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AVIVA-BERLIN.de im Juni 2018 - Beitrag vom 01.04.2008

Erneut antisemitische Beleidigungen gegen TuS Makkabi
AVIVA Redaktion

Beim Spiel der j√ľdischen Fu√üballmannschaft TuS Makkabi I gegen den Adlershofer BC kam es am 29. M√§rz 2008 in der Fu√üballverbandsliga zu rechtsradikalen Vorf√§llen mit anschlie√üenden Festnahmen.



Wie die Berliner Polizei mitteilte, hat ein 44-j√§hriger Mann nach dem Fu√üballspiel auf einem Sportplatz im Lohnauer Steig in Adlershof den "Hitlergru√ü" gezeigt. Der dort eingesetzte Polizeibeamte beobachtete, wie der Mann den rechten gestreckten Arm erhob und der j√ľdischen Gastmannschaft laut Naziparolen zurief, nachdem das Verbandsliga-Spiel gegen 15. 45 Uhr beendet war. Erste Ermittlungen haben weiterhin ergeben, dass ein 38-j√§hriger Mann die 58-j√§hrige Betreuerin des TuS Makkabi rechtsradikal beleidigt hat. Polizeibeamte stellten die Personalien der alkoholisierten T√§ter fest und brachten sie zur Blutentnahme.

Erst k√ľrzlich hatte Tuvia Schlesinger, Vorsitzender des TuS Makkabi in einem Interview (WOZ vom 27.03.2008) erkl√§rt: "Es vergeht kein Wochenende, an dem wir nicht angegriffen werden, keine Woche ohne ein antisemitisches Vorkommnis." Dabei gingen die Beleidigungen zwar haupts√§chlich, aber nicht nur, von gegnerischen Fans aus. Obwohl Schlesinger das Vorgehen des Berliner Fu√üballverbands gegen die Anfeindungen als "zu milde" kritisierte, erkennt er die eingeleiteten Ma√ünahmen, wie Schiedsrichter zum Thema Fremdenfeindlichkeit zu sensibilisieren oder die √úberarbeitung des Rechtswesens, an. Mit muslimischen Mannschaften, auch pal√§stinensischen Vereinen, g√§be es kaum Probleme, bei diesen Spielen "l√§uft das meistens sehr ruhig ab", denn "beide Bev√∂lkerungsgruppen sind sich der Brisanz bewusst" und selbst rassistischen Anfeindungen ausgesetzt.

Einer der krassesten antisemitischen Vorf√§lle gegen den einzigen j√ľdischen Sportverein in Berlin ereignete sich am 26. September 2006 beim Kreisliga-Spiel gegen den Ost-Berliner VSG Altglienicke. Die Makkabi-Spieler (TuS Makkabi II) wurden vor und w√§hrend des Matches von Zuschauern beschimpft ("Jude, verrecke", "Synagogen m√ľssen brennen") und bedroht, so dass letztendlich das Spiel abgebrochen wurde. Die Mannschaft verlie√ü das Feld unter Protest. Sp√§ter schloss das Sportgericht den Schiedsrichter, der nicht eingeschritten war, vom Berliner Fu√üball-Verband (BFV) aus. Schlesinger beschrieb diesen Vorfall als "Das Schlimmste, was einem j√ľdischen Verein seit der Hitler-Diktatur in Deutschland widerfahren ist" und kritisierte, dass der BFV "im Fall Altglienicke nicht konsequent genug" war.

√úbrigens spielen in der ersten Mannschaft des TuS Makkabi laut Schlesinger "aktuell nur zwei Juden mit. Aber alle unsere Spieler werden als Juden wahrgenommen. Schon deshalb, weil wir den Davidstern auf dem Trikot haben."

Verein mit Tradition
Unter dem Namen "Bar Kochba" wurde der Makkabi-Verein am 22. Oktober 1898 ins Leben gerufen. Niemand h√§tte es zu seiner Zeit f√ľr m√∂glich gehalten, dass eine der gr√∂√üten j√ľdischen Organisationen der Welt so seinen Ursprung erh√§lt. Im Jahre 1930 waren bereits 40.000 Mitglieder aus 24 L√§ndern registriert. Durch das Naziregime wurde dem Verein jedoch 1938 vorerst ein Ende gesetzt. Viele Jahre vergingen, bis sich der Verein neu gr√ľnden konnte. Am 26. November 1970 lie√ü eine kleine Gruppe j√ľdischer Sportler den "TuS Makkabi Berlin e.V." neu auferstehen. Bis heute z√§hlt Makkabi Berlin mit seinen rund 500 aktiven und passiven Mitgliedern zu einem der gr√∂√üten Makkabi Vereine Deutschlands. Makkabi ist mehr als nur ein Sportverein, selbst beim Deutschen Sportbund f√§llt Makkabi Deutschland unter die Rubrik: "Verein mit besonderer Aufgabenstellung". Dies spiegelt sich insbesondere in den Lokalvereinen wider, da Makkabi neben den zionistischen auch gesellschaftspolitische Ziele verfolgt. Im Rahmen von sportlichen Aktivit√§ten wird der Dialog zwischen Juden und Nichtjuden stark gef√∂rdert. Makkabi war und ist f√ľr viele Juden in Deutschland und in aller Welt eine Lebenseinstellung und eine Hoffnung auf ein friedliches Miteinander. (Vereinsinfo von TuS Makkabi Berlin e.V.)

Weitere Infos:

TuS Makkabi Berlin e.V.: www.tus-makkabi.de


Weiterlesen auf AVIVA Berlin:

Der Verteidiger. Das Portrait √ľber Tuvia Schlesinger von Pieke Biermann.

Klaus Faber, Julius H. Schoeps und Sacha Stawski (Hg.) "Neu-alter Judenhass"

(Quellen: Presseinformation der Berliner Polizei, WOZ, Tus-Makkabi.de)

Public Affairs Beitrag vom 01.04.2008 AVIVA-Redaktion 





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