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AVIVA-BERLIN.de im Mai 2018 - Beitrag vom 07.06.2012

I won┬┤t go quietly - ein Film von Anne Sonno
AVIVA-Redaktion

Nina Hagen kam entgegen der Ank├╝ndigung der VeranstalterInnen doch nicht zur Filmvorf├╝hrung, lie├č jedoch ein Gru├čwort verk├╝nden: "Pr├╝fe alles, das Gute und das Wahre behalte - Gottes fetten...



... Segen f├╝r Euch!"

Am Sonntagabend zeigte das Kino Babylon Mitte zum wiederholten Mal "I won┬┤t go quietly", der am 09. M├Ąrz 2012 in Berlin Premiere hatte und seitdem landauf, landab in verschiedenen Kinos l├Ąuft. Einen Verleih hat er bisher nicht gefunden, was seinen Grund hat. Es ist ein gef├Ąhrlicher Film.

Die Hauptthese der Regisseurin Anne Sonno besteht darin, dass AIDS keine Krankheit sei und der HI-Virus nicht existiere. Stattdessen, so ihre Aussage, w├╝rden PatientInnen mit der Diagnose "HIV-positiv" mit t├Âdlichen Medikamenten behandelt. Nach Meinung der Filmemacherin w├╝rden Kinder, deren M├╝tter positiv getestet wurden, von staatlicher Seite zu Unrecht ihren Familien entrissen. Die M├╝tter w├╝rden kriminalisiert und ins Gef├Ąngnis gesteckt werden. ├ärztInnen, die schwangeren Frauen rieten, Medikamente nicht einzunehmen, werde mit dem Entzug ihrer Approbation gedroht.

Die Dokumentation schildert die Schicksale von sechs Frauen, die w├Ąhrend ihrer Schwangerschaft HIV-positiv getestet wurden. ├ärztInnen empfahlen ihnen entweder eine Abtreibung oder die Einnahme der nach Aussage der Regisseurin angeblich sch├Ądlichen Medikamente. Die werdenden M├╝tter verweigerten beides. Sie und ihre Kinder leben entgegen ├Ąrztlicher Voraussagen zum Teil heute noch.

Schicksale im Film

So unterzog sich ein M├Ądchen, das als S├Ąugling in Rum├Ąnien von einer US-Amerikanerin adoptiert wurde, in ihrem fr├╝heren Heimatland einem HIV-Test, mit negativem Ergebnis. Bei der Einreise in die USA wurde sie erneut getestet, diesmal positiv. Die junge Frau spricht vor laufender Kamera davon, dass dieser zweite Test nicht korrekt sei. Sie nimmt bis heute keine Medikamente. Ebenfalls gezeigt wird der Fall einer Mutter aus ├ľsterreich, die der Meinung ist, jeder Mensch k├Ânne sich selbst heilen. ├ärztInnen, so ihre ├ťberzeugung, brauche niemand. Sie stillte trotz positivem Test ihr Neugeborenes und infizierte es dadurch mit HIV. Ihre Tochter und ihre weiteren Kinder wurden ihr daraufhin von staatlicher Seite entzogen. Das Kind lebt heute in einem SOS-Kinderdorf, die drei ├Ąlteren Geschwister in Pflegefamilien. Die Mutter wurde der schweren K├Ârperverletzung mit Folgesch├Ąden angeklagt und verurteilt.

Diese Berichte, jeder f├╝r sich ergreifend und mitleiderregend, wechseln im Laufe des Films mit stimmungsvollen Natursequenzen, die den ZuschauerInnen offenbar das Gef├╝hl vermitteln sollen, die Natur allein verm├Âge am Effektivsten zu heilen.

ExpertInnenaussagen und Verschw├Ârung

Als Sachverst├Ąndiger kommt unter Anderem der Biologe Stefan Lanka zu Wort, Inhaber des "klein-klein-verlags" und in der wissenschaftlichen Welt ein Au├čenseiter. In einer Stellungnahme des Robert Koch Instituts aus dem Jahr 2000 zu den Thesen unter anderem von Lanka, hei├čt es: "Zun├Ąchst werden nicht belegte Tatsachenbehauptungen aufgestellt, die nicht dem Stand der Wissenschaft entsprechen oder schlichtweg falsch sind. Diese m├Âgen f├╝r den Laien zwar auf den ersten, oberfl├Ąchlichen Blick hin plausibel erklingen, in ihnen werden aber h├Ąufig Bedingungen formuliert, die nicht dem Stand der Wissenschaft entsprechen.

