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AVIVA-BERLIN.de im Mai 2018 - Beitrag vom 12.06.2008

Mitte gegen Rechts. Aktion weiterhin auf Hilfe angewiesen
Stefanie Denkert

Die Amadeu Antonio Stiftung unterst├╝tzt die Nachbarschaft im Protest gegen "Tonsberg", einem Szeneladen f├╝r Rechtsextreme in der Rosa-Luxemburg-Stra├če, mit einer Stra├čenausstellung, die ├╝ber ...



... Neonazis aufkl├Ąrt und ├╝ber j├╝dische Geschichte informiert.

Am 1. Februar 2008, im ehemals durch j├╝disches Leben gepr├Ągten Scheunenviertel in Berlin-Mitte, er├Âffnete eine Filiale des Kleidungsgesch├Ąfts "Tonsberg". Wegen des Verkaufs von Bekleidungsst├╝cken der Marke "Thor Steinar", die in der rechten Szene wegen ihrer v├Âlkischen Symbolik bei Neonazis beliebt ist und vom Verfassungsschutz als "szenetypisches Erkennungs- sowie ┬┤Abgrenzungsmerkmal┬┤" bezeichnet wird, sind bereits mehrere L├Ąden von "Tonsberg", in 2007 in Magdeburg sowie in Berlin, gek├╝ndigt worden. Nun k├Ąmpfen auch die AnwohnerInnen der Rosa-Luxemburg-Stra├če, mit der von ihnen neu gegr├╝ndeten Initiative ┬┤Mitte gegen Rechts┬┤, gegen einen Anziehungspunkt f├╝r Rechtsextreme in ihrer Nachbarschaft.

Bereits zur Er├Âffnung waren AktivistInnen der Kampagne ┬┤Stop Thor Steinar┬┤ vor Ort, um mit Flugbl├Ąttern und pers├Ânlichen Gespr├Ąchen die AnwohnerInnen ├╝ber die Hintergr├╝nde der Marke aufzukl├Ąren. Silvio Kurz, Sprecher der Kampagne, erkl├Ąrte dem Tagesspiegel (1.2.08): "Die Nachbarn waren ziemlich erschrocken, dass in ihrer Stra├če ein Anlaufpunkt f├╝r Rechtsextremisten aufmachen soll", aber "Wir werden den Neonazis ihr Einkaufsvergn├╝gen gr├╝ndlich vermiesen".

Obwohl sie rechtlich nicht gegen die Er├Âffnung des Ladens vorgehen konnten, hat die Initiative einen Weg gefunden, effektiv und friedlich dagegen zu protestieren: Am 30. Mai 2008 veranstaltete ┬┤Mitte gegen Rechts┬┤ ein Stra├čenfest, bei dem drei Container, die sich mit modernen Erscheinungsformen des Rechtsextremismus, der j├╝dischen Geschichte des Kiezes und den Symbolen des Rechtsradikalismus auseinandersetzen, aufgestellt wurden. Die Container sollen als Plattform dienen, die jede/r nutzen kann, um sich mit dem Thema auseinander zu setzen. "Alle Formen der Kunst sind erw├╝nscht. Ob man die Container besprayt, bedruckt oder bemalt bleibt jedem selbst ├╝berlassen. Man kann sogar etwas h├Ąkeln oder stricken wenn man m├Âchte", so Lilian Engelmann, eine der Gr├╝nderinnen der Initiative. Die Idee ist, dass die Container immer wieder neu beklebt werden ohne die alten Plakate abzunehmen, so dass man sieht, wie viele Leute sich an dem Projekt beteiligen.
Wer sich beteiligen m├Âchte muss seine Plakate nur den Gr├╝nderInnen vorlegen, damit diese entscheiden k├Ânnen ob sie auf den Container kommen. Ein beispielhaftes Engagement, das hoffentlich viele NachahmerInnen finden wird.

Erm├Âglicht wurde der Bau der Container unter anderem durch eine Spendenaktion der Amadeu Antonio Stiftung, bei der eine imposante Summe von 4.570 Euro von 31 SpenderInnen zusammen kam. Timo Reinfrank von der Amadeu Antonio Stiftung lobte das Engagement: "Rechtsextremismus wird immer noch nicht als Problem der Mehrheitsgesellschaft gesehen und kommunale Verwaltungen f├╝hlen sich daf├╝r nicht zust├Ąndig bzw. reden das Problem klein oder weg. Dies ist hier in Mitte anders".

Die Angestellten des "Tonsberg"-Ladens haben auf das Stra├čenfest auf ihre Art und Weise protestiert: Sie lie├čen laute Musik aus dem Laden schallen. Doch davon lie├č sich niemand beirren. Am Samstag auf dem Stra├čenfest fand um 14 Uhr die offizielle Containerer├Âffnung und bis 20 Uhr ein Open-Air Konzert, mit engagierten K├╝nstlerInnen wie Mark Aizikovitch, statt. Dennoch ist die Aktion weiterhin auf Hilfe angewiesen!

Laut taz soll die Ausstellung bis zum November 2008 laufen, doch gibt es ein Problem mit dem Plakatcontainer: in einem Monat l├Ąuft die Genehmigung aus, weil er einen Parkplatz besetzt. Rainer Maria-Frisch, Bezirkstadtrat (Die Linke), ist jedoch optimistisch, dass eine Verl├Ąngerung f├╝r die Genehmigung m├Âglich ist.

Schon im letzten Jahr waren die Proteste gegen eine "Tonsberg"-Filale erfolgreich:
Im August 2007 wurde dem Laden im Einkaufszentrum Berlin Carr├ę am Alexanderplatz der Mietvertrag gek├╝ndigt. Die Filiale gab es bereits seit 2005, nach erh├Âhtem Druck von Seiten der B├╝rgerInnen und der Politik sprach die Wohnungsbaugesellschaft Mitte (WBM) endlich die K├╝ndigung aus.

Unterst├╝tzen Sie den kreativen Protest mit einer kleinen Spende!
Spendenkonto: Amadeu Antonio Stiftung Stichwort "Thor Steinar" Deutsche Bank Bensheim Konto: 030331330 BLZ: 509 700 04 (Auf Wunsch werden steuerabzugsf├Ąhige Spendenquittungen erstellt).

Weitere Infos unter:

www.amadeu-antonio-stiftung.de/aktuelles/mitte

(Quellen: Amadeu Antonio Stiftung, Tagesspiegel, taz)

Public Affairs Beitrag vom 12.06.2008 AVIVA-Redaktion 





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