8. MĂ€rz - Grund zum Feiern? - Antworten von Ingrid Hofmann - Aviva - Berlin Online Magazin und Informationsportal für Frauen aviva-berlin.de Public Affairs
AVIVA-Berlin .
.
P
R
.
.

Finanzkontor
AVIVA-Berlin > Public Affairs AVIVA-Newsletter bestellen
AVIVA-Berlin auf Facebook AVIVA-Berlin auf twitter
   Aviva - Home
   Veranstaltungen in Berlin
   Women + Work
   Public Affairs
   Politik + Wirtschaft
   Diskriminierung
   Veranstaltungen in Berlin
   Kultur
   JĂŒdisches Leben
   Interviews
   Literatur
   Music
   Sport
   E-cards
   Gewinnspiele
   Werben bei uns
   About us
   Frauennetze
 


Happy Birthday AVIVA




AVIVA wishes you a happy and peaceful New Year 2018




Aviva-Berlin.de

Versatel






 



AVIVA-BERLIN.de im Juni 2018 - Beitrag vom 07.03.2005

8. MĂ€rz - Grund zum Feiern? - Antworten von Ingrid Hofmann
Ilka Fleischer

Im E-Interview stellte sich auch Ingrid Hofmann, PrÀsidiums-Mitglied in der Bundesvereinigung Deutscher ArbeitgeberverbÀnde, unseren 8 Fragen zum 8. MÀrz.




Ilka Fleischer: Seit dem ersten Internationalen Frauentag 1911 gab es im vergangenen Jahrhundert fĂŒr deutsche Frauen nicht nur Anlass zu Kritik, sondern auch gute GrĂŒnde zum Feiern, allen voran die Durchsetzung des Frauenwahlrechts 1918. Was waren aus Ihrer Sicht bislang die grĂ¶ĂŸten Erfolge oder Fortschritte fĂŒr Frauen im dritten Jahrtausend - nicht nur, aber auch in der BDA?
Ingrid Hofmann: Den grĂ¶ĂŸten Erfolg der Frauenbewegung, einer wirklich erfolgreichen sozialen Bewegung, sehe ich in dem Umstand, dass Frauen in Deutschland heute selbstbestimmt und frei handeln können - eine ganz wichtige Grundvoraussetzung, um die vielen noch ausstehenden Verbesserungen umsetzen zu können. Rollen, die ĂŒber Jahrhunderte zementiert waren, wurden mehr und mehr durchbrochen. Frauen melden sich zu Wort - wenn auch noch viel zu wenig. Was die BDA anbelangt, kann ich feststellen, dass man das Thema Chancengleichheit seit Jahren sehr ernsthaft aufgreift und in die Wirtschaft trĂ€gt. Es wurden und werden zahlreiche Initiativen gestartet. Ich erinnere an den Unternehmenswettbewerb "Erfolgsfaktor Familie" zusammen mit dem BMFSF, das Projekt "Allianz fĂŒr Familie", etc. Im FrĂŒhjahr wird die BDA zusammen mit dem BMFSFJ eine Veranstaltung zum Thema "Familie ein Erfolgsfaktor fĂŒr die Wirtschaft" initiieren. Bundeskanzler Gerhard Schröder wird zusammen mit Dr. Dieter Hundt und verschiedenen Unternehmer/innen die Vorteile einer familienfreundlichen Personalpolitik erörtern. Dazu wird es von der BDA ein Grundsatzpapier zur Familienpolitik mit folgenden Themenschwerpunkten geben: Maßnahmen zur Erhöhung der Frauenerwerbsquote, Vereinbarkeit von Familie und Beruf, FrĂŒhkindliche Bildung, Finanzielle Entlastung von Familien, Positives Klima fĂŒr Familien in Deutschland schaffen etc

Ilka Fleischer: "Brot und Rosen!" - Brot zum Leben und Rosen, damit sich das Leben lohnt - forderten Textilarbeiterinnen 1912 im Streik gegen Hungerlöhne in den USA noch recht bescheiden. Inzwischen wollen viele Frauen wesentlich mehr: Nach Gittes Song "Ich will alles" Anfang der 80er Jahre titelte die Bestsellerautorin Maeve Haran kĂŒrzlich "Alles ist nicht genug". Werden Frauen allmĂ€hlich maßlos in ihren Forderungen?
Ingrid Hofmann: Nein, sicherlich nicht. Ziele mĂŒssen immer hoch gesteckt sein, damit wenigstens ein Teil erreicht wird. Der Bayerische Wirtschaftsminister Otto Wiesheu hat uns in einem ArbeitsgesprĂ€ch mit verschiedenen Unternehmerinnen erst kĂŒrzlich bestĂ€tigt, dass Frauen gerade nicht zur Maßlosigkeit neigen, sondern sehr umsichtig handeln. Als Beispiel nannte er - seinem Ressort entsprechend - den ĂŒberlegten Umgang mit Krediten und Startkapital. Die Forderung der Frauen nach Chancengleichheit in jedem Lebensbereich muss dauerhaft im Mittelpunkt aller Forderungen der Frauen stehen.