Dar├╝ber hinaus berichtet die Dokumentation, dass nur ein Jahr nach Entdeckung des HIV-Virus 1983 bereits ein AIDS-Antik├Ârpertest als Patent in den USA angemeldet und vom US-Gesundheitsministerium der ├ľffentlichkeit vorgestellt wurde. Dies dient der Filmemacherin als Argument f├╝r eine gemeinsame Verschw├Ârung der USA und der Weltgesundheitsorganisation, die beide angeblich davon profitierten, da sie sich dadurch neue Absatzm├Ąrkte erschlossen h├Ątten.
Die hohe Anzahl der AIDS-PatientInnen und HIV-Infektionen in Afrika werden beispielsweise damit erkl├Ąrt, dass auch Personen, die an anderen Krankheiten leiden, von den ├ärztInnen vor Ort als AIDS-Kranke kategorisiert werden. Daf├╝r bek├Ąmen ├ärztInnen der Region mehr Geld von der WHO. Diese These wird weder mit Zahlen noch mit Fakten gest├╝tzt. Zudem w├╝rden die Medien diesen Film und das Thema boykottieren. Sie h├Ątten kein Interesse daran, diesen "aufkl├Ąrerischen Film" zu zeigen, so eine OFF-Stimme w├Ąhrend einer Filmsequenz. JournalistInnen, die sich kritisch mit dem Thema AIDS auseinandersetzen w├╝rden, erhielten keine Auftr├Ąge mehr von Redaktionen. Auch hier wird kein Beispiel angef├╝hrt.

Am Ende wird auch der Tod einer der Frauen, die in der Dokumentation zu Wort kamen, f├╝r den Film vereinnahmt. Im Abspann hei├čt es: "T. wurde in der Nacht der Berliner Premiere des Films ermordet. Sie hinterl├Ąsst drei Kinder." Kein Wort zu den Umst├Ąnden ihres Todes, die Zuschauenden werden vielmehr indirekt dazu verleitet, eine Kausalit├Ąt zu den Ereignissen im Film herzustellen, obwohl bei n├╝chterner Betrachtung keine existiert.

Fatale Folgen

Alles in allem stellt sich die Frage, warum das Kino Babylon diesen Film zum zweiten Mal zeigt. Bei den Zuschauenden k├Ânnte sich der falsche und tragische Eindruck verfestigen, dass die gezeigten Beispiele f├╝r alle HIV-Infizierten und AIDS-PatientInnen gelten k├Ânnten. Die Deutsche AIDS-Hilfe und die Bundeszentrale f├╝r gesundheitliche Aufkl├Ąrung gehen darauf in einer gemeinsamen Stellungnahme ein: "Selbstverst├Ąndlich k├Ânnen Infizierte auch ohne HIV-Therapie ├╝ber mehrere Jahre gesund bleiben. (...) Aber mehr als zwanzig Jahre nach der Ansteckung ist der Prozentsatz jener, die ohne Behandlung noch kein AIDS entwickelt haben, verschwindend gering." In der Dokumentation wird auf diese Fakten nicht eingegangen.

AVIVA-Fazit: AVIVA r├Ąt dringend davon ab, sich diesem Film auszusetzen. Denn die Schicksale der Frauen, die gezeigt werden, sind durchaus anr├╝hrend. Wie jedoch die Verzweiflung der ProtagonistInnen ausgenutzt wird, um die eigenen kruden Theorien einer sogenannten "AIDS-L├╝ge" einem breiten Publikum zug├Ąnglich zu machen, sind anma├čend und werden den Frauen in keiner Weise gerecht.

I won┬┤t go quietly
Deutschland
Buch und Regie: Anne Sonno
Kamera & Ton: Teddy Francois Moarbes
Schnitt: Stefan Maschofsky
KEIN VERLEIH
Laufl├Ąnge: 81 Minuten

Weitere Informationen finden Sie unter:

Robert Koch Institut Berlin: www.rki.de

Bundeszentrale f├╝r gesundheitliche Aufkl├Ąrung: www.gib-aids-keine-chance.de


(Quellen: Robert Koch Institut Berlin, Deutsche AIDS-Hilfe und Bundeszentrale f├╝r gesundheitliche Aufkl├Ąrung)

Public Affairs Beitrag vom 07.06.2012 AVIVA-Redaktion 





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