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AVIVA-BERLIN.de im Juni 2018 - Beitrag vom 10.02.2015

Scharfe Kritik am neuen Expertenkreis Antisemitismus sowie an einer j├╝ngsten Studie des Zentrums f├╝r Antisemitismusforschung (ZfA) der TU Berlin
AVIVA-Redaktion

Das Moses Mendelssohn Zentrum, das American Jewish Committee und die Amadeu Antionio Stiftung geben die Gr├╝ndung einer alternativen ExpertInnenkommission bekannt, da j├╝dische Perspektiven und ...



... wichtige Expertisen fehlen.

NEWS. Berlin, den 26.2.2015ANTISEMITISMUS-EXPERT_INNEN GEBEN GR├ťNDUNG VON NETZWERK BEKANNT

F├╝hrende j├╝dische WissenschaftlerInnen und AntisemitismusexpertInnen haben die Gr├╝ndung des "Netzwerks zur Erforschung und Bek├Ąmpfung des Antisemitismus" (NEBA) bekanntgegeben. Mit der Initiative wollen die Amadeu Antonio Stiftung, das American Jewish Committee und das Moses Mendelssohn Zentrum an der Universit├Ąt Potsdam die politische Auseinandersetzung mit dem Antisemitismus weiter bef├Ârdern.

"Nach den Terroranschl├Ągen von Paris und Kopenhagen stellt die Frage nach der Sicherheit j├╝dischen Lebens in Europa derzeit einer der dr├Ąngendsten politischen Herausforderungen dar. Wir brauchen daher eine breitere gesellschaftliche Auseinandersetzung ├╝ber politische Handlungsma├čnahmen gegen Judenfeindschaft und wollen hierzu mit dem Netzwerk zur Erforschung und Bek├Ąmpfung des Antisemitismus (NEBA) einen substantiellen Beitrag leisten", sagte Deidre Berger, Direktorin des AJC Berlin Ramer Institute.
"Wir begr├╝├čen die intensive Auseinandersetzung um die Ausrichtung und Besetzung des Expertengremiums ausdr├╝cklich. Die Debatte hat gezeigt, wie wichtig dieses Thema in der ├Âffentlichen Wahrnehmung ist. Was wir jetzt brauchen, ist ein politischer Dialog ├╝ber die Umsetzung konkreter Ma├čnahmen gegen Judenfeindschaft. Das Netzwerk will daher ├╝ber Entwicklungen des Antisemitismus kontinuierlich berichten und neue Ans├Ątze der Forschung und der Praxis gegen Judenfeindschaft beraten", so Anetta Kahane, Vorsitzende der Amadeu Antonio Stiftung.
In den kommenden Wochen will die NEBA mit politischen Entscheidungstr├ĄgerInnen die Auseinandersetzung um politische Gegenma├čnahmen verst├Ąrken. Dabei wollen die ExpertInnen Empfehlungen herausarbeiten, wie z.B. die Vorschl├Ąge der ersten ExpertInnenkommission umgesetzt werden k├Ânnen. Das Netzwerk kritisierte in diesem Zusammenhang die mangelnde politische Implementierung.
"Wir wollen Fragen nachgehen, die bisher bei der Diskussion um den Antisemitismus nicht ausreichend ausgewertet oder beleuchtet wurden. Verschw├Ârungstheorien, Judenfeindschaft in den Kirchen, das Erstarken des Islamismus, die Globalisierung des israelbezogenen Antisemitismus und die aktuelle Debatte, wie mit Fragen der Kunstrestitution in Deutschland umgegangen wird, sollen in diesem Zusammenhang diskutiert werden", gab Prof. Dr. Julius H. Schoeps, Gr├╝ndungsdirektor des Moses Mendelssohn Zentrums f├╝r europ├Ąisch-j├╝dische Studien in Potsdam bekannt.
Unter Einbeziehung verschiedener internationaler ExpertInnen und j├╝discher Perspektiven plant die NEBA Mitte des Jahres eine Fachkonferenz, auf der die aktuellen Herausforderungen im Bereich der Antisemitismusbek├Ąmpfung nachgegangen werden sollen.
Zu den InitiatorInnen des Netzwerks zur Erforschung und Bek├Ąmpfung des Antisemitismus geh├Âren:
Deidre Berger (American Jewish Committee Berlin)
Prof Dr. Micha Brumlik (Moses Mendelssohn Zentrum Potsdam)
Anetta Kahane (Amadeu Antonio Stiftung)
Stephan J. Kramer (American Jewish Committee, Berlin/Br├╝ssel)
Prof. Dr. Julius H. Schoeps (Moses Mendelssohn Zentrum Potsdam)



AVIVA-Beitrag vom 10.02.2015:

F├╝hrende j├╝dische WissenschaftlerInnen und AntisemitismusexpertInnen haben die Zusammensetzung der neuen Antisemitismus-Kommission beim Bundesministerium des Innern (BMI) und den bisherigen Umgang mit der Problematik scharf kritisiert.

