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AVIVA-BERLIN.de im Mai 2018 - Beitrag vom 25.04.2013

Offener Brief der Fem-me-inistischen Aktion an das Orga-Team der 15. Trans*Tagung
AVIVA-Redaktion

Anlässlich der letzten Berliner Trans*Tagung, die im Oktober 2012 unter dem Motto "Trans*? Selbstverständlich!" stattgefunden hatte , formulierten jetzt Aktivist_innen eine Kritik an Sexismus und...



... Femininitätsfeindlichkeit innerhalb der Trans*Community.


"Liebe Organisator_innen der 15. Berliner Trans*Tagung,


auf der Berliner Trans*Tagung 2012 haben Femmes eine strukturell ungleiche Behandlung und Marginalisierung erfahren, die im Folgenden aus femme-inistischer Perspektive kritisiert wird.

Als Femmes und Femme-Unterst√ľtzer_innen, die die Tagung besucht haben, nehmen wir diese Diskriminierungs- und Ausgrenzungserfahrung im Kontext der Tagung zum Anlass, uns nicht nur mit den konkreten Vorf√§llen auseinanderzusetzen, sondern davon ausgehend Grundlegendes zum Zusammenhang Femmes und Transgender zu thematisieren. Mit diesem offenen Brief wollen wir eine Auseinandersetzung √ľber Sexismus und Femininit√§tsfeindlichkeit in der Trans*Community ansto√üen, die l√§ngst √ľberf√§llig ist.

Zur Berliner Trans*Tagung 2012 wurden dem Orga-Team mindestens vier verschiedene Workshopvorschläge zu Femme-Themen eingereicht. Von diesen wurde lediglich ein Vorschlag angenommen, der allerdings Femme-Inhalte nur "mit"thematisierte, nämlich innerhalb der Butch/Femme-Dynamik. Dabei hatten alle diese Workshopvorschläge einen expliziten inhaltlichen Bezug zur Trans*Thematik. Dennoch wurden sie abgewiesen bzw. unter den Tisch fallen gelassen. Gleichzeitig wurden mehrere Workshop-Angebote, ohne direkten inhaltlichen Bezug zu Trans*Thematiken ins Programm aufgenommen.

Diese Erfahrungen lassen sich nicht vereinbaren mit dem nach au√üen getragenen Selbstbild der Trans*Tagung, als einer ausgesprochen offenen und inklusiven Veranstaltung. Im Einladungstext dazu wird davon gesprochen, dass ein "uneingeschr√§nkter Freiraum" f√ľr "Trans*menschen aller Couleur" er√∂ffnet werden soll. Dieses Selbstverst√§ndnis widerspricht aber den Entscheidungen des Orga-Teams, die die Repr√§sentation und Teilhabe bestimmter Trans*Identit√§ten privilegiert und andere marginalisiert hat. So scheint das vorherrschende Verst√§ndnis von Trans*Identit√§ten tats√§chlich ein enges und ausschlie√üendes zu sein. Femmes geh√∂ren offenbar nicht mit hinein in dieses Selbstverst√§ndnis, es sei denn als nachgeordnetes Anh√§ngsel in Form von "Partner_in".

Gesellschaftliche Machtstrukturen schreiben sich auch innerhalb der Trans*Community fort. Den verschiedenen Trans*Verk√∂rperungen und -positionierungen werden unterschiedliche M√∂glichkeiten zur √Ąu√üerung und Raumnahme (im w√∂rtlichen wie im √ľbertragenen Sinne) zuerkannt.

Dabei sind es unserer Erfahrung nach insbesondere Femmes und andere Trans*Femininitäten, die nicht wahrgenommen werden, an den Rand gedrängt werden, zum Verschwinden gebracht werden. Femmes werden mit unterschiedlichen Formen von Sexismus konfrontiert. Die grundlegende gesellschaftliche Abwertung alles Weiblichen und insbesondere alles akzentuiert Femininen wird auch in der Trans*Community fortgeschrieben.

Dabei wird h√§ufig wie selbstverst√§ndlich in der Trans* und/oder -queer Community davon ausgegangen, dass Sexismus in der eigenen Community l√§ngst √ľberwunden w√§re. Wir sind aber immer wieder mit einem expliziten und impliziten Umgang mit Geschlecht konfrontiert, der eine asymmetrische, maskulinistische Tendenz offenlegt. Wir sehen Sexismus nach wie vor als Problem, das auch in der Trans*Szene existiert. Denn das M√§nnliche/Maskuline wird auch hier h√§ufig noch unhinterfragt als das Eigentliche gesetzt, dem dann das Weibliche und insbesondere das Feminine als das Andere gegen√ľbergestellt wird.

Die Abwertung von FtF (Female-to-Femme) in der queeren und Trans*Community kann aber auch an einem Transitionsverständnis liegen, das rechtliche und medizinische Transitionsprozesse in den Vordergrund stellt. So wird FtF häufig als eine vermeintlich "bruchlose" und damit angeblich leichter zu verkörpernde Genderposition betrachtet.

Femmes haben sowohl in hegemonialen gesellschaftlichen Zusammenh√§ngen als auch in der Trans*Community auf bestimmten Ebenen weniger gegen ihre Pathologisierung als gegen ihre Naturalisierung zu k√§mpfen. Diese Naturalisierung erfolgt regelm√§√üig als Fehlzuschreibung von Gender und Begehren aufgrund der Fehllekt√ľre von Femme-K√∂rpern, Beispielsweise wenn Femme als "Frau", "Hetera" oder "Lesbe" falsch gelesen wird, (falls sie sich nicht doch so identifiziert).

FtF-Femmes verstehen sich als Transgender und Female-to-Femme ist eine Transgender-Transition. Es ist eine h√§ufig ignorierte Realit√§t, dass FtFs einen eigenst√§ndigen Teil der Trans*Community bilden und in dieser durchaus als unabh√§ngige politische Subjekte aktiv sind. Vor diesem Hintergrund k√∂nnen sie nicht nur als Beziehungsarbeiter_innen (Partner_innen und Angeh√∂rige) oder als Unterst√ľtzer_innen von Trans*Personen verstanden werden.

Ein enger Transitionsbegriff, der gebunden ist an bestimmte Bez√ľge zwischen biologischem Geschlecht, Genderidentit√§t und -inszenierung schlie√üt R√§ume f√ľr Femmes und andere Transgender, die in das Dysphorie-Paradigma (d.h. Schwerpunkt auf das Unbehagen mit dem K√∂rper legen, sich im "falschen" K√∂rper f√ľhlen) nicht glatt hineinpassen oder sich ihm verweigern oder f√ľr sich alternative Wege suchen bzw. gefunden haben. Deshalb fordern wir eine dringend notwendige Erweiterung des Transitionsbegriffs ‚Äď denn es gibt eine Vielfalt von Transitionswegen. Diese Erweiterung ist aber nicht als Hierarchisierung von bestimmten Trans*Wegen und Transitionserfahrungen zu verstehen.

Wir sehen es als unbedingt notwendig an, dass auch in der Trans*Community die Diversit√§t und Selbstpositionierung von *Femmes, die sich als FtFs (in allen ihren Auspr√§gungen) verstehen k√∂nnen oder auch nicht, anerkannt wird. Dazu m√ľssen Ausschlusspraxen und Sexismen gegen Femmes und Femme-Themen in queeren und Trans*Zusammenh√§ngen benannt und kritisiert, sowie femme-inistische Perspektiven auf und in Trans*- und Queer-Politik gest√§rkt werden.


Fem-me-inistische Aktion


Die "Fem-me-inistische Aktion" ist ein √ľberregionaler Zusammenschluss aus identit√§r divers positionierten Femmes und Femme-Unterst√ľtzer_innen. Viele von uns identifizieren sich als Trans*(gender), manche nicht, bei manchen ist diese Selbstbezeichung nicht konstant. Unter uns finden sich queere Hai-Femmes, feministische TG-Butches, FtF-Femmes, die auch schon mal mit einem m√§nnlichen Pass gelebt haben, tuntige Stone Butches, Fem(me)-begehrende Queers, fatale Fem-me-inist_innen, Inbetweens auf T und fragile Femme Feen."

Kontakt: fem-me-inistische-aktion@gmx.de



Public Affairs Beitrag vom 25.04.2013 AVIVA-Redaktion 





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