsen Fundamentalismus gepr├Ągt. Denn wie Herman sehen FundamentalistInnen dem Wandel von Gesellschaft und Kirche naturgem├Ą├č pessimistisch entgegen. Da sie die Gegenwart als verkommen ansehen, fordern sie die R├╝ckbesinnung auf traditionelle Werte und Dogmen. Nichts sehnlicher als das w├╝nscht sich auch Eva Herman.

Das Buch
Um das "Eva-Prinzip" wurde 2006 heftig gestritten, in nahezu jeder Kritik fiel das Buch gnadenlos durch, weil es von Plattit├╝den ├á la "M├Ąnner sind nicht zur Hausarbeit veranlagt" oder "Wir leben im Sozialismus" nur so wimmelt. Doch Eva Herman hat nichts aus der Kritik gelernt. Im Gegenteil: Ihr neues Buch "Das Prinzip Arche Noah. Warum wir die Familie retten m├╝ssen" zeigt eine Radikalisierung ihrer Positionen, die mit noch haarstr├Ąubenderer Faktenungenauigkeit belegt werden.

"Gender-Mainstreaming" nach Hausfrauenart
Ihre Auseinandersetzung mit dem Begriff "Gender-Mainstreaming" im 6. Kapitel von "Das Prinzip Arche Noah" steht stellvertretend f├╝r das ganze Buch. Die Durchsetzung des Prinzips "Gender-Mainstreaming" hat nach Eva H. "die Uniformierung des Menschen" zum Ziel, sie verfolge "eine Strategie, wie sie totalit├Ąren Systemen zu eigen ist."
"Gender-Mainstreaming" hat jedoch nichts mit Gleichmacherei zu tun, es bezeichnet vielmehr ein Konzept der Entwicklungspolitik, welches statt spezieller Frauenpolitik beide Geschlechter gleicherma├čen in die Planung einbeziehen soll. Gender unterscheidet sich vom biologischen Geschlecht. Der Begriff bezeichnet die sozial, kulturell oder gesellschaftlich konstruierten Geschlechterrollen. Es soll nicht nur Frauen helfen, beispielsweise beruflich die gleichen Chancen zu haben wie M├Ąnner. Gender hilft auch M├Ąnnern, sich vom Rollenverst├Ąndnis zu l├Âsen. Dies passt nat├╝rlich nicht in das Weltbild von Eva Herman, bei der M├Ąnner immer den Besch├╝tzer spielen m├╝ssen und Frauen das Heimchen am Herd.

Problematisch sind jedoch nicht Eva Hermans Vorstellungen zu ihrer pers├Ânlichen Rolle als Frau und Mutter. Jedem Menschen ist es freigestellt, ob er gem├Ą├č dem traditionellem Rollenbild lebt oder nicht. Selbstverst├Ąndlich sollen Frauen UND M├Ąnner, die ihre Kinder zuhause erziehen genauso respektvoll behandelt werden, wie Berufst├Ątige.
ABER: Das Recht auf diese Meinung ist im Falle Eva Hermans zu einem missionarischen Feldzug mutiert, der populistisch und skandal├Âs schlecht recherchiert ist.

Beispielsweise f├╝hrt Eva Herman erneut die Berufst├Ątigkeit von Frauen auf die geringe Fertilit├Ątsrate zur├╝ck. Sie beruft sich hierbei auf das Statistische Bundesamt. Komisch. Das Statistische Bundesamt schreibt etwas ganz anderes: "So zeigen international vergleichbare Studien, dass eine hohe Frauenbewerbsbeteiligung sowohl mit geringen wie auch mit hohen Fertilit├Ątsraten korrelieren. Beispiele f├╝r einen positiven Zusammenhang zwischen der Frauenerwerbsquote und Geburtenziffern sind Norwegen und Island. Vice Visa ist eine geringe Erwerbsbeteiligung nicht gleichbedeutend mit einer hohen Fertilit├Ątsrate, sondern kann ebenso mit einem niedrigen Geburtenniveau einhergehen. Beispiele hierf├╝r sind Italien, Griechenland und Spanien."
Siehe Statistisches Bundesamt.

Die Debatte um Eva Herman wird uns wie im vergangenen Herbst lange weiter besch├Ąftigen. Hoffentlich wird dank Thea Dorn vielleicht auch den Ewiggestrigen klar werden, dass Eva Herman nicht das Opfer eines "aufgebauschten Ausrutschers" ist, sondern seit Jahren ein untragbares Weltbild propagiert. Am Nationalsozialismus gibt es nichts zu verharmlosen. Wahrscheinlicher ist es wohl, dass die Eva-Herman-Fangemeinde Thea Dorn gar nicht liest und stattdessen weiter "endlich hat es mal einer gesagt" schwadroniert.
In Deutschland ist es scheinbar kein Tabubruch, antifreiheitliche und frauenfeindliche Parolen von sich zu geben. Daf├╝r wird man nicht gefeuert. Wenigstens bleibt uns aber, wie Thea Dorn schreibt, eine der stabilsten Schwellen zum Tabubruch. Und diese Schwelle ist ├╝bertreten, wenn "S├Ątze ├╝ber das ┬┤Dritte Reich┬┤ mit einem ┬┤Es war nicht alles schlecht┬┤ ...beginnen."

Weitere Infos:
Homepage von Thea Dorn: www.theadorn.de
SPIEGEL ONLINE: www.spiegel.de
Nachrichten f├╝r JournalistInnen: www.newsroom.de
Netzeitung: www.netzeitung.de

Public Affairs Beitrag vom 11.09.2007 AVIVA-Redaktion 





  © AVIVA-Berlin 2018 
zum Seitenanfang suche sitemap impressum datenschutz home Seite weiterempfehlenSeite drucken