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AVIVA-BERLIN.de im Mai 2018 - Beitrag vom 30.03.2003

270 F├Ąlle von Geschmacklosigkeit, Diskriminierung, Gewaltverherrlichung
Meike B├Âlts

Beschwerden ├╝ber frauendiskriminierende, bzw. frauenverachtende Werbema├čnahmen sind im letzten Jahr leicht r├╝ckl├Ąufig gewesen - so der Vorsitzende des deutschen Werberates J├╝rgen Schrader.




Mitte M├Ąrz pr├Ąsentierte der deutsche Werberat in Berlin die Jahresbilanz des von der Werbeindustrie eingesetzten Kontrollgremiums f├╝r 2002:
Insgesamt lagen dem Werberat 1.985 Einspr├╝che zu 389 Werbeaktionen vor.
F├╝r 119 der Aktionen war der Werberat nicht zust├Ąndig, weil ein Rechtsversto├č vorlag, es sich nicht um Wirtschaftswerbung handelte oder gegen die Pers├Ânlichkeitsrechte der Beschwerdef├╝hrerin bzw. des Beschwerdef├╝hrers versto├čen wurde.

Auff├Ąllig hoch war im letzten Jahr die Menge der eingegangenen Beschwerden.
Das Anschwellen auf das Dreifache des Vorjahres ist darauf zur├╝ckzuf├╝hren, dass eine einzige Kampagne ├╝ber 1.000 Beschwerden nach sich zog: Die Bild-Zeitung hat im letzten Jahr Werbung f├╝r eine redaktionelle Reihe ├╝ber die sexuellen Vorlieben von Frauen geschaltet. Die Frauen waren jeweils mit anz├╝glichen Spr├╝chen, wie zum Beispiel "Mittags krieg ich Hunger. Auf Sex.", abgebildet. Der Werberat stimmte in diesem Fall nicht mit den Beschwerden ├╝berein und berief sich dabei auf die Pressefreiheit:

Die Plakate h├Ątten eindeutig auf ein redaktionelles Vorhaben, eine Serie, aufmerksam gemacht. "Die f├╝r redaktionelle Beitr├Ąge grundgesetzlich garantierte Pressefreiheit gilt gleichfalls f├╝r die Bewerbung solcher Redaktionsangebote", sagte Schrader. Trotz einiger moralischer Fragezeichen k├Ânne die Werbung auch nicht als frauendiskriminierend eingestuft werden. Die abgebildeten Frauen h├Ątten sich ├╝ber ihre pers├Ânlichen Bed├╝rfnisse ge├Ąu├čert.

Insgesamt unterst├╝tzte der Werberat rund ein Drittel der Beschwerden:
81 Werbema├čnahmen wurden daraufhin aus dem Markt entfernt oder entsprechend abge├Ąndert. Sechs davon allerdings erst, nachdem der Werberat zu seinem h├Ąrtesten Werkzeug gegriffen hatte: Der ├Âffentlichen R├╝ge.

Die Statistik der Vorw├╝rfe der Beschwerdef├╝hrerinnen und Beschwerdef├╝hrer liest sich wie folgt:


Unterstellte Vorw├╝rfeAnzahl Werbema├čnahmen
200020012002
Frauendiskriminierung8910899
Gef├Ąhrdung von Kindern/Jugendlichen allg.172129
Gewaltdarstellung404026
Diskriminierung von Personen/-gruppen2819
Verletzung religi├Âser Gef├╝hle163511
Rassendiskriminierung986
Versto├č gegen Alkoholregeln des Werberats655
Versto├č gegen Kinderregeln des Werberats-175
Darstellung gef├Ąhrlicher Situationen453
M├Ąnnerdiskriminierung4--
andere Inhalte815867
Gesamt268305270

Quelle: Jahrbuch Deutscher Werberat 2003


J├╝rgen Schrader betonte auf der Pressekonferenz, dass trotz Wirtschaftskrise kein Trend zu Provokationen zu erkennen sei:

Bei der Entscheidung, wie eine Firma mit ihrer Werbung ├Âffentlich auftritt, werde soziales Mitf├╝hlen eher gro├č als klein geschrieben. Missbrauch von Erotik und Sexualit├Ąt, Gewaltdarstellungen, Verletzung religi├Âser Gef├╝hle, Gef├Ąhrdung von Kindern und Jugendlichen vermeide die Wirtschaft weitgehend.

Dies ist eine ├Ąu├čerst wohlwollende Feststellung.
Denn 270 F├Ąlle von Geschmacklosigkeit, Diskriminierung, Gewaltverherrlichung und ganz einfach nur Dummheit zeigen, dass beinahe an jedem Arbeitstag irgendeine Werbeagentur oder eine Marketingabteilung Moral Moral sein l├Ąsst und Provokation willentlich in Kauf nimmt. Haben diese Unternehmen kein Interesse an dem Wert ihrer Marke?

Weitere Informationen zum Werberat sind zu finden unter www.werberat.de.
Haben Sie eine Werbeaktion gesehen, die Ihnen fragw├╝rdig erscheint? Dann mailen Sie uns: mies@aviva-berlin.de. Wir werden die Beschwerde an den Werberat weiterleiten und Sie ├╝ber den Stand der Dinge auf dem Laufenden halten.




Public Affairs Beitrag vom 30.03.2003 AVIVA-Redaktion 





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