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AVIVA-BERLIN.de im Mai 2018 - Beitrag vom 31.03.2008

Gr├╝ndung der EXIT-Familienhilfe
Britta Leudolph

Am 27.03.2008 stellte EXIT Deutschland die neue EXIT-Familienhilfe vor, die Familien mit rechtsextremen Familienmitgliedern ber├Ąt und begleitet. Im Gegensatz zu bestehenden Familienhilfen...



...sind in dieser Arbeit AussteigerInnen aus der rechtsextremen Szene direkt involviert.

EXIT-Deutschland ist eine von dem Ex-Kriminaloberat und polizeilichem Staatssch├╝tzer Bernd Wagner und Ex-Nazi-F├╝hrer Ingo Hasselbach mit Hilfe der Amadeu Antonio Stiftung, der Freudenberg Stiftung und dem Magazin Stern gegr├╝ndete Initiative, die seit 2000 AussteigerInnen aus der rechtsradikalen Szene Hilfe zur Selbsthilfe bietet.

Die bedeutende Rolle der Familie in der praktischen Auseinandersetzung mit rechtsextremen Herausforderungen wurde bisher untersch├Ątzt. W├Ąhrend ihrer langj├Ąhrigen Arbeit erfuhren EXIT MitarbeiterInnen immer wieder von ehemaligen Rechtsextremen, wie wichtig Diskussionen mit Andersdenkenden f├╝r sie waren, um kritische Fragen zur rechtsextremen Ideologie zu entwickeln und damit die Grundlage f├╝r Ausstiegsoptionen zu schaffen.

Diesen Ansatz greift die neue EXIT Familienhilfe auf und will damit den Gedanken des Ausstiegs aus der extremistischen Szenen von EXIT mit bisherigen Ans├Ątzen sozialer Familienarbeit verkn├╝pfen.

Das Verh├Ąltnis von Rechtsextremismus und Familie kann anhand von vier typischen Familienkonstellationen beschrieben werden:

1. Rechtsextreme Eltern mit rechtsextremen Kindern: Historisch gewachsene, rechtsextreme Familienzusammenh├Ąnge erscheinen besonders problematisch, der Einstieg in rechtsextreme Ideologie und Lebensform findet hier f├╝r die Kinder mit der Geburt statt, schon fr├╝h werden sie mit rechtsextremer Ideologie, Kult und Tradition konfrontiert. Auff├Ąllig ist auch, dass diese Eltern ihre Kinder weitestgehend aus nicht-rechtsextremen Zusammenh├Ąngen heraus halten. Der Ausstieg aus diesen Strukturen ist besonders schwierig, weil er fast zwangsweise mit einem Bruch mit der Familie, den Freunden und der individuellen Geschichte einhergeht.

2. Rechtsextrem orientierte Eltern mit nicht-rechtsextrem orientierten Kindern
Anders als bei der ersten Konstellation ist die rechtsextreme Ideologie der Eltern hier weniger wichtig, ├Ąu├čert sich zwar in Aussagen, Spr├╝chen und Interpretationen, ist aber nicht grunds├Ątzlich Leitlinie der Erziehung. Eine nicht-rechtsextreme Orientierung der Kinder f├╝hrt zwar meistens zu Spannungen, bedeutet aber nicht zwangl├Ąufig den Bruch mit den Eltern.

3. Nicht-rechtsextrem orientierte Eltern mit rechtsextrem orientierten Kindern
In vielen Orten bestehen rechtsextrem orientierte Cliquenzusammenh├Ąnge sowie ein gewichtiges rechtsextrem orientiertes Aktionsprogramm der rechtsextremen Szene. Eine Orientierung Jugendlicher an diesen Gruppenzusammenh├Ąngen beim ├ťbergang in die Pubert├Ąt kann eine rechtsextreme Orientierung innerhalb weniger Wochen oder Monaten nach sich ziehen und im schlimmsten Fall zu einer rechtsextremen Fundierung f├╝hren.

