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AVIVA-BERLIN.de im Juni 2018 - Beitrag vom 04.09.2008

Mediale Herbstoffensive f├╝r radiomultikulti
Christiane Kr├Ąmer

Der im Juni 2008 gegr├╝ndete Freundeskreis will die vom rbb angedrohte Schlie├čung des Radiosenders multikulti verhindern, welche ├╝ber Berlin hinaus eine medienpolitische Debatte ausgel├Âst hat



Der 1994 gegr├╝ndete und erste multikulturelle Sender Deutschlands soll wegen finanzieller Probleme des Rundfunks Berlin-Brandenburg (rbb) zum 31. Dezember 2008 eingestellt werden. Der rbb muss nach eigenen Angaben bis 2012 insgesamt 54 Millionen Euro einsparen, da der Berliner Sender auf Grund der sozialschwachen Struktur der Region die h├Âchsten Geb├╝hrenverluste der ├ľffentlich-Rechtlichen zu verzeichnen habe, so die Intendantin Dagmar Reim.

Deshalb soll die kleinste und quotenschw├Ąchste Sendewelle eingestellt und von Funkhaus Europa ├╝bernommen werden: "Falsche Richtung, falsche Zahlen, falsche Versprechen", wirft Initiativen-Sprecher Nikolaus Huss der rbb-Chefin vor: "Frau Reims Milchm├Ądchenrechnung geht nicht auf" . H├Âchstens 17 Millionen k├Ânnten eingespart werden, so fehlten noch 37 Millionen, so Huss.

Die j├╝ngste Mediaanalyse zeigt zudem die wachsende Resonanz des Senders: allein die erstmalige Befragung von EU-Ausl├ĄnderInnen hat die H├ÂrerInnenquote um 20 Prozent in die H├Âhe schnellen lassen. Es fehlen in dieser Reichweitenmessung aber immer noch MigrantInnen ohne europ├Ąischen Pass, beispielsweise aus der t├╝rkischen Community, welche jedoch die gr├Â├čte migratorische Gruppe in der Hauptstadt darstellt. Auch Internetzugriffe wurden nicht ber├╝cksichtigt.

Integration und kulturelle Vielfalt:Welche Signale senden die ├ľffentlich-Rechtlichen?

Der rbb muss im Gegensatz zu den quotenorientierten Privaten dem ├Âffentlich rechtlichem Sendeauftrag nachkommen, nachdem er "vielf├Ąltige Programme" unter "Ber├╝cksichtigung der regionalen Programmbed├╝rfnisse" anbieten soll. In der Hauptstadtmetropole Berlin leben 25 Prozent Menschen mit Migrationshintergrund, unter der jungen Bev├Âlkerung werden es etwa 50 Prozent sein.

Das Besondere an radiomultikulti ist aber nicht nur die Ansprache und Informationsversorgung der verschiedensten Communities in 21 Sprachen, sondern der Br├╝ckenschlag zwischen den Kulturen unter der Ber├╝cksichtigung der Mehrheitsgesellschaft. So wird von 6 bis 17 Uhr auf Deutsch gesendet und "eine beidseitig befahrbare Br├╝cke zwischen dem deutschen und nichtdeutschen Publikum angeboten. Integration ist keine Einbahnstra├če," betont die Chefredakteurin Ilona Marenbach.

Das medienpolitische Signal geht gerade angesichts erhitzter Debatten meinungsf├╝hrender Redaktionen um Integration in die falsche Richtung ÔÇô zumal hier kaum MigrantInnen vertreten sind. Will die ARD ernst machen mit der st├Ąrkeren Beachtung von "Integration und kulturelle Vielfalt" in der monokulturellen Medienlandschaft Deutschland, muss ein Finanzausgleich geschaffen werden, damit der rbb das kleine und hochwertige Format erhalten kann.
Der Freundeskreis fordert die Intendantin zu einem Gespr├Ąch am runden Tisch, um gemeinsam bis Ende 2009 ein schl├╝ssiges und nachhaltiges Konzept zu erarbeiten. Au├čerdem sind Solidarit├Ątskonzerte, CDs, Kinospots und zahlreiche Aktionen in der Stadt geplant, um die Schlie├čung zu verhindern und den Folgen wie einem Imageschaden f├╝r die Stadt aufmerksam zu machen.

Sie k├Ânnen den Freundeskreis radiomultikulti aktiv unterst├╝tzen:
www.multikulti.eu

Weiterlesen auf AVIVA-Berlin:

Radio multikulti darf nicht abgeschafft werden.

Mely Kiyak im Interview ├╝ber eine migrantische Perspektive in den deutschen Medien.

Public Affairs Beitrag vom 04.09.2008 AVIVA-Redaktion 





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