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AVIVA-BERLIN.de im Mai 2018 - Beitrag vom 07.09.2005

E-Interview mit Renate Schmidt - Wen Frauen warum w├Ąhlen sollten...
Ilka Fleischer

Anl├Ąsslich der vorgezogenen Neuwahlen befragten wir auch die Bundesministerin f├╝r Familie, Senioren, Frauen und Jugend (SPD).




Ilka Fleischer: Der Deutsche Frauenrat fordert anl├Ąsslich der Neuwahlen, dass f├╝r Frauenpolitik eigenst├Ąndige Strukturen erhalten bleiben und Frauenpolitik nicht unter Familienpolitik subsummiert wird. Frauen nur noch in ihrer Familienrolle zu sehen, sei diskriminierend und nicht zeitgem├Ą├č. Wie w├╝rden Sie dieser Forderung entgegenkommen?
RENATE SCHMIDT: Ich will Frauenpolitik nicht zum Anh├Ąngsel von Familienpolitik machen und Familienpolitik nicht zum Anh├Ąngsel von Frauenpolitik, obwohl es gro├če Schnittmengen gibt. Frauen sind nicht alle M├╝tter und deshalb muss es wie in unserem Wahlprogramm eine eigenst├Ąndige Frauenpolitik geben. Der weitaus gr├Â├čere Teil der Frauen sind aber M├╝tter und das Ziel einer verantwortungsvollen Politik muss es sein, dass Frauen ihre unterschiedlichen Lebensentw├╝rfe verwirklichen k├Ânnen. Ich will keiner Frau eine Rolle vorschreiben, ich will, dass Frauen die M├Âglichkeit haben, den f├╝r sie richtigen Weg zu w├Ąhlen. Bei den meisten ist das die Vereinbarkeit von Familie und Beruf. Als Ministerin will ich erreichen, dass alle Frauen, die Job und Kinder unter einen Hut bringen m├Âchten, das auch k├Ânnen. Deshalb treiben wir zum Beispiel den Ausbau der Kinderbetreuung voran, damit Frauen sich nicht zwischen Beruf und Familie entscheiden m├╝ssen.

Ilka Fleischer: Frausein allein ist kein Programm, hei├čt es. Laut einer Forsa-Umfrage wollen jedoch 5 Prozent der W├Ąhlerinnen wegen der Kandidatur einer Frau CDU w├Ąhlen. Nach einer Untersuchung der Forschungsgruppe Wahlen liegt "Schr├Âder" dennoch bei den Frauen vorn. Worin hebt sich die Frauen- und Gleichstellungspolitik Ihrer Partei inhaltlich von der anderer Parteien am meisten ab? Welche frauen- und gleichstellungspolitischen Vorhaben stehen auf Ihrer Top-3 Liste ganz oben?
RENATE SCHMIDT: Was von der Union in gleichstellungspolitischer Hinsicht zu erwarten ist, kann man im Wahlprogramm von CDU/CSU nachlesen. Frauen werden da auf mehr als 30 Seiten an genau drei Stellen angesprochen: Einmal im Zusammenhang mit Menschenhandel, einmal beim Thema Zwangsheirat und einmal ganz unverbindlich im Zusammenhang mit dem Wunsch nach Gleichstellung im Beruf. Das sagt doch alles. Die SPD dagegen will, dass M├Ąnner und Frauen in der Gesellschaft wie im Beruf wirklich gleichberechtigt sind und wird das mit konkreten Schritten durchsetzen. Wir stehen daf├╝r, dass die Frauenerwerbsquote entsprechenden Vorgaben der EU auf ├╝ber 60 Prozent erh├Âht wird und dass - ganz wichtig! - gleicher Lohn f├╝r gleiche Arbeit gezahlt wird. Wir setzen uns f├╝r den gleichberechtigten Zugang von Frauen zu F├╝hrungspositionen in Wirtschaft, Wissenschaft und Forschung ein und werden, wenn das auf freiwilliger Basis nicht m├Âglich ist, verbindliche Regeln schaffen. Wir schreiben den Aktionsplan zur Bek├Ąmpfung von Gewalt gegen Frauen fort und wir werden zum ersten Mal ├╝berhaupt den "Bericht zur Gleichstellung von Frauen und M├Ąnnern"" vorlegen und in einer Regierungserkl├Ąrung die Fortschritte aufzeigen, die noch bestehenden Defizite offen legen und die notwendigen Konsequenzen darlegen. Kurz gesagt: Am wichtigsten und ganz oben auf meiner Top 3-Liste f├╝r Frauen stehen die Vereinbarkeit von Familie und Beruf, gleicher Lohn f├╝r gleiche Arbeit und der ungehinderte Zugang zu F├╝hrungspositionen.

Ilka Fleischer: Welche frauen- und gleichstellungspolitischen Risiken oder R├╝ckschritte erwarten uns, wenn Ihre Partei in der kommenden Legislaturperiode nicht (mit)regieren w├╝rde?
RENATE SCHMIDT: In der Union ist das Uralt-Frauenbild aus den 50er Jahren wieder auf dem Vormarsch, das auch Herr Kirchhof vertritt: M├Ąnner sollen die Ern├Ąhrer sein, Frauen haben sich um Haushalt und Kinder zu k├╝mmern. Frau von der Leyen mag das vielleicht anders sehen, aber sie kann sich in der eigenen Partei nicht durchsetzen. Sollte also - was ich verhindern will - die Union an die Macht kommen, w├╝rde dies f├╝r die Frauen bedeuten: Kinder-K├╝che-Kirchhof. Das hei├čt: Die Errungenschaften in der Frauen- und Gleichstellungspolitik in den vergangenen Jahren w├╝rden auf Eis gelegt. Zumindest wird die Union keinerlei Anstrengungen unternehmen, Frauen dabei zu unterst├╝tzen sich den Platz in unserer Gesellschaft zu sichern, der ihnen zusteht.

Ilka Fleischer: Mit 68,5% lag die Wahlbeteiligung der 21- bis 24-j├Ąhrigen Frauen knapp 11% unter der allgemeinen Wahlbeteiligung, und die Wahlbeteiligung der Frauen ab 70 lag deutschlandweit 9,2 Prozentpunkte unter jener gleichaltriger M├Ąnner. Was plant Ihre Partei f├╝r Frauen dieser Altersgruppen? Warum k├Ânnte sich der Gang zur Urne dieses Mal f├╝r "Jung und Alt" lohnen?
RENATE SCHMIDT: Wir setzen uns daf├╝r ein, dass junge Frauen die Wahl haben, dass sie beruflich Karriere machen k├Ânnen, ohne deswegen ihren Wunsch nach Familie und Kindern aufgeben zu m├╝ssen. Und auch f├╝r die Rechte der ├älteren k├Ąmpfen wir. Wir machen uns stark f├╝r ihre Teilnahme in Politik, Gesellschaft, Wirtschaft und Kultur, wir weisen auf die Notwendigkeit altergerechter Produkte hin, wir unterst├╝tzen die Entwicklung neuer Wohn- und Lebensformen im Alter, wir arbeiten an der Entb├╝rokratisierung der Pflegevorschriften, um mehr Flexibilit├Ąt zum Wohl der Betroffenen zu erreichen. Von daher ist es gerade f├╝r diese beiden Gruppen wichtig zu w├Ąhlen - und zwar die SPD.

Ilka Fleischer: Vielen Dank, Frau Schmidt!



Lesen Sie auch die Antworten anderer Politikerinnen zur Frage "Wen Frauen warum w├Ąhlen sollten..."



Public Affairs Beitrag vom 07.09.2005 Ilka Fleischer 





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