Ilka Fleischer: Valerie Solanas, behauptete 1968 in ihrem Manifest "Society for Cutting up Men", MĂ€nner wĂ€ren aufgrund der Chromosomstruktur unvollstĂ€ndige Frauen und versuchten daher ihr Leben lang, sich zu vervollkommnen. Gibt es zwischen Mann und Frau Unterschiede, die Sie fĂŒr "naturbedingt" halten?
Ingrid Hofmann: NatĂŒrlich, das grĂ¶ĂŸte "Geheimnis" der Welt gehört den Frauen. Es ist, die wichtigste Funktion - nĂ€mlich Kinder gebĂ€ren zu können.
GrundsĂ€tzlich denke ich aber, dass wir Mann und Frau nicht dadurch definieren sollten, indem wir sie ausschließlich gegeneinander abgrenzen bzw. das andere Geschlecht zur Norm erheben und daran messen. Unser Ziel muss es sein, Gemeinsames und Unterschiedliches zu verstehen und zu respektieren und dass die Regeln, nach denen wir alle zusammen leben wollen, von Frauen und MĂ€nnern aufgestellt werden. Auch Frauen und MĂ€nner in sich sind keine homogene Gruppe.

Ilka Fleischer: Norbert BlĂŒm hat sich einmal neidisch auf "die Firma Mutter und Kind, die sich in den neun Monaten der Schwangerschaft bildet" geĂ€ußert und bedauerte, dass MĂ€nner dagegen nie "ankommen". Worauf sind Sie bei MĂ€nnern "neidisch"? Was wĂŒrde Ihnen bei einem Rollentausch besonders gut gefallen?
Ingrid Hofmann: Ich möchte keinesfalls mit einem Mann tauschen. Wenn Frauen es möchten, haben sie eine grenzenlose Spielwiese der Möglichkeiten, z.B. Mutter zu sein, Mutter und berufstÀtig zu sein oder eben nur berufstÀtig zu sein, etc.

Ilka Fleischer: "Frau allein ist noch kein Argument, es muss auch noch was zwischen den Ohren sitzen", behauptet Heide Simonis. Aber auch: "Politik ist der Sieg des Hinterns ĂŒber das Gehirn". Welche Voraussetzungen mĂŒssen Frauen in der Politik also mitbringen?
Ingrid Hofmann: Ich denke, in der Politik ist es nicht anders als in der Wirtschaft. Nach wie vor sind es MĂ€nnerdomĂ€nen und Frauen tun gut daran, die herrschenden Regeln zunĂ€chst einmal zu erkennen und zu verstehen. Sich dem kurzzeitig anzupassen ist das eine - neue Regeln mit zu etablieren ein notwendiges "Muß". Um sich Gehör zu verschaffen und Erfolge verbuchen zu können, mĂŒssen Frauen wie MĂ€nner klare durchdachte Ziele definieren, andere von ihren Ideen ĂŒberzeugen und begeistern können. Stehvermögen, diplomatisches Geschick, Mut und Geduld sind sicherlich auch hilfreiche Eigenschaften.

Ilka Fleischer: WĂ€hrend Gerhard Schröder laut Infratest bei Frauen populĂ€rer ist als bei MĂ€nnern, schneidet Edmund Stoiber bei MĂ€nnern besser ab. Was mĂŒsste Herr Stoiber verĂ€ndern, um bei Frauen einen höheren Beliebtheitsgrad zu erlangen? Oder allgemeiner: Was schĂ€tzen Frauen an PolitikerInnen?
Ingrid Hofmann: Es mag sein, dass Gerhard Schröder durch seine manchmal charmante Art bei Frauen besser ankommt, als der etwas ernstere, steifere Edmund Stoiber. Was Frauen allgemein an PolitikerInnen schĂ€tzen, wage ich nicht zu beurteilen. Ich kann Ihnen sagen, was ich an PolitikerInnen schĂ€tze oder besser gesagt, von ihnen erwarte. Ich schĂ€tze Aufrichtigkeit! Probleme mĂŒssen wahrheitsgemĂ€ĂŸ, sachlich und klar dargestellt werden und ich erwarte lösungsorientiertes Handeln. Dieses stĂ€ndige "schönreden" und auf die nĂ€chsten Wahlen schielen missfĂ€llt mir sehr.

Ilka Fleischer: Nach einer Studie zum Verhalten der BundesbĂŒrgerInnen im Haushalt werden 80 % der Hausarbeit immer noch von Frauen bewĂ€ltigt. Nur 1,2 % der MĂ€nner putzen das Klo selbst. 73,3 % der MĂ€nner sind allerdings der Meinung, dass die Arbeit im Haushalt gerecht verteilt sei. Was bleibt - neben Gendermainstreaming - auf der politischen Ebene zu tun, und worin bestehen Ihres Erachtens die grĂ¶ĂŸten Fallstricke?
Ingrid Hofmann: Ich schĂ€tze die Arbeit der Bundesministerin Renate Schmidt sehr und bin davon ĂŒberzeugt, dass sie den richtigen politischen Weg eingeschlagen hat. Ich teile ihre Meinung, dass die Vereinbarkeit von Familie und Beruf eine wichtige Voraussetzung ist, damit Frauen Karriere- und Kinderwunsch vereinbaren können. Es muss dringendst verstanden werden, dass es sich hier nicht um ein Frauenproblem handelt, sondern um ein gesellschaftspolitisches Problem und somit alle gefordert sind: Politik, Wirtschaft und Gesellschaft.

Ilka Fleischer: Die Frau der Zukunft stellte sich August Bebel als "Herrin ihrer Geschicke" vor, die "sozial und ökonomisch vollkommen unabhĂ€ngig" sei. Wer verkörpert fĂŒr Sie warum heutzutage die "Frau der Zukunft"? NatĂŒrlich können Sie uns auch gerne verraten, wen sie fĂŒr altmodisch halten...
Ingrid Hofmann: Wenn Sie mich so fragen, fĂŒhle ich mich durchaus als "Frau der Zukunft" Seit ĂŒber 20 Jahren bin ich selbstĂ€ndig. Ich war nie auf ökonomische UnterstĂŒtzung angewiesen, entscheide selbst ĂŒber die fĂŒr mich wichtigen Werte, trage Verantwortung fĂŒr andere..... und ich bin gerne Mutter und Ehefrau. Als "Frau der Zukunft" wĂŒrde ich auch meine 16-jĂ€hrige Tochter betrachten. Sie ist selbstbewusst, findet es schön ein MĂ€dchen zu sein und freut sich auf die Herausforderungen der Zukunft. Altmodisch halte ich alle Frauen, die zwar von VerĂ€nderungen reden, aber außer reden und klagen nichts dafĂŒr tun, reale VerĂ€nderungen zu erreichen.... und warten, dass andere etwas fĂŒr sie tun.


Neben Ingrid Hofmann nahmen 11 PolitikerInnen an der elektronischen Befragung teil. Mit kleineren Abweichungen erhielten alle Interview-PartnerInnen den gleichen Fragenkatalog - und beantworteten unsere 8 Fragen zum 8. MĂ€rz in großer Vielfalt. Um die kompletten BeitrĂ€ge zu lesen, klicken Sie bitte auf die Namen der einzelnen Interview-PartnerInnen:


  • Evrim Baba, frauenpolitische Sprecherin der PDS-Fraktion im AGH von Berlin

  • Edelgard Bulmahn , Bundesministerin fĂŒr Bildung und Forschung

  • Maria Eichhorn, MdB, Vorsitzende der Arbeitsgruppe Familie, Senioren, Frauen und Jugend der CDU/CSU-Fraktion

  • Dagmar Enkelmann, stellvertretende Vorsitzende der PDS

  • Christel Humme, MdB, Familien-, senioren-, frauen- und jugendpolitische Sprecherin der SPD-Bundestagsfraktion

  • Ina Lenke, MdB, Familien-, frauen- und zivildienstpolitische Sprecherin der FDP-Bundestagsfraktion, Bundesvorsitzende der Liberalen Frauen

  • Sabine Leutheusser-Schnarrenberger, MdB, Bundesministerin a.D., Europapolitische Sprecherin der FDP-Bundestagsfraktion

  • Irmingard Schewe-Gerigk, MdB, Frauen- und familienpolitische Sprecherin der Fraktion BĂŒndnis 90 / DIE GRÜNEN

  • Renate Schmidt, Bundesministerin fĂŒr Familie, Senioren, Frauen und Jugend

  • Klaus Wowereit , Regierender BĂŒrgermeister von Berlin

  • Brigitte Zypries, Bundesministerin der Justiz


Public Affairs Beitrag vom 07.03.2005 Ilka Fleischer 





  © AVIVA-Berlin 2018 
zum Seitenanfang suche sitemap impressum datenschutz home Seite weiterempfehlenSeite drucken