4. Nicht-rechtsextrem orientierte Eltern mit nicht-rechtsextrem orientierten Kindern
In einigen Regionen spielt Rechtsextremismus durch die hohe Pr├Ąsenz rechtsextrem orientierter Jugendlicher in Schule, Jugendarbeit und ├Âffentlichem Leben selbst in dieser Konstellation eine Rolle. Hier besteht die Gefahr, dass Rechtsextremismus als eine Meinung unter vielen interpretiert und als Normalit├Ąt verstanden wird, wie jede andere Gruppe oder Person auch. Verkannt wird hier die Problematik f├╝r explizite Opfergruppen rechtsextremen Denkens und Handelns und der daraus resultierenden allt├Ąglichen Gefahr.

Die EXIT-Familienhilfe will Unterst├╝tzung f├╝r Beteiligte in allen Konstellationen bieten, also nicht nur f├╝r Eltern, sondern auch f├╝r Geschwister, Gro├čeltern, NachbarInnen, LehrerInnen, SozialarbeiterInnen oder PolizistInnen. Sie bietet Beratung, Begleitung und Unterst├╝tzung f├╝r diese Personen in der Auseinandersetzung mit den rechtsextrem orientierten Menschen. Geplant sind au├čerdem die Gr├╝ndung von bundesweiten EXIT-Jugendnetzen, eines EXIT-Familiennetzes und eines EXIT-Gro├čelternnetzes.

Die EXIT-Familienhilfe nutzt vor allem aber die Erfahrungen und Kenntnisse ihrer AussteigerInnen und stellt deren Wissen betroffenen Familienmitgliedern zur Verf├╝gung.

Bei der Vorstellung der EXIT-Familienhilfe sprach auch die ehemals rechtsextreme Aktivistin Tanja Privenau. Sie machte anhand ihrer pers├Ânlichen Geschichte deutlich, wie schwierig ein Ausstieg aus der rechtsextrem orientierten Szene ist.
Sie war ├╝ber 20 Jahre Mitglied unterschiedlicher legaler und verbotener nazistischer Organisationen, hatte f├╝hrende Positionen inne. Ihr Stiefvater ist verurteilter Holocaustleugner, der damalige Ehemann, mit dem sie f├╝nf Kinder hat, ist fest in der rechtsextremen Szene verwurzelt.
Nach ihrem Ausstieg mit ihren Kindern vor drei Jahren ist sie einer doppelten Verfolgung ausgesetzt, zum einen aus der rechtsextremen Szene, zum anderen durch ihre Familie. Begleitet von der st├Ąndigen Angst vor der Entf├╝hrung ihrer Kinder, musste sie in den letzten Jahren sechs Mal ihren Wohnort wechseln, tritt bei Pressekonferenzen verkleidet auf.
Tanja Privenau unterst├╝tzt EXIT Deutschland seit 2006 und ist Mitbegr├╝nderin der Initiative "Alles aussteigen ÔÇô der Schei├č endet hier".

Im Rahmen dieser Initiative will EXIT zudem die Erweiterung auf Personenkreise aus anderen extremistischen Szenen wagen und bietet eine gezielte Beratung f├╝r Personen an, die sich islamistischen Gruppen angeschlossen haben.

Weiterlesen auf AVIVA-Berlin:
5 Jahre EXIT-Deutschland - eine Bilanz

Weitere Informationen zur Initiative finden Sie unter:
www.exit-familienhilfe.de
www.exit-deutschland.de
www.mut-gegen-rechte-gewalt.de

Anlaufstellen Rechtsextremismus / Demokratieentwicklung:

www.annefrank.de
www.bpb.de
www.raa-berlin.de
www.schule-ohne-rassismus.org
www.zentrum-demokratische-kultur.de

Public Affairs Beitrag vom 31.03.2008 Britta Leudolph 





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