In dem erstmals am 19. Januar 2015 tagenden Expertenarbeitskreis Antisemitismus wurden durch das Bundesinnenministerium acht Wissenschaftler und P├Ądagogen benannt, von denen kein einziger j├╝discher Herkunft ist. "Das ist ein einzigartiger Skandal", erkl├Ąrt Julius H. Schoeps, Gr├╝ndungsdirektor des Moses Mendelssohn Zentrums f├╝r europ├Ąisch-j├╝dische Studien in Potsdam. "Die Abgeordneten des Deutschen Bundestages und der Bundesinnenminister m├╝ssen sich die Frage gefallen lassen, warum richtungsgebende deutsche Antisemitismus-Forscher in diesem Gremium fehlen und wieso auf die Expertise und Beratung j├╝discher Wissenschaftler und Fachleute aus den j├╝dischen Organisationen und Gemeinden offensichtlich kein Wert gelegt wird."

"Niemand k├Ąme auf den Gedanken, eine Konferenz zum Islamhass ohne muslimische Vertreter oder einen Runden Tisch zur Diskriminierung von Frauen ohne Frauen anzusetzen" kritisierte auch die Vorsitzende der Amadeu Antonio Stiftung, Anetta Kahane.

Der europ├Ąische Antisemitismusbeauftragte des American Jewish Committee, Stephan J. Kramer, beklagt in diesem Zusammenhang die mangelnde politische Umsetzung bisheriger Handlungsempfehlungen: "Seit 2011 liegt uns der Bericht der ersten Expertenkommission vor. Doch statt einer ernsthaften politischen Auseinandersetzung mit den Ideen und Anregungen, verstaubt die Arbeit der Experten in den Schubladen. Der Kampf gegen Antisemitismus darf sich nicht nur in Solidarit├Ątsbekundungen und Mahnungen bei Gedenkreden ersch├Âpfen, sondern muss endlich aktives politisches Handeln nach sich ziehen."

Vor diesem Hintergrund k├╝ndigen das Moses Mendelssohn Zentrum, das American Jewish Committee und die Amadeu Antonio Stiftung die Einrichtung einer eigenen "Expertenkommission Antisemitismus" aus Wissenschaft und Praxis an, die sowohl mit profilierten j├╝dischen wie auch nichtj├╝dischen Fachleuten aus dem In- und Ausland zusammenarbeiten wird.

"Die Arbeit der letzten Expertenkommission der Bundesregierung hat einen wichtigen Beitrag zum Thema geleistet. Allerdings hat sich die Bedrohungslage durch den Antisemitismus in den vergangenen Jahren versch├Ąrft. In einer Zeit, in der j├╝dische Einrichtungen nach zahlreichen Terroranschl├Ągen immer mehr Schutz brauchen und antisemitische Einstellungen in den Schulen und in der Gesellschaft weite Verbreitung finden, brauchen wir zus├Ątzliche Instrumente und vor allem eine kontinuierliche Auseinandersetzung mit dem Thema", erg├Ąnzte Deidre Berger, Direktorin des AJC Berlin Ramer Institute for German-Jewish Relations.

Die Arbeit der alternativen Kommission soll bewusst auch die j├╝dische Perspektive auf das Problem Antisemitismus in Deutschland einschlie├čen. Neben spezifischen Studien zu den unterschiedlichen, aktuellen Erscheinungsformen von Antisemitismus sollen von Wissenschaftlern und Praxisexperten kontinuierliche Lageberichte erarbeitet, gewonnene Erkenntnisse f├╝r ├Âffentliche Debatten bereitgestellt sowie notwendige politische Ma├čnahmen entwickelt werden.

Das Gr├╝ndungskommittee der neuen ExpertInnenkommission ├╝bte zugleich heftige Kritik an einer j├╝ngsten Studie des Zentrums f├╝r Antisemitismusforschung (ZfA) der TU Berlin, bei der j├╝dische Perspektiven abgewertet und antisemitische Tendenzen bagatellisiert werden. In der Stellungnahme "Antisemitismus im Deutungskampf" hat sich das AJC mit wesentlichen Thesen dieser ZfA-Studie ("Antisemitismus als Problem und Symbol") auseinandergesetzt.

Eine konstituierende Sitzung der ExpertInnenkommission, bei der weitere Fachleute, Arbeitskreise und Netzwerke zu Rate gezogen werden, ist f├╝r M├Ąrz 2015 geplant.

Der Initiativgruppe geh├Âren an:

Deidre Berger (American Jewish Committee, Berlin), www.ajcgermany.org

Prof. Dr. Julius H. Schoeps (Moses Mendelssohn Zentrum Potsdam), www.mmz-potsdam.de

Anetta Kahane (Amadeu Antonio Stiftung), www.amadeu-antonio-stiftung.de

Stephan J. Kramer (American Jewish Committee, Berlin/Br├╝ssel), www.ajcgermany.org

Public Affairs Beitrag vom 10.02.2015 AVIVA-Redaktion 





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