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AVIVA-BERLIN.de im Juni 2018 - Beitrag vom 05.02.2008

DI/VISION: Europa im Nahen Osten und der Nahe Osten in Europa
Yvonne de Andrés

Multimedia-Präsentation und Forschungsprojekt soll die politischen, religiösen und kulturellen Verflechtungen zwischen Europa und dem Nahen Osten aufzeigen. Aus Israel ist nur eine Stimme dabei.



Europa im Nahen Osten und Der Nahe Osten in Europa ist ein auf f√ľnf Jahre gemeinsam angelegtes Forschungsprojekt der Berlin-Brandenburgischen Akademie der Wissenschaften, der Fritz Thyssen Stiftung und des Wissenschaftskollegs in Berlin. Es behandelt das Verh√§ltnis zwischen Europa und dem Nahen Osten.
Am 13. Januar 2008 ist die Multimedia Ausstellung DI/VISION, die von der Kuratorin Catherine David konzipiert wurde, zu Ende gegangen. Zw√∂lf Gespr√§che mit K√ľnstlerInnen, Intellektuellen und politischen ProtagonistInnen aus drei Generationen aus dem Nahen Osten gaben Auskunft. In diesen Gespr√§chen war es Frau David wichtig, sich mit folgenden Aspekten auseinander zusetzten: Kolonialzeit und ihre Nachwirkungen, die Angriffe auf das World Trade Center und der Irak-Krieg, Zionismus und europ√§ische Bewegungen. Als wichtiger Referenztext f√ľr die Ausstellungsmacherin ist das Buch von Edward Said "Orientalismus" zu erw√§hnen. Es geht bei Said um das falsche, oft romantisch verkl√§rte Bild der Europ√§erInnen vom Orient. Dieses, so meint Said, sei sowohl im traditionellen Denken als auch in der Wissenschaft weit verbreitet und mache sich an den Bildern fest: "aufgekl√§rter Westen", der den "mysteri√∂sen Orient" beherrschen will. Diese Dichotomie von Abendland und Morgenland greift, so Said, zu kurz.

Die zw√∂lf vorgestellten K√ľnstlerInnen und Intellektuellen √§u√üerten sich in den Gespr√§chen kritisch √ľber ihre L√§nder und √ľber ihr gesellschaftliches Engagement, Krieg und Gewalt als auch die Ver√§nderungen der Gesellschaften. Ein Teil der Interviewten geh√∂rt auch zum festen Bestandteil der ReferentInnen im Wissenschaftskolleg. Catherine David m√∂chte:"statt Klischees und Abstraktionen: konkrete Sichtweisen und Lebenswelten." Die Kuratorin ist in diesem Dialog jedoch nicht neutral. Die meisten der Intellektuellen leben heute nicht mehr in ihren Heimatl√§ndern sondern im Ausland. So auch die aus Damaskus stammende, heute in Paris lebende Filmemacherin Hala al Abdallah, die √ľber kulturellen Widerstand berichtet und dar√ľber, warum die syrische Zensur keine Dokumentarfilme erlaubt. Der einzige Vertreter aus Israel ist langj√§hriger Teilnehmer der Arbeitskreise des Wissenschaftskollegs "Moderne und Islam": Amnon Raz-Krakotzkin. Er sucht mit seiner Position des Binationalismus einen Ausweg aus dem israelisch-pal√§stinensischen Konflikt, vertritt eine starke Kritik am Zionismus und am jetzigen Selbstverst√§ndnis des Staates Israel. Laut Raz-Krakotzkin definieren sich Zionisten ganz anders als Araber und daher ist ein Dialog mit diesen nicht m√∂glich. Andere Vertreterinnen oder Vertreter aus Israel kommen hier nicht zu Wort. Zu fragen bleibt, warum er als einziger Vertreter Israels ausgew√§hlt wurde? Hiermit hat das Projekt eine deutliche parteiliche, antiisraelische Schlagseite.

Diese eingeschränkte Sichtweise auf das Verhältnis Europa und der Nahe Osten setzt sich in den weiteren Gegenständen des Forschungsprojektes fort. Die weiteren Themen werden in vier Teilprojekten und einem Forum bearbeitet:

  • Der Koran als Text einer gemeinsamen Antike und geteilten Geschichte
  • Mobile Traditionen: Vergleichende Perspektiven auf die Literaturen des Nahen Ostens
  • St√§dtevergleich: Kosmopolitismus im Mittelmeerraum und den angrenzenden Regionen
  • Politisches Denken im modernen Islam: nah√∂stliche und europ√§ische Perspektiven
  • Forum: Tradition und die Kritik der Moderne. S√§kularismus, Fundamentalismus und Religion aus nah√∂stlichen Perspektiven


  • Res√ľmierend kann festgehalten werden: Hier wird einem sehr einseitigen Blick auf das Verh√§ltnis von Europa und dem Nahen Osten nachgegangen. Die Auswahl ist subjektiv.

    Weitere Informationen und Veranstaltungen: www.eume-berlin.de

    Public Affairs Beitrag vom 05.02.2008 Yvonne de Andr√©s 





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