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AVIVA-BERLIN.de im Juni 2018 - Beitrag vom 04.09.2013

(Kein) Antisemitismus im Berliner Olympiastadion. Proteste und Hintergrund
Sharon Adler

Ein inszenierter Reichsparteitag und ein Schwein, das mit Davidstern, Dollar-Zeichen sowie Symbolen von Shell-├ľl und McDonalds versehen ist? Verantwortlich daf├╝r ist EX-Pink Floyd Roger Waters,...



... der mit seiner "Show" am 04. September im Berliner Olympiastadion gastiert - trotz der Proteste diverser Organisationen.

Bereits seit mehreren Jahren benutzt der Unterst├╝tzer eines Total-Boykotts gegen Israel diese mehr als zweifelhafte Symbolsprache, die Assoziationen mit dem Nationalsozialismus und antisemitischen Klischees evoziert. Roger Waters lehnt jeglichen Kontakt mit Israel ab und bezeichnet das Land als "Apartheitsstaat". Ausgerechnet am Vorabend des j├╝dischen Neujahrsfestes, an Rosh HaShana, gastiert der Musiker mit dieser Show in Berlin.
Hier wird er das vorf├╝hren, was er bereits bei fr├╝heren Shows gezeigt hat: ein Schwein mit aufgedrucktem Davidstern, Dollarzeichen, dem Symbol des ├ľlriesen Shell sowie Hammer und Sichel, das er platzen und vom Publikum zerrei├čen lassen wird.
Damit bedient er sich uralter Symbolbilder: Das nicht-koschere Schwein wird seit Jahrhunderten, vor allem im Mittelalter, f├╝r antisemitische Karikaturen benutzt.
Der Ort f├╝r eine antisemitische Veranstaltung dieser Gr├Â├čenordnung k├Ânnte nicht besser gew├Ąhlt sein ÔÇô das Berliner Olympiastadion war 1936 Schauplatz der Olympischen Spiele, von den Nazis als B├╝hne f├╝r ihre Propaganda genutzt.

Das deutsche Publikum erschie├čt das "Davidstern-Schwein" unter Jubel im Olympiastadion

Das mit einem Davidstern gekennzeichnete Schwein repr├Ąsentiert, in Waters Sichtweise, "das B├Âse, insbesondere das B├Âse einer irrenden Regierung". Die ZuschauerInnen w├╝rden die M├Âglichkeit erhalten, das Schwein als "Unterdr├╝ckungssymbol" zu vernichten. Die Leute, so Waters, entschieden sich immer f├╝r "das Richtige": Sie zerst├Ârten das Schwein. Mit dieser verqueren Logik wehrt sich der Musiker in einem offenen Brief gegen die Vorw├╝rfe, uralte antisemitische Ressentiments, wie etwa die einer "j├╝dischen Weltverschw├Ârung", zu bedienen. Stattdessen sei das von ihm in Szene gesetzte Spektakel als "antikolonial, pro freiheitlich, pro Dialog, pro Frieden, anti-autorit├Ąr, antifaschistisch" zu verstehen. Zus├Ątzlich verteidigt sich Waters mit altbekannten Verteidigungsmustern ÔÇô verweist auf gute j├╝dische FreundInnen, eine j├╝dische Schwiegertochter und seinen w├Ąhrend des Zweiten Weltkriegs im Kampf gegen den Faschismus gefallenen Vater.
In seiner B├╝hnenshow benutze er auch andere religi├Âse Symbole, wie das Kruzifix und den Halbmond. Im Internet zu findende Fotos lassen allerdings keines dieser Symbole auf dem Schwein erkennen. Der dagegen deutlich sichtbare Davidstern repr├Ąsentiere, so Waters, "nicht die j├╝dische Gemeinschaft, sondern den Staat Israel". Dass das eine vom anderen nicht zu trennen ist, scheint nicht in Waters Weltbild zu passen.

Kein Antisemitismus im Berliner Olympiastadion ÔÇô Proteste

Angesichts der Nutzung antisemitischer Stereotypen an diesem hochsensiblen Ort fordert Lala S├╝sskind, Vorsitzende des J├╝dischen Forums f├╝r Demokratie und gegen Antisemitismus (JFDA), eine "klare Absage, nicht nur durch j├╝dische Organisationen." Protest kommt auch von Stadtratsmitglied Alexander Fils aus D├╝sseldorf, wo ein weiteres Konzert stattfinden soll, sowie von Michael Szentei-Heise, Verwaltungsdirektor der J├╝dischen Gemeinde D├╝sseldorf. Er nannte Waters einen "geistigen Brandstifter, f├╝r den es (...) kein Forum geben darf". Die Gemeinde ruft zum Boykott des Konzerts in D├╝sseldorf auf.

Der Koordinierungsrat gegen Antisemitismus protestiert gegen die "antisemitischen Ausf├Ąlle" bei "The Wall" und Abraham Foxman, Direktor der Anti-Defamation League (ADL), kritisierte in seiner Ver├Âffentlichung "An Open Letter to Roger Waters" vor allem die Kombination des Davidsterns mit den Symbolen des Finanzkapitals wie dem Dollarzeichen. Sie liege auf einer Linie mit der auf Diskriminierung und Diffamierung Israels ausgerichteten von Waters unterst├╝tzten Boykottkampagne, die den Antisemitismuskriterien des von allen Fraktionen mitgetragenen Bundestagsbeschlusses vom 4. November 2008 zur Antisemitismusbek├Ąmpfung erf├╝llt.

In einem offenen Brief fordert auch das American Jewish Committee AJC den Berliner Senat - Eigent├╝mer des Olympiastadiums - und den Regierenden B├╝rgermeister Klaus Wowereit zur ├Âffentlichen Stellungnahme, Intervention und einer ├ťberpr├╝fung zur Anwendung der Hausordnung auf.

"Es ist grotesk, wenn Roger Waters die antisemitische Bildsprache seiner B├╝hnenshow leugnet. Wenn ein geh├Ârntes Schwein mit Davidstern, Hammer, Sichel und Dollarzeichen dargestellt wird, dann bedient dies vielf├Ąltige und uralte antisemitische Stereotype", sagte Deidre Berger, Direktorin des AJC Berlin Ramer Institute.

Und AVIVA-Berlin sieht in der Verantwortung sowohl den Berliner Senat als Eigent├╝mer des Olympiastadiums, als auch "Semmel Concerts" als Veranstalter. Eine Absage des Konzerts oder wenigstens ein offizielles Zeichen blieb jedoch aus - trotz der Proteste gegen Waters antisemitische Ausf├Ąlle wird das Konzert stattfinden. Damit folgen die Veranstalter wohl leider dem altbekannten Slogan: The games must go on.




(Quellen: J├╝disches Forums f├╝r Demokratie und gegen Antisemitismus (JFDA), Lisa Bork, Levi Salomon, Koordinierungsrat deutscher Nicht-Regierungsorganisationen gegen Antisemitismus e. V., American Jewish Committee)





Public Affairs Beitrag vom 04.09.2013 Sharon Adler